Transparenz statt Überraschung
Interview mit Sten Rauch (Geschäftsführer) und Thomas Tietje (Head of Sales and Business Development) von RONYA

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Flottenmanagement: Centhree wurde im Jahr 2021 in Hamburg gegründet und brachte 2022 die Marke RONYA auf den Markt. Könnten Sie uns bitte kurz die Entstehungsgeschichte des Unternehmens sowie die Entwicklung der Marke erläutern
Thomas Tietje: Die Gründung von Centhree war ein spannender Prozess. Im Sommer 2021 wurde die Grundidee des Geschäftsmodells finalisiert und nach intensiven Gesprächen und Planungen folgte im November 2021 der nächste große Schritt: Wir bezogen unser Büro in Hamburg und legten damit den Grundstein für unsere Arbeit. Schnell wurde uns klar, dass der ursprüngliche Name „Centhree Advanced Mobility“ für den Markt zu lang war. Im Zuge unserer Marktbearbeitung haben wir uns entschieden, mit RONYA eine eingängige, markenstarke Identität aufzubauen, die unsere Lösungskompetenz auf den ersten Blick transportiert. Von Anfang an lag unser Fokus darauf, ein Produktportfolio zu schaffen, das die Prozesse rund um Service, Wartung und Reparatur von Fahrzeugflotten vereinfacht.
Flottenmanagement: Die Steuerung von Werkstätten zählt in vielen Fuhrparks zu den komplexesten operativen Aufgaben. Wie geht RONYA dieses Problem an und welche Vorteile ergeben sich daraus für den Arbeitsalltag eines Fuhrparkmanagers?
Sten Rauch: Die Steuerung von Werkstätten stellt eine der größten Herausforderungen im Flottenmanagement dar, und genau hier setzt RONYA an. Unser Ansatz basiert auf einer vollintegrierten Softwarelösung, die alle Beteiligten – Fuhrparkverantwortliche, Fahrer und Werkstätten – in einem gemeinsamen System und Prozess zusammenführt. Das Besondere daran: Wir fungieren als zentrale Schnittstelle zwischen unseren Kunden und den Werkstätten. Für Flotten mit deutschlandweit verteilten Fahrzeugen bedeutet das, dass statt hunderter oder gar tausender Einzelrechnungen von verschiedenen Werkstätten nur noch eine konsolidierte Rechnung über RONYA erstellt wird. Ein entscheidender Vorteil für Fuhrparkleiter ist dabei die deutliche Kostenersparnis. Durch unser Werkstattnetzwerk und optimierte Abläufe können wir die Stundensätze im Vergleich zu Vertragswerkstätten um mindestens 20 Prozent senken. Gleichzeitig garantieren wir kurze Vorlaufzeiten für Werkstatttermine, da wir mit den Werkstätten feste Kapazitäten vereinbart haben. Unsere Software spielt dabei eine Schlüsselrolle: Reparaturen können durch vom Kunden definierte Regeln vollständig automatisiert verarbeitet werden. Für Fuhrparkleiter bedeutet das, dass sie nicht mehr jeden einzelnen Schritt selbst koordinieren müssen.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Standardisierung der Werkstattprozesse. Wir stellen den Werkstätten klare Arbeitsanweisungen sowie alle erforderlichen Informationen wie Servicepläne, Teile-Spezifikationen und Intervallangaben zur Verfügung. So gewährleisten wir, dass die Qualität der Arbeiten unabhängig vom Standort stets auf einem gleichbleibend hohen Niveau bleibt. Unsere Philosophie basiert auf einem echten „End-to-End“-Ansatz: Von der Buchung über die Durchführung bis hin zur Abrechnung erfolgt alles digital und effizient. Dies entlastet die Fuhrparkverantwortlichen erheblich und sichert eine hohe Servicequalität. Während viele bestehende Fuhrparkmanagement-Systeme primär Daten und Reportings liefern, denkt RONYA konsequent vom Problem her – wir lösen die Aufgabe, statt sie nur sichtbar zu machen.

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Flottenmanagement: Wie gestalten Sie die Auswahl und Qualifizierung Ihrer Werkstattpartner? Welche Kriterien müssen Betriebe erfüllen, um in das RONYA-Netzwerk aufgenommen zu werden
Thomas Tietje: Unser Werkstattnetz umfasst inzwischen über 2.000 sorgfältig ausgewählte, geprüfte und durch eigenen Außendienst qualifizierte Partnerbetriebe. Dabei unterteilen wir die Werkstätten in verschiedene Kategorien: Vertragswerkstätten, klassische freie Werkstätten sowie Werkstattketten. Diese Segmentierung ermöglicht es uns, gezielt auf die individuellen Wünsche unserer Kunden einzugehen. Möchte ein Kunde beispielsweise keine Vertragswerkstätten oder Ketten nutzen, können wir dies entsprechend berücksichtigen. Ein zentraler Faktor bei der Auswahl ist dann die Qualifikation der Werkstätten. Wir arbeiten ausschließlich mit Meisterbetrieben zusammen, die sich regelmäßig weiterbilden. Das ist besonders wichtig, da moderne Fahrzeuge zunehmend mit komplexer Technik ausgestattet sind, wie etwa ADAS-Systemen (Advanced Driver Assistance Systems), die eine präzise Kalibrierung von Kameras und Sensoren erfordern.
