Ein Konzept der Zukunft?

Die meisten Autofahrer wollen lieber ein Fahrzeug besitzen, als eines zu teilen, und dennoch glauben fast alle, dass sich Carsharing durchsetzen wird. Zu diesem Ergebnis kommt der Axa Versicherungsreport 2015 auf Grundlage einer Forsa-Studie. Dass dieser widersprüchliche Befund trotzdem Sinn macht, zeigt unter anderem unsere aktuelle Onlineumfrage zum Thema Carsharing in Unternehmen.

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Die Beteiligung an unserer Onlineumfrage war mit 250 Fuhrparkleitern Grafik 1 eher zurückhaltend, verglichen mit den Teilnehmerzahlen vergangener Umfragen. Doch auch dieses Ergebnis ist bereits eine erste Aussage. Das Thema Carsharing spricht nicht jeden an und ist auch nicht für jede Flotte geeignet. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch weniger große Flotten mit mehr als 100 Fahrzeugeinheiten an der Umfrage teilnahmen, als dies bei anderen Themen der Fall war. 85 Prozent der Teilnehmer leiten einen Fuhrpark von weniger als 50 Fahrzeugen. Dies lässt die Vermutung zu, dass es in kleinen Unternehmen einfacher zu sein scheint, ein Carsharing-System zu integrieren und zu etablieren.

Demografischer Wandel
Warum aber glauben, trotz des anscheinend geringen Interesses an Carsharing von Unternehmen und von Autofahrern, drei von fünf Befragten, dass sich Carsharing in Deutschland durchsetzen wird, wie es in der Axa- Studie heißt? Eine Antwort liegt sicher in der Altersstruktur der Autofahrer. Der sogenannte „Methusalem-Effekt“, also die Überalterung bestimmter Gruppen, ist auch in der Autobranche angekommen. Der durchschnittliche Neuwagenkäufer in Deutschland ist mit 53 Jahren eher alt, wie das CARInstitut der Universität Duisburg-Essen errechnet hat. Dagegen sind junge Menschen öfter bereit, alternative Mobilitätskonzepte in Anspruch zu nehmen. Denn insgesamt sind die jüngeren Generationen für die Sharing Economy aufgeschlossener. Auch spricht der Trend junger Menschen, im urbanen Umfeld zu leben, gegen den Besitz eines eigenen Autos. Daher kann Carsharing als ein Konzept der Zukunft verstanden werden.

In der Gegenwart kommt Carsharing laut unserer Umfrage in etwa 28 Prozent der Unternehmen zum Einsatz. Davon nutzen wiederum die meisten (67 Prozent) ein öffentliches stationsbasiertes System (Grafik 1), bei dem das Fahrzeug an bestimmten Standorten zur Verfügung steht, beispielsweise einem Flughafen. Ebenfalls mehr als die Hälfte der Unternehmen setzen auf Corporate Carsharing, bei dem nur Mitarbeiter Zugriff auf einen bestimmten Fahrzeugpool haben. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Kombinationen aus verschiedenen Sharing-Konzepten in den Unternehmen genutzt werden. Eine denkbare Konstellation ist die Verbindung eines Corporate-Carsharing-Konzepts am Standort des Unternehmens, um die Mobilität vor Ort zu gewährleisten, und einer Kooperation mit einem klassischen öffentlichen Carsharing-Anbieter für den kurzfristigen Bedarf auf Dienstreisen.

Pro Carsharing
Auf die Frage nach den Beweggründen der Carsharing-Nutzer, solche Konzepte im Unternehmen umzusetzen, erhielten wir eine relativ ausgeglichene Antwort. Jeweils 56 Prozent gaben an, dass immer mehr kurzfristige Mobilitätsanforderungen in der Unternehmensmobilität bestünden und das Teilen von Autos kostengünstiger sei, als eine klassische Poolfahrzeugflotte zu unterhalten (Grafik 2). Für 44 Prozent spielte zudem der Umweltgedanke bei der Entscheidung für Carsharing eine Rolle. Alle drei Argumente scheinen jeweils in Kombination miteinander bei den Unternehmen für Carsharing gesprochen zu haben.

Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass Zeit und Kostengründe für das Teilen der Ressource Auto sprechen. Dies gilt jedoch nicht für jeden Anwendungsfall. Daher wollten wir wissen, wann überhaupt Carsharing-Fahrzeuge in der Flotte zum Einsatz kommen (Grafik 3). Die Ultrakurzzeitmiete kommt demnach vor allem auf Dienstreisen infrage. Die großen Anbieter sind mittlerweile an vielen Flughäfen und Bahnhöfen stationiert und bieten somit eine flexible und kostengünstige Alternative zu einer Taxifahrt oder dem öffentlichen Personennahverkehr. In diesen Fällen ersetzt das Carsharing- Auto kein Flottenfahrzeug, sondern dient nur als Erweiterung des Mobilitätsangebots für Anschlussreisen. Ebenso verhält es sich, wenn der Mitarbeiter nach der Arbeit über die Firma ein Carsharing-Fahrzeug beziehen kann. Auch hier dient das Konzept nur als Erweiterung der Mobilität. Doch auch innerhalb der Flotte kommen Carsharing-Fahrzeuge zum Einsatz. Beispielsweise bei Auslastungsspitzen des eigenen Fuhrparks oder als Ersatzwagen. Diese Bereiche waren bisher immer durch die klassischen Poolfahrzeuge abgedeckt.

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Alternativen
In der Unternehmensmobilität gibt es noch weit mehr als das Trendthema Carsharing. Um von A nach B zu kommen, kann man auch das Taxi bemühen oder in den Zug einsteigen. Interessanterweise nutzen Unternehmen, die Carsharing im Portfolio der Unternehmensmobilität haben, auch häufiger Angebote wie Jobtickets, Bahncards oder Mobilitätsbudgets. So bieten Unternehmen mit Carsharing in der Flotte zu 44 Prozent ihren Mitarbeitern auch ein Jobticket an (Grafik 4). In Unternehmen ohne Carsharing sind dies nur 5 Prozent (Grafik 5). Dafür werden dort häufiger Taxifahrten in Anspruch genommen. Ähnlich verhält sich dies auch mit Mobilitätsbudgets. Hier gaben 11 Prozent der Flotten mit der Ultrakurzzeitmiete an, Mobilitätsbudgets eingeführt zu haben. Bei den restlichen Teilnehmern gab dies niemand an. Der Befund ist eindeutig: Carsharing ist vor allem etwas für Unternehmen, die für alternative Mobilitätskonzepte ohnehin schon aufgeschlossen sind. Die Kurzzeit- und Langzeitmiete sind davon jedoch nicht betroffen. Diese wurden in beiden Teilnehmergruppen etwa gleich oft angegeben.

Wie eingangs erwähnt, waren es 28 Prozent der Umfrageteilnehmer, die Carsharing in ihren Flotten anbieten. Die überwiegende Mehrheit also setzt keine sogenannte Ultrakurzzeitmiete ein. Auf den ersten Blick ist dieses Gefälle gewaltig, dennoch spiegelt es auch die Situation auf dem privaten Carsharing-Markt wider. Dort geben 74 Prozent in der bereits genannten Axa-Studie an, dass Carsharing für sie nicht infrage käme. Für den Fuhrparkbereich gibt es für diese mehrheitlich ablehnende Haltung unterschiedliche Gründe. Der Ausschlaggebendste, laut unserer Umfrage, ist der eigene Fahrzeugpool (Grafik 6). 70 Prozent der Teilnehmer gaben an, die kurzfristigen Mobilitätsanforderungen mit den Poolfahrzeugen abzudecken und daher kein Carsharing zu benötigen. Immerhin 17 Prozent nutzen andere Mobilitätsangebote in solchen Fällen.

Fazit
Der Markt für Carsharing wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Nicht nur, dass nachfolgende Generationen stärker mit Konzepten des Teilens aufwachsen und dafür empfänglicher sind, auch jetzt schon scheint man die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. So gaben 18 Prozent der Umfrageteilnehmer an, zukünftig Carsharing in der eigenen Flotte einzuführen (Grafik 7). Gerade in der Unternehmensmobilität macht Carsharing beziehungsweise Corporate Carsharing Sinn. So kann eine bestehende Poolfahrzeugflotte sehr viel effizienter genutzt werden, wenn diese durch ein Sharingsystem den Mitarbeitern zugänglich gemacht wird (siehe auch Artikel zum Thema auf Seite 68).

 

Die nächste Flottenmanagement-Umfrage finden Sie auf: www.flotte.de/umfrage
Das Thema dieses Mal lautet: Werkstattservice in der Flotte

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