Wölfe im Schafspelz

Sie kommen mit Kürzeln wie AMG, Cupra, M, Nismo, OPC, RS oder SVR daher und gleichen im ersten Augenblick ihren Großserienbrüdern – die Rede ist von Performance-Fahrzeugen. Gerade im Zuge der Öffnung der Car-Policys und der dadurch allgemein steigenden Nachfrage nach mehr Individualität werden auch auf Leistung getrimmte Automobile immer interessanter für den Dienstwagennutzer. Ein Grund mehr, warum Flottenmanagement einen Blick in die Welt des Tunens und Veredelns wirft.

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Nehmen wir einmal an, dass Sie zu den Dienstwagenberechtigten zählen, die bei der Wahl ihres fahrbaren Untersatzes die freie Wahl haben: Wie würden Sie sich entscheiden? Für einen Porsche 911 Carrera, der ohne Zweifel schon in seiner Basis mit 370 PS und knapp 3 Litern Hubraum nicht gerade untermotorisiert ist, oder für den etwas extrovertierteren 911 GT3 RS mit 500 PS und satten 4 Litern Hubraum? Für diejenigen unter uns, deren Leidenschaft das Automobil ist, wird die Frage meist in die Richtung des GT3 RS beantwortet werden. Natürlich sei hier zu bedenken, dass der für Rennstrecken optimierte 911er fast doppelt so teuer und schon längst ausverkauft ist, aber wenn die Möglichkeit bestehen würde, wäre eine klare Tendenz zum Über-Elfer zu erkennen.

Aber auch abseits dieses vielleicht extremen Beispiels erfreuen sich die Powerpakete der Hersteller zunehmender Beliebtheit bei Privat- sowie Firmenkunden: „Bei unseren Flottenkunden verzeichnen wir eine verstärkte Nachfrage nach AMG-Modellen. Die steigende Nachfrage ist neben den neuen Car Policys, die den Nutzern immer mehr Auswahlmöglichkeiten bieten, vor allem auch auf die attraktiven AMG-Einstiegsmodelle zurückzuführen. Hinzu kommt, dass unsere attraktiven Flottenkonditionen für alle Mercedes-Benzund AMG-Modelle gültig sind“, gibt Frank Kemmerer, Leiter Flottenmanagement Mercedes-Benz Pkw und smart im Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland, zu verstehen. Natürlich muss der Firmenwagennutzer beispielsweise bei einem Audi RS Q3 bedenken, dass dieser mit einem Netto-Listenpreis von 47.899 Euro mehr als doppelt so teuer ist wie der Einstiegs-Q3, aber dank attraktiver Leasingkonditionen hält sich die monetäre Belastung doch in Grenzen. So muss er beispielsweise monatlich rund 613 Euro statt 280 Euro zahlen, fährt aber noch immer etwa 75 Euro günstiger im Monat als mit einem um 10 kW schwächeren SQ5 3.0 TDI quattro tiptronic competition*. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die leistungsoptimierten Derivate nicht nur auf der Managementebene ihre Anhänger finden: „Das Thema Fahrzeugveredelung ist quer durch die Hierarchien vertreten, generell spielt es bei allen User-Choosern eine Rolle, im Besonderen natürlich bei Inhabern und Geschäftsführern. Veredelt werden bei uns in erster Linie der Leon CUPRA und der Leon FR. Wir erwarten jedoch auch eine große Nachfrage nach dem Ateca hinsichtlich Felgen oder auch verschiedener Design-Anbauteile“, erklärt Marcus Hoffmann, Leiter Flotten und Remarketing bei Seat.