Sten Rauch: Um die Qualität unseres Netzwerks zu gewährleisten, verfügen wir weiterhin über ein eigenes Team, das deutschlandweit im Einsatz ist. Diese Mitarbeiter besuchen die Werkstätten vor Ort, überprüfen sie anhand eines detaillierten Kriterienkatalogs und führen Schulungen durch. Unser Team konzentriert sich gezielt darauf, das Netzwerk in den Gebieten auszubauen in denen sich unsere Kunden befinden. Die Erweiterung des Netzwerkes in ausgewählten Gebieten erfolgt gemeinsam in Abstimmung mit dem Kunden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Integration bereits bestehender Werkstattbeziehungen unserer Kunden. Viele Kunden arbeiten bereits mit bestimmten Betrieben zusammen, die wir problemlos in unser Netzwerk aufnehmen. Unser Ansatz ist klar: Der Kunde behält die Kontrolle. Wir vermitteln die Fahrzeuge nicht einfach an Werkstätten, die uns besonders zusagen, sondern orientieren uns vollständig an den Bedürfnissen des Kunden.
Flottenmanagement: Ersatzmobilität ist für viele Fuhrparkleiter ein wichtiges Thema. Wie geht RONYA mit Situationen um, in denen ein Fahrzeug kurzfristig und ungeplant in die Werkstatt muss
Thomas Tietje: Bei ungeplanten Werkstattaufenthalten, etwa nach einem Unfall oder einer Panne, liegt unser Hauptaugenmerk darauf, die Standzeit des Fahrzeugs so kurz wie möglich
zu halten. Denn Stillstand bedeutet verlorene Zeit: Ein Fahrzeug, das nicht unterwegs ist, erwirtschaftet keine Einnahmen, ganz gleich, ob es sich um ein User-Chooser-Fahrzeug oder ein Funktionsfahrzeug handelt. Um unseren Kunden den Prozess so angenehm wie möglich zu gestalten, bieten wir verschiedene Serviceleistungen an. Ein zentraler Baustein ist dabei unser Holund Bring Service (Concierge): Dieser ermöglicht es dem Kunden, bequem zu Hause oder im Büro zu bleiben, während wir die Fahrzeugübergabe übernehmen. Der Kunde muss lediglich den Schlüssel übergeben und eine kurze Übergabe durchführen, den Rest erledigen wir. Zusätzlich bieten wir Ersatzmobilität an. Viele unserer Buchungen beinhalten direkt die Option, ein Ersatzfahrzeug zu nutzen. Das ist besonders wichtig für Kunden, die mobil bleiben müssen, etwa für Kundentermine oder geschäftliche Verpflichtungen. Dabei stellen wir sicher, dass das Ersatzfahrzeug den Anforderungen entspricht: Ein Transporter oder Funktionsfahrzeug wird beispielsweise nicht durch einen Kleinwagen ersetzt.
Flottenmanagement: Viele Fuhrparkleiter bemängeln, dass Werkstattrechnungen oft von den ursprünglichen Kostenvoranschlägen abweichen. Wie sorgt RONYA dafür, dass diese typische Kostenfalle vermieden wird
Thomas Tietje: Die Vermeidung unerwarteter Kostenabweichungen ist ein zentraler Bestandteil unseres Konzepts bei RONYA. Wir geben unseren Kunden ein verbindliches Kostenversprechen: Sie zahlen ausschließlich den Betrag, den sie zuvor freigegeben haben. Der Prozess beginnt bereits bei der Buchung: Wird beispielsweise eine Inspektion für einen Passat gebucht, zeigt unser System den exakten Preis an. Dieser basiert auf den Herstellervorgaben und umfasst Arbeitslohn, Ersatzteile sowie alle notwendigen Leistungen für das jeweilige Wartungsintervall. Der Fuhrparkleiter kann solche Aufträge entweder automatisiert freigeben, sofern sie unter einer festgelegten Grenze liegen, oder sie manuell prüfen. Das Besondere bei RONYA ist, dass der freigegebene Preis exakt auf der Rechnung erscheint – ohne Abweichungen. Dadurch kann die Rechnung vollautomatisch verarbeitet werden (sogenannte Dunkelverarbeitung, das heißt ohne manuelles Eingreifen), was insbesondere für große Flotten mit vielen Fahrzeugen und Werkstätten eine enorme Zeitersparnis bedeutet. In herkömmlichen Abläufen müssen Fuhrparkleiter häufig Rechnungen reklamieren, Werkstätten kontaktieren und Zahlungen zurückhalten. Ein zeitaufwändiger und ineffizienter Vorgang, den wir vollständig eliminieren.
