Auch in der Produktionspause während der Corona-Krise wurde an dem Projekt konsequent weitergearbeitet. „Wir kommen gut voran und machen jetzt noch deutlich mehr Tempo“, sagt Roy Sauer, Leiter Enterprise und Plattform Architektur Volkswagen Konzern. Volkswagen will die Produktivität seiner Werke von 2016 bis zum Jahr 2025 um 30 Prozent erhöhen. „Unsere Industrial Cloud ist ein ganz entscheidender Hebel, um dieses Ziel zu erreichen“, so Walker. Der Konzern erwartet in Summe Kostensenkungen von mehreren Milliarden Euro, wenn die Daten sämtlicher 124 Werke standardisiert ausgewertet werden können. Die Industrial Cloud basiert auf Amazon Web Services (AWS) und Siemens ist Integrationspartner.

Der Volkswagen Konzern startete 2019 planmäßig zunächst mit den Standorten Chemnitz, Wolfsburg und Polkowice (Polen) der Marke Volkswagen Pkw. „Wir erhöhen jetzt die Schlagzahl und bringen die Industrial Cloud in die Breite“, so Walker. In diesem Jahr sollen bis zu 15 weitere Werke der Marken Audi, Seat, Skoda, Volkswagen Pkw, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Porsche und der Komponente angebunden werden. Dazu gehören die deutschen Standorte Braunschweig, Emden, Hannover, Ingolstadt, Kassel, Leipzig, Neckarsulm, Salzgitter, Zuffenhausen, Zwickau sowie Martorell (Spanien), Palmela (Portugal), Györ (Ungarn), Mladá Boleslav und Vrchlabi (beide Tschechien).

„Wir freuen uns über das hohe Tempo in der Entwicklung und dem Ausbau der Industrial Cloud auf weitere Produktionsstätten von Volkswagen in diesem Jahr”, sagt Dirk Didascalou, Vice President von AWS IoT, Amazon Web Services (AWS). „Die Funktionsvielfalt, die wir gemeinsam auf Basis von AWS-Technologien entwickeln, bietet uns die Möglichkeit Anlagendaten in der Industrial Cloud kostengünstig und standardisiert zu sammeln und zu organisieren. Damit beschleunigen wir die Bereitstellung von Anwendungen, mit denen die Effizienz der Produktion und Logistik von Volkswagen weiter gesteigert wird.“

Kostensenkung durch Standardisierung

In einem ersten Schritt hat der Konzern 15 verschiedene Anwendungen definiert, die nun als Apps standardisiert für alle Werke zur Verfügung stehen. Schwerpunkte liegen unter anderem im Bereich der vorausschauenden Wartung der Maschinen oder der Reduzierung von Nacharbeiten an Fahrzeugen durch künstliche Intelligenz (KI). Allein durch die Implementierung der ersten 15 Anwendungen wird eine Kostensenkung von rund 200 Millionen Euro bis 2025 erwartet.

Daten von hunderttausenden Maschinen in die Cloud

Daten von mehreren hunderttausend Maschinen und Anlagen werden im sogenannten „Brown-Field“-Ansatz von Sensoren erfasst und von standardisierten Apps in der Cloud analysiert. Jede Maschine, Anlage und jedes System werden manuell angeschlossen und bei älteren Anlagen zum Teil auch noch mit Sensoren versehen. In der Endausbaustufe dürfte die täglich ausgewertete Menge an Informationen in der Größenordnung des Datenvolumens einer mittleren deutschen Kleinstadt liegen. „Wir haben das notwendige Know-how im Konzern, um aus diesen Daten Effizienzpotenziale abzuleiten, und wir bauen dieses weiter aus“, sagt Sauer. Derzeit sind rund 220 Experten im Konzern mit dem Projekt befasst – die Zahl soll bis Ende 2020 auf rund 500 steigen.

Volkswagen Industrial Cloud wird industrielles Partnernetzwerk

Die Lösungen und Applikationen, die Volkswagen derzeit entwickelt, sollen zudem auch im Rahmen eines offenen Ökosystems für andere Unternehmen zugänglich sein und gemeinsam weiterentwickelt werden. In diesem Zusammenhang gibt es keinen Fokus auf den Automobilsektor. Gespräche mit einer Reihe entsprechender weiterer Partner aus unterschiedlichen Branchen sind bereits sehr weit fortgeschritten. Eine gemeinsame Weiterentwicklung und Nutzung bietet für die Beteiligten einen großen Vorteil, weil sie die Plattform und Services nicht selbst entwickeln müssen und von den Synergien im Verbund profitieren.