Mercedes-Benz startet Großserienproduktion des elektrischen Axial-Fluss-Motors in Berlin-Marienfelde

Mercedes-Benz hat im Werk Berlin-Marienfelde die Großserienproduktion seines neuen elektrischen Axial-Fluss-Motors gestartet. Mit dem Start der Großserienproduktion des revolutionären Antriebs von Mercedes-Benz schlägt der älteste produzierende Standort des Unternehmens ein neues Kapitel in seiner mehr als 120-jährigen Geschichte auf. Der kompakte Hochleistungsmotor feiert im neuen Mercedes-AMG GT 4‑Türer Coupé seine Weltpremiere in einem Serienfahrzeug. Das 1902 gegründete Werk Berlin-Marienfelde ist seit Jahrzehnten Teil des globalen Powertrain-Produktionsverbunds; seit 2022 ist dort zudem der Mercedes-Benz Digital Factory Campus beheimatet. Mercedes-Benz etabliert den Standort nun als Kompetenzzentrum für die Herstellung von High-Performance-Elektromotoren. 

Mercedes-Benz startet Großserienproduktion des elektrischen Axial-Fluss-Motors in Berlin-Marienfelde

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Mercedes-Benz startet Großserienproduktion des elektrischen Axial-Fluss-Motors in Berlin-Marienfelde

„Mit dem Start der Großserienproduktion des Axial-Fluss-Motors in Berlin-Marienfelde bringen wir eine wegweisende Innovation für die Elektromobilität in die industrielle Realität. Damit setzen wir ein starkes Zeichen für technologische Führungsstärke, operative Exzellenz und den Wandel der Automobilindustrie in Deutschland. Mein besonderer Dank gilt dem Team, das dieses technologisch hochkomplexe Projekt mit Leidenschaft, Präzision und großem Pioniergeist möglich macht.“ 
Michael Schiebe, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group AG, verantwortlich für Produktion, 
Qualität und Supply Chain Management 

„Das Beherrschen der anspruchsvollen Axial-Fluss-Technologie ist eine große Chance für die deutsche und europäische Automobilindustrie. Denn dieser besondere Elektromotor trägt dazu bei, sich im Premiumsegment zu behaupten. Der Produktionsstart des Axial-Fluss-Motors in Berlin-Marienfelde setzt ein starkes Signal für den Industriestandort Deutschland. Mit dem Axial-Fluss-Motor von Mercedes bekommt die Elektromobilität zusätzlichen Schwung. Ein entscheidender Faktor für den weiteren Erfolg der E-Mobilität ist die Ladeinfrastruktur. Mit unserem Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 unterstützen wir zum einen das enorme Engagement der Ladeinfrastruktur-Branche – und zum anderen das der Automobilindustrie.“ 
Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr

„Mit dem Produktionsstart dieses neuen, hochmodernen Axial-Fluss-Motors beginnt ein neues Kapitel für innovative Fahrzeugtechnik, für industrielle Wertschöpfung und für die Transformation der Mobilität. Berlin braucht solche Erfolgsgeschichten. Sie schaffen Vertrauen in den Wandel, sie sichern Arbeitsplätze und sie stärken unsere Position im internationalen Wettbewerb. Die gute Botschaft dieses Tages lautet: Marienfelde ist ein traditionsreicher Standort, der mit technologischer Exzellenz in die Zukunft geht.“ 
Ute Bonde, Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin

Mit Beginn der Großserienproduktion des Axial-Fluss-Motors wird aus einer technologischen Vision industrielle Realität. Was aufgrund der Komplexität lange als kaum realisierbar galt, wird nun in Berlin-Marienfelde in Großserie gefertigt. Insgesamt umfasst die Fertigung 98 Prozessschritte. 65 davon kommen erstmals bei Mercedes-Benz zum Einsatz, 35 Prozesse sind weltweit neu. Die dafür entwickelten Technologien führten zu mehr als 30 Patentanmeldungen. Auf rund 30.000 Quadratmetern Produktionsfläche in drei Hallen und auf sieben Produktionslinien verbindet Mercedes-Benz hochautomatisierte Fertigungsprozesse, Lasertechnologie, intelligente Regelung, KI-gestützte Qualitätskontrolle und das Know-how hochqualifizierter Beschäftigter. 

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Der Start der Großserienproduktion des Axial-Fluss-Motors stellt außergewöhnliche Anforderungen an Präzision, Prozesssicherheit und Automatisierung. Die kompakte Bauform und hohe Leistungsdichte des Motors erfordern Fertigungsverfahren, die eigens neu entwickelt und für die Großserie industrialisiert wurden. 

Ein Beispiel ist die Herstellung der Kupferspulen. Um die hohe Leistungsdichte des Axial-Fluss-Motors zu erreichen, wird im Stator unter anderem rechteckiger Kupferdraht verwendet. Dadurch kann im gleichen Bauraum mehr Kupfer eingebracht werden als mit rundem Draht. Der Draht muss jedoch mit hoher Geschwindigkeit in enge Radien gebogen werden, ohne dass Falten entstehen, die Isolierung beschädigt oder der Querschnitt verringert wird. Mercedes-Benz hat dafür in Zusammenarbeit mit Partnern ein spezielles Verfahren entwickelt, das höchste Präzision mit industrieller Taktfähigkeit verbindet. 