Zudem werden Rechnungen in vielen Unternehmen oft direkt an die Buchhaltung weitergeleitet und ohne Prüfung bezahlt, was ein hohes Risiko für Fehler und unnötige Kosten birgt. Mit RONYA übernehmen wir diese Kontrolle und garantieren, dass die Rechnungen korrekt und transparent sind. In dieser konsequenten End-to-End-Form ist unser Ansatz bislang einzigartig am deutschen Markt und bietet unseren Kunden sowohl Sicherheit als auch Effizienz. Auch Werkstätten profitieren davon, da sie genau wissen, welche Leistungen sie für den freigegebenen Betrag erbringen müssen.
Flottenmanagement: Für viele Unternehmen birgt der Leasingrückgabeprozess ein erhebliches Risiko nachträglicher Kosten. Wie hilft RONYA Fuhrparkleitern dabei, ihre Fahrzeuge bestmöglich auf die Rückgabe vorzubereiten
Thomas Tietje: Die sogenannten Minderwerte, die bei der Rückgabe berechnet werden, führen oft zu Spannungen zwischen Leasinggebern und Fuhrparkverantwortlichen. Mit RONYA bieten wir einen Prozess, der Unternehmen dabei unterstützt, diese Risiken zu minimieren. Ein wesentlicher Vorteil unseres Ansatzes liegt darin, dass wir die Rücknahmekataloge der Leasinggeber genau kennen und wissen, wie Schäden bewertet werden. Ob es sich um Gebrauchsspuren, Kratzer oder Beulen handelt: Wir arbeiten eng mit Gutachterorganisationen zusammen, um eine qualitativ hochwertige Begutachtung zu gewährleisten. So können wir den Minderwert eines Fahrzeugs präzise einschätzen und unseren Kunden eine klare Kostenübersicht bieten.
Flottenmanagement: Nachhaltigkeit gewinnt in der Flottenverwaltung zunehmend an Bedeutung. Welchen Beitrag leistet RONYA zu diesem Thema
Thomas Tietje: Nachhaltigkeit ist für uns kein nachgelagertes Marketingthema, sondern ein direktes Ergebnis dessen, was wir operativ ohnehin tun. Drei Hebel sind dabei aus unserer Sicht besonders wirksam. Erstens die Verlängerung der Fahrzeuglebenszyklen: Durch standardisierte, herstellerkonforme Service- und Wartungsprozesse sowie die qualifizierte Auswahl unserer Partnerbetriebe sorgen wir dafür, dass Fahrzeuge länger zuverlässig im Einsatz bleiben und in einem besseren Zustand an den Leasinggeber zurückgehen. Zweitens das Thema Smart Repair. Statt komplette Stoßfänger zu tauschen oder Felgen zu ersetzen, lassen wir Schäden – wann immer technisch sinnvoll – über unser spezialisiertes Netzwerk von über 80 Aufbereitungsbetrieben fachgerecht reparieren. Drittens die intelligente Werkstattauswahl: Der Kunde steuert direkt oder automatisiert Aufträge gezielt an qualifizierte Betriebe in der Nähe des Fahrzeugstandorts.
Flottenmanagement: Auf ‚Flotte! Der Branchentreff‘ hat RONYA einige neue Produkte präsentiert. Um welche Produkte handelt es sich dabei
Thomas Tietje: Ein besonderes Highlight sind unsere neuen Wartungspakete, die auf den umfangreichen Daten basieren, die wir durch unser Werkstattnetz und zahlreiche Service-Events gesammelt haben. Mit diesen Paketen bieten wir unseren Kunden eine planbare monatliche Rate, die häufig günstiger ist als die Angebote von Herstellern oder Leasinggesellschaften. Das Besondere daran ist, dass unsere Wartungspakete stets in Verbindung mit unserem digitalen Prozess angeboten werden.
Sten Rauch: Ein weiteres neues Produkt ist die durchgängige Schadenaufnahme. Mit unserer Applikation können Schäden digital erfasst und direkt in unser Netzwerk eingebunden werden. Der gesamte Prozess – von der Schadenmeldung bis zur Reparatur – verläuft ohne Systembrüche. Wir arbeiten daran, Versicherungsanbindungen zu integrieren, um auch Kasko- und Teilkasko-Schäden effizient abzuwickeln. Unser Ansatz vereint Schadenmanagement sowie Werkstatt- und Service-Management in einem einzigen System. Kunden müssen nicht mehr mit mehreren Plattformen arbeiten, sondern können alles bequem über RONYA abwickeln. Diese Integration ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal, da nur wenige Anbieter beide Bereiche unter einem Dach bündeln. Unser Anspruch ist es, in den nächsten Jahren zum Betriebssystem für die Serviceund Schadenprozesse jeder größeren Fahrzeugflotte in Deutschland zu werden – effizient, transparent und vollständig digital.

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