Ziemlich sympathisch

Mit dem Renault 4 ist den Franzosen ein guter Wurf gelungen. Der Kleinwagen wirkt erstens sympathisch und hat zweitens funktionale Elemente. Und ein Allrounder ist er trotz den Kleinwagensegments obendrein.

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Manchmal ist Elektromobilität besonders überzeugend, wenn sie nicht nur technisch sauber funktioniert, sondern auch eine Idee transportiert. Der Renault 4 E-Tech ist so ein Fall. Er ist kein nüchternes Rechenmodell auf Rädern, kein reiner Effizienzautomat und auch kein übermotorisierter Lifestyle-Klotz. Er ist ein kompaktes Elektroauto mit Charakter, Humor und einem erstaunlich erwachsenen Nutzwert. Renault greift beim neuen R4 bewusst in die eigene Historienkiste, zieht aber keine verstaubte Nostalgie hervor. Stattdessen entsteht ein Auto, das den Geist des alten Renault 4 in die Gegenwart übersetzt. Er ist praktisch, unprätentiös, sympathisch und sogar ein bisschen frech.

Mit 4,14 Metern Länge bleibt der Renault 4 kompakt genug für die Stadt, wirkt aber nicht wie ein reines Zweitauto. Genau darin liegt sein Reiz. Er passt in urbane Räume, in enge Parkhäuser und in den Alltag kleiner Haushalte, bietet aber genug Substanz, um auch als Erstwagen funktionieren zu können. Für Nutzer, die nicht jeden Tag 600 Kilometer Autobahn fahren, aber trotzdem nicht permanent über Reichweite nachdenken möchten, ist diese Mischung interessant. Der Renault 4 ist ein Stadtauto mit Wochenendradius, ein Pendlerauto mit Freizeitlaune, ein kleines Elektroauto, das sich größer anfühlt, als es auf dem Papier ist.

In der hier getesteten Version als E-Tech Electric 150 leistet der Motor 150 PS. Dazu kommen 245 Nm Drehmoment, eine 52-kWh-Batterie und eine WLTP-Reichweite von bis zu 409 Kilometern. Das ist im Segment kein Mondflug, aber ein sehr brauchbarer Wert. Für den urbanen Alltag, das Pendeln, die Fahrt zum Kunden, den Familienbesuch am Wochenende oder den spontanen Abstecher ins Umland reicht das souverän.

Auch die Fahrleistungen passen zu diesem Charakter. Von 0 auf 100 km/h geht es in 8,2 Sekunden. Das klingt auf dem Papier nicht spektakulär, fühlt sich im Alltag aber völlig ausreichend an. Elektrotypisch spricht der Antrieb direkt an. Der R4 fährt hinreichend flink, zieht sauber los und hat genug Kraft, um im Stadtverkehr quirlig zu wirken und auf der Landstraße nicht angestrengt zu erscheinen. Mehr braucht es in dieser Klasse tatsächlich kaum.

Das Fahrwerk ist außerdem eher komfortabel abgestimmt und passt damit gut zum Grundgedanken des Autos. Querfugen, schlechte Straßen und Kopfsteinpflaster werden weitgehend gelassen verarbeitet. Damit wirkt der R4 erwachsener, als seine charmante Retro-Fassade zunächst vermuten lässt.

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Das Design ist übrigens einer der großen Pluspunkte. Der neue R4 zitiert den Klassiker, ohne ihn plump zu kopieren. Besonders fein ist der beleuchtete Rahmen an der Front zusammen mit der ebenfalls beleuchteten Renault-Raute. Das gibt dem Auto abends ein eigenständiges Gesicht. Der R4 wirkt freundlich, aber nicht kitschig; modern, aber nicht austauschbar. In einer Zeit, in der viele Elektroautos aussehen, als seien sie im Windkanal geboren worden, ist das fast schon eine kleine Befreiung.

