Ein Blick in die Zukunft

Der Verband markenunabhängiger Mobilitäts- und Fuhrparkmanagementgesellschaften e. V. (VMF) lud am 21. April zum 19. VMF Branchenforum nach Hamburg ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand dabei die Frage, wie gebrauchte batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) künftig wirtschaftlich erfolgreich vermarktet werden können. Experten aus den Bereichen Markt, Technologie und Praxis kamen zusammen, um in Vorträgen und Diskussionen Lösungsansätze für diese Herausforderung zu erarbeiten.

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Ein Blick in die Zukunft

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Frank Hägele, Vorsitzender des VMF, eröffnete die Veranstaltung mit einer herzlichen Begrüßung der Teilnehmer und gab einen ersten Überblick über den Tagesablauf. Im Anschluss wurde der Gastgeber Shell vorgestellt: Das Technology Centre Hamburg ist Teil des globalen Technologieentwicklungsnetzwerks des Unternehmens. Das 1956 gegründete Zentrum beschäftigt heute 275 Mitarbeiter und konzentriert sich auf die Entwicklung und Erprobung neuer Schmier- und Kraftstoffprodukte. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Konzepten, die gezielt auf die Anforderungen der Energiewende und Elektromobilität ausgerichtet sind. Nach der Einführung folgte ein Bericht aus der VMF-Geschäftsstelle, der die Teilnehmer über die jüngsten Entwicklungen im Verband informierte. Neben einem Rückblick auf vergangene Aktivitäten wurden aktuelle Themen behandelt und ein Ausblick auf zukünftige Projekte gegeben. Besonders erfreulich war zudem die Vorstellung neuer Mitglieder und Premiumpartner.

Gebrauchte Elektrofahrzeuge im Mittelpunkt
Der Vormittag stand dann ganz im Zeichen der Vermarktung gebrauchter batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV). In einer Reihe von Vorträgen und Diskussionen beleuchteten Experten die aktuellen Herausforderungen und Chancen dieses wachsenden Marktes. Den Auftakt bildeten Ingo Schmuckall (Auto Mobility Strategy Partner), Christopher Hemberger (Senior Auto Mobility Strategy Manager) und Benedikt Middendorf (Auto Mobility Strategy Partner) von Deloitte, die eine im Auftrag des VMF erstellte Studie präsentierten. Diese verdeutlichte eindrucksvoll, dass die Bedeutung des Themas kontinuierlich zunimmt: Durch den Anstieg von Neuwagen- und Leasingfahrzeugen in den vergangenen Jahren wächst das Volumen gebrauchter BEV stetig. Diese Fahrzeuge werden somit künftig eine Schlüsselrolle im Gebrauchtwagenmarkt einnehmen. Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob das Thema relevant ist, sondern vielmehr, wie gebrauchte BEV am besten vermarktet werden können. Denn das wachsende Angebot trifft auf einen Markt, der noch von Unsicherheiten geprägt ist: Fragen zum Batteriezustand, zur Ladeinfrastruktur und zur Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge führen bei potenziellen Käufern zu Zurückhaltung. Hinzu kommen regulatorische Änderungen und neue gesetzliche Vorgaben, die den Markt zusätzlich beeinflussen. Ein weiteres Hindernis stellt der technologische Fortschritt bei Neufahrzeugen dar, der diese oft attraktiver erscheinen lässt als gebrauchte Modelle. Daraus ergibt sich das zentrale Problem des fehlenden Vertrauens in die Restwerte von BEV. Die Studie empfiehlt daher, Transparenz zu schaffen und zu institutionalisieren, um Unsicherheiten zu verringern. Maßnahmen wie Batterie-Zertifikate, die den „State of Health“ der Batterie dokumentieren, Garantie- und Servicepakete sowie Ladeund Mobilitätsangebote könnten das Vertrauen der Käufer stärken. Zudem könnten alternative Vermarktungswege, etwa eine Mehrzykluslogik, bei der Fahrzeuge mehrere Nutzungs- und Absatzzyklen durchlaufen, eine vielversprechende Lösung darstellen.