Auch die Verschaltung der Spulenpakete im Stator ist technologisch anspruchsvoll. Jedes Spulenende muss in sehr begrenztem Bauraum mit dem passenden Verschaltungsdraht verbunden werden – ohne thermische Schädigung benachbarter Kunststoffstrukturen. Die Lösung ist eine hochpräzise Laserverbindung der Kupferdrähte. Sie ermöglicht einen minimalen Energieeintrag an der Schweißstelle bei gleichzeitig sehr kurzer Prozesszeit. 

Hochpräzises Polymerschweißen per Laser

Ein weiteres Beispiel für präzisionskritische Fertigungsprozesse ist das Polymerschweißen. Die simultane Lasertransmissionsverschweißung von Kunststoffteilen im Antriebsstrang erfordert höchste geometrische Genauigkeit und minimalinvasiven Energieeintrag, um Beschädigungen in der direkten Umgebung zu vermeiden. KI-gestützte optische Echtzeit-Qualitätskontrolle dokumentiert die Verbindung unmittelbar und unterstützt so die Prozesssicherheit. Bei der Konditionierung von Fügepartnern erkennt KI-gestützte Bildverarbeitung die exakte Lage eines Bauteils, legt virtuelle Schutzzonen über sensible Bereiche und stellt sicher, dass der Laser gezielt nur die vorgesehenen Oberflächen bearbeitet. Die derart verbundenen Komponenten sind sowohl öldruckdicht als auch mechanisch hochbelastbar. 

Hochpräzise Endmontage

Besonders eindrucksvoll ist die Endmontage, intern als „Hochzeit“ bezeichnet. Dabei wird der Stator zwischen zwei Rotorscheiben mit Magneten positioniert und fest verbunden. Auf die Komponenten wirken magnetische Kräfte von bis zu 9 kN (Kilonewton) – das entspricht rund 900 Kilogramm. Gleichzeitig muss der Stator mit einer Toleranz von weniger als 0,1 Millimetern in der magnetischen Mittelebene bleiben. Ein innovativer Regelungsalgorithmus korrigiert die Position in den letzten 0,5 Sekunden des Prozesses mit hochfrequenten Regelimpulsen. Entscheidend sind dabei nicht Kraft allein, sondern intelligente Regelung, sensible Sensorik und exakte Prozessführung. 

Der Axial-Fluss-Motor: Höchstleistung auf kleinstem Bauraum

Der britische Elektromotoren-Spezialist YASA hat das Grundprinzip des Axial-Fluss-Motors aufgegriffen und einen innovativen Prototypen entwickelt, auf dem der heutige Motor aufbaut. Seit der Übernahme von YASA als hundertprozentiges Tochterunternehmen der Mercedes-Benz AG im Jahr 2021 hat Mercedes-Benz die Technologie konsequent weiterentwickelt. Dies betrifft sowohl das Produkt selbst als auch den Produktionsprozess, um beide an die Anforderungen der automobilen Großserienproduktion, Hochleistung und Dauerbelastbarkeit anzupassen. Ein Beispiel dafür: Der Axial-Fluss-Motor an der Vorderachse erreicht Drehzahlen von mehr als 15.000 Umdrehungen pro Minute.    

Im Unterschied zu konventionellen Radial-Fluss-Motoren verläuft der elektromagnetische Fluss beim Axial-Fluss-Motor parallel zur Drehachse. Die wesentlichen Komponenten sind scheibenförmig angeordnet: Zwei Rotoren umschließen den Stator sandwichartig von links und rechts. Diese Bauweise ermöglicht ein besonders kompaktes Motordesign, eine hohe Leistungs- und Drehmomentdichte sowie neue Freiheiten beim Packaging des Antriebsstrangs. Im neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé ist der Motor an der Vorderachse nur knapp neun Zentimeter breit; die beiden Motoren an der Hinterachse messen jeweils rund acht Zentimeter in der Breite. Die drei Axial-Fluss-Motoren sind je Achse in sogenannte High Performance Electric Drive Units (HP.EDU) integriert, wo sie gemeinsam mit einem kompakten Eingang-Planetenradgetriebe in einem Gehäuse vereint sind.   

Das neue Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé zeigt eindrucksvoll, welches Leistungspotenzial in dieser Technologie steckt. Das vollelektrische Performance-Modell beschleunigt in bis zu 2,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht mit dem Driver’s Package eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Seine Leistungsfähigkeit demonstrierte das Konzept außerdem bereits im Vorjahr mit einer spektakulären Rekordfahrt in Nardò an Bord des Technologieträgers CONCEPT AMG GT XX: In sieben Tagen und 13 Stunden absolvierte dieser mehr als 40.000 Kilometer und stellte 25 Langstreckenrekorde auf. 

Digital Factory Campus als Innovationsmotor

Der Start der Großserienproduktion des Axial-Fluss-Motors ist eng mit der strategischen Weiterentwicklung des Standorts Berlin-Marienfelde verknüpft. Mit dem Mercedes-Benz Digital Factory Campus übernimmt das Werk seit 2022 eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung der Produktion im globalen Mercedes-Benz Produktionsnetzwerk. Der Campus dient als reale Produktionsumgebung für die Entwicklung und Erprobung digitaler Anwendungen, die auf dem Produktionsökosystem MO360 basieren. 

Mit der Industrialisierung des Axial-Fluss-Motors verbindet Berlin-Marienfelde zentrale Zukunftsfelder: elektrische Hochleistungsantriebe, digitale Produktion und intelligente Automatisierung. Der älteste produzierende Mercedes-Benz Standort übernimmt damit eine zentrale Rolle bei der Überführung neuer Technologien in skalierbare und qualitätsgesicherte Großserienprozesse.

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