Innen setzt sich diese Mischung fort. Der Renault 4 wirkt verspielt, aber nicht albern. Der große Bildschirm dürfte Infotainment-Freunde schnell erfreuen, zumal Renault beim OpenR-link-System auf integrierte Google-Dienste setzt. Google Maps kann die elektrische Routenplanung unterstützen, die Sprachbedienung arbeitet angenehm, und mehr als genug Apps stehen ebenfalls bereit. Das macht den R4 nicht nur moderner, sondern auch alltagstauglicher. Gerade bei Elektroautos ist ein gutes Infotainmentsystem mehr als Spielerei. Es entscheidet mit darüber, wie einfach Laden, Navigieren und Planen im Alltag tatsächlich funktionieren.

Dazu kommt Renaults eigener Avatar Reno, der Sprachbefehle annimmt und bei Fragen helfen soll. Das klingt im ersten Moment nach digitalem Spielzeug, kann aber im Alltag durchaus nützlich sein. Beispielsweise dann, wenn Funktionen nicht erst in Untermenüs gesucht werden müssen. Natürlich wird nicht jeder Kunde mit einem Auto sprechen wollen.

Praktisch bleibt er ebenfalls. Der Kofferraum fasst bis zu 1.405 Liter, die Rücksitze lassen sich im Verhältnis 40:60 umklappen. Für ein Auto dieser Größe ist das ordentlich. Dazu kommt eine angenehm niedrige Ladekante, weil die Heckklappe weit nach unten reicht. Genau das ist wichtig, denn der historische Renault 4 lebte ebenfalls von Alltagstalent. Wunderbar französisch ist der optionale Baguettehalter aus Korbgeflecht. Solche Details machen aus einem Produkt eine kleine Erzählung.

Beim Laden zeigt sich der Renault 4 solide, wenn auch nicht revolutionär. An der Gleichstromsäule sind beim Comfort Range bis zu 100 kW möglich, der Ladehub von 15 auf 80 Prozent soll rund 30 Minuten dauern. Das ist für die Klasse in Ordnung. Wer überwiegend zu Hause, am Arbeitsplatz oder im urbanen Umfeld lädt, wird mit dieser Ladeleistung gut zurechtkommen. Für gelegentliche längere Fahrten ist sie ebenfalls akzeptabel.

Preislich startet der Renault 4 E-Tech bei 26.790 Euro netto. Damit ist er kein Billigauto. Aber
er ist auch kein blasses Vernunftprodukt, bei dem man jeden Euro gegen reine Reichweite aufrechnen möchte. Man bekommt ein charakterstarkes Elektroauto mit brauchbarer Batterie, gutem Infotainment, ordentlichem Platzangebot, komfortabler Abstimmung sowie einem Design, das im Alltag vermutlich mehr Freude macht als manche formal rationalere Alternative.

Gerade im Flottenkontext ist das spannend. Der Renault 4 ist kein klassischer Außendienstwagen für lange Autobahnetappen, aber als Poolfahrzeug oder sympathischer User-Chooser für kürzere Profile kann er sehr gut funktionieren. Wer Mitarbeiter für Elektromobilität gewinnen möchte, braucht manchmal nicht die größte Batterie, sondern das richtige Gefühl. Der R4 liefert genau das: Man steigt ein und denkt nicht an Verzicht, sondern an Lust auf Alltag.

Mit 150 PS, rund 400 Kilometern WLTPReichweite, komfortabler Abstimmung und cleverem Innenraum matcht er ganz gut. Nicht jedes Elektroauto muss maximal groß, schnell oder teuer sein. Manchmal reicht ein gutes Konzept, sauber umgesetzt und mit einem freundlichen Augenzwinkern serviert. Der Renault 4 ist damit eines jener Autos, die man nicht nur nach Datenblatt bewerten sollte. Dieses Auto hat Charakter. Es bringt französische Leichtigkeit in ein Segment, das meist bloß funktional ist. Und genau das hat in der Elektroautolandschaft bisher gefehlt.

 

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