Kai Siersleben, Geschäftsführer der Copart Deutschland GmbH, hielt im Anschluss einen Vortrag, der die theoretischen Erkenntnisse der Deloitte-Studie mit der praktischen Umsetzung im internationalen Fahrzeug-Remarketing verknüpfte. Zu Beginn gab Siersleben einen Einblick in die Unternehmensgeschichte: Von der Gründung über den Börsengang bis hin zur heutigen Marktposition hat sich Copart kontinuierlich weiterentwickelt. Besonders beeindruckend ist die Volumenentwicklung, die das Unternehmen zu einem bedeutenden Akteur im globalen Fahrzeughandel gemacht hat. Zudem zeigte Copart auf, wie digitale Lösungen und globale Netzwerke die Reichweite sowie die Käuferbasis für Elektrofahrzeuge erweitern können. Dennoch bleiben unsichere Restwerte ein zentrales Problem, das auch im dritten Vortrag von Geotab und Bosch thematisiert wurde.

Markus Busch, Business Development Manager EMEA bei Geotab, und Vivien Henke, Acquisition Manager für Mobility Service Provider bei Bosch, eröffneten ihren Vortrag mit einem Überblick über die Entwicklung des Marktes für BEV: Vom Pionierstatus hat sich die Elektromobilität inzwischen zum Massenmarkt etabliert – insbesondere im Leasingsegment. Mit dem Auslaufen zahlreicher Leasingverträge steht die Branche jedoch vor einer neuen Herausforderung: der großflächigen Ausflottung von BEV. Busch präsentierte dabei überraschende Erkenntnisse zur Batterielebensdauer. Entgegen weit verbreiteter Befürchtungen altern Batterien deutlich langsamer als angenommen. Während der üblichen Leasinglaufzeiten befinden sich die Batterien meist in einem ausgezeichneten Zustand, was sich positiv auf ihre Restwerte auswirkt. Entscheidend für die Batterielebensdauer ist jedoch nicht die gefahrene Kilometerzahl, sondern die Art der Nutzung: Regelmäßiges Laden mit Wechselstrom (AC) ist wesentlich schonender für die Batterie als das Schnellladen mit Gleichstrom (DC). Um eine optimale Ladeweise für Fahrzeugflotten zu gewährleisten, stellte Henke ein innovatives Tool vor, das auf den Telematik-Daten von Geotab basiert. Dieses analysiert den Batteriezustand sowie Belastungsfaktoren und kann den zukünftigen Zustand der Batterie prognostizieren. Auf Grundlage dieser Daten gibt das Tool konkrete Empfehlungen zur Optimierung der Ladegewohnheiten, um die Restwerte der Fahrzeuge nachhaltig zu verbessern.