Die verstärkte Nachfrage ist aber auch darauf zurückzuführen, dass mancher Hersteller bereits in seinen kleinsten Fahrzeugklassen leistungsoptimierte Modelle bereithält: Beispielsweise bietet Opel seinen Adam als S oder Rocks S an, welche auf Wunsch mit Recaro-Sitzen, den Brembo-Bremsen aus dem Corsa OPC oder einem fein ausbalancierten Fahrwerk, welches den richtigen Kompromiss aus Alltagstauglichkeit und Sportlichkeit verkörpert, ausgestattet werden. Die eigentliche Palette des Opel Performance Centers (OPC) beginnt mit dem Corsa und geht über den GTC bis zum Insignia, wo sogar die Kombivariante als praktischer Sportwagen mit V6-Turbo-Benziner, der über 2,8 Liter Hubraum und 325 PS verfügt, daherkommt. Dass es sich dabei nicht mehr um Nischenprodukte handelt, zeigt sich auch bei Ford: „Grundsätzlich sehen wir gerade im Bereich der User-Chooser eine steigende Tendenz zu höherwertigen Ausstattungslinien (Titanium und Vignale) und erwarten dort auch eine stärkere Abfrage der kürzlich eingeführten ST-Line-Serien (Fiesta, Focus, Mondeo, neuer Kuga). Diese Fahrzeuge bieten gerade bei einer Car- Policy mit vorgegebenem Preisrahmen die Möglichkeit, auf ein besonders attraktives und hochwertig ausgestattetes Fahrzeug mit erhöhter Individualität zuzugreifen“, erläutert Stefan Ottinger, Leiter Flottenmarketing bei der Ford-Werke GmbH.

Welches Interesse mittlerweile auch bei den Herstellern besteht, ihren Kunden sogenannte Performance-Modelle anzubieten, zeigt nicht zuletzt Volvo: So wurde im Juli des vergangenen Jahres angekündigt, dass mit den Polestar-Varianten nun auch schwedische High-Performance-Cars bei den Händlern angeboten werden, und dies mit Erfolg. „Im Bereich der Volvo-Individualisierung haben die Polestar-Performance-Leistungsoptimierungen schon einen recht hohen Anteil, neben Fahrzeugoptik mit sportlichem und elegantem Schwerpunkt“, verrät Rüdiger Hüttemann, Leiter Fleet Sales bei der Volvo Car Germany GmbH. Neben den Fahrzeugherstellern sind natürlich auch einige Tuner beziehungsweise Veredler in diesem lukrativen Geschäftsbereich tätig. Das Erfolgsrezept ist Understatement: „Unsere Kunden sind häufig Vielfahrer, die ein exklusives Automobil suchen mit seriösem Auftritt und gleichzeitig 100 Prozent Alltagstauglichkeit, quasi das‚ dreamcar for every day‘. Ein BMW ALPINA zeichnet sich durch ein hohes Drehmoment, hervorragende Fahrleistungen bei vergleichsweise niedrigem Verbrauch aus. Bei der Auswahl der handgefertigten Lederinnenausstattung bieten wir dem Kunden viel Gestaltungsfreiraum“, erläutert Andreas Bovensiepen, ALPINA Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing.

Fazit
Es ist schon heute zu erkennen, dass der Individualität nicht nur in Form von hochwertigen Innenausstattungen sowie farblicher Außengestaltung, sondern auch als Leistungssteigerung zunehmend an Relevanz als Absatzkriterium zukommt. Grund dafür ist, dass „die Kunden sich oft von der breiten Masse abheben und ihrem täglichen Fortbewegungsmittel eine individuelle Note verpassen wollen, die den Charakter des Fahrers widerspiegelt“, gibt Thomas Ringhut, Assistenz der Geschäftsführung bei der Carlsson Fahrzeugtechnik GmbH, zu verstehen. Jedoch handelt es sich meist um „technische Detaillösungen, wie Leistungssteigerungen, Fahrwerksoptimierungen oder Abgassysteme, welche die Kunden überzeugen. Dies betrifft vor allem unsere deutschen Geschäftskunden, welche eher einen zurückhaltenden Auftritt ihres Fahrzeugs bevorzugen. Unsere ausländischen Geschäftskunden sind gegenüber optischen Veränderungen (beispielsweise Arden AR 9 Paket für den aktuellen Range Rover LG) sehr aufgeschlossen“, erklärt Jochen Arden, Geschäftsführer der Arden Automobilbau GmbH, abschließend.

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* Angaben laut ALD Automotive Online bei einer Laufzeit von 36 Monaten und einer Laufleistung von 20.000 Kilometern pro Jahr; Preise in Euro (netto).

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