Im abschließenden Vortrag präsentierte Martin Weiss, Head of Valuations bei DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, einen fundierten Faktencheck zur aktuellen Marktsituation. Grundlage seiner Ausführungen bildete der aktuelle DAT Report 2026, der die tiefgreifenden Veränderungen im Gebrauchtwagenmarkt detailliert darstellt. Besonders auffällig ist die hohe Dynamik, die durch großzügige Neuwagenrabatte im Vorfeld der neuen E-Auto-Förderung entsteht. Weiss betonte, dass der Gebrauchtwagenmarkt differenziert nach Antriebsarten – Diesel, Benzin, Plug-in-Hybrid (PHEV) und batterieelektrisch (BEV) – betrachtet werden muss, um die jeweiligen Herausforderungen präzise zu erfassen. Insbesondere bei BEV bestehen Unsicherheiten, die den Markt belasten. Dazu zählen neben Fragen zur Batterie und Ladeinfrastruktur auch die technologische Entwicklung sowie die hohen Anschaffungskosten. Diese Faktoren führen dazu, dass Käufer beim Erwerb gebrauchter Elektrofahrzeuge häufig zögern. In diesem Zusammenhang spielen Zertifikate, die den Batteriezustand („State of Health“, SoH) dokumentieren, eine entscheidende Rolle. Sie schaffen Transparenz und Vertrauen, was für die Bewertung und Vermarktung von BEV unerlässlich ist. Ein wichtiger Hinweis des DAT-Experten lautete zudem: Wartungsarmut bedeutet nicht Wartungsfreiheit. Vernachlässigte Wartungen können zum Verlust von Garantien führen – insbesondere bei der Batterie – und somit erhebliche Restwertrisiken mit sich bringen. Auch die geplanten Elektroprämien für 2026 wurden eingehend beleuchtet. Weiss erklärte, dass diese Förderungen die Preisbildung und Restwerte von BEV maßgeblich beeinflussen. In einigen Fällen könnten Neuwagen durch die Prämien sogar günstiger sein als gebrauchte Modelle, was den Gebrauchtwagenmarkt zusätzlich unter Druck setzt.

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Die Vorträge am Vormittag verdeutlichten das enorme Potenzial des Marktes für gebrauchte batterieelektrische Fahrzeuge (BEV), wiesen jedoch auch auf erhebliche Herausforderungen hin. Durch neue Ansätze, mehr Transparenz und innovative Vermarktungsmodelle könnte es gelingen, bestehende Unsicherheiten zu überwinden und diesen Markt erfolgreich zu gestalten. In der anschließenden Diskussionsrunde hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, die gewonnenen Erkenntnisse zu vertiefen und eigene Perspektiven einzubringen. Die lebhafte Debatte unterstrich das große Interesse an diesem Thema sowie die Bedeutung, innovative Lösungen zu entwickeln.

Praxisorientierte Einblicke
Nach einer stärkenden Mittagspause setzten die Teilnehmer des Branchenforums ihr Programm mit einer exklusiven Führung durch das Shell Technology Center fort. Die verschiedenen Stationen gewährten faszinierende Einblicke in die Forschung und Entwicklung von Kraftstoffen, Schmierstoffen sowie Elektromobilitätslösungen. Die Führung begann mit einem kurzen Vortrag über den Shell-Konzern, der die globale Bedeutung des Unternehmens und seine Rolle in der technologischen Innovation hervorhob. Im Anschluss erhielten die Teilnehmer praxisnahe Einblicke in die Produktleistungsprüfungen auf Teststrecken und speziellen Prüfständen. Im Labor für Kraftstoffentwicklung werden beispielsweise verschiedene Parameter untersucht, wobei der Fokus auf Leistung und Reinigung liegt. Anhand anschaulicher Beispiele wurde demonstriert, wie moderne Kraftstoffe die Leistung und Effizienz von Fahrzeugen verbessern können. Am Motorenprüfstand wurden Schmierstoffe und Kraftstoffe dann direkt am Motor getestet: Hier konnte man beobachten, wie diese Produkte unter realen Bedingungen wirken und zur Optimierung der Motoren beitragen. Zuletzt erhielten die Teilnehmer Einblicke in die verschiedenen Ladestecker und deren Aufbau sowie die Funktionsweise moderner Ladelösungen. Diese Station verdeutlichte, wie wichtig die Infrastruktur für die Zukunft der Elektromobilität ist.

Am Ende des Tages zog Frank Hägele ein durchweg positives Resümee. Das 19. VMF-Branchenforum bot nicht nur eine Plattform zum Austausch von Wissen und Ideen, sondern ermöglichte auch einen unmittelbaren Einblick in die Zukunft der Mobilität. Mit einer gelungenen Kombination aus fundierten Vorträgen, lebhaften Diskussionen und praxisnahen Einblicken setzte die Veranstaltung wertvolle Impulse für die gesamte Branche.

 

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