Impulse für die Mobilitätswende

Zum vierten Mal öffnete der Bundesverband Betriebliche Mobilität e. V. (BBM) seine Türen zur „Nationalen Konferenz für Betriebliche Mobilität“ (NaKoBeMo) – einem wichtigen Treffpunkt für alle, die die Zukunft der Unternehmensmobilität mitgestalten wollen. Ende November versammelten sich mehrere Hundert Fuhrparkverantwortliche und Mobilitätsexperten in Heidelberg, um zwei Tage lang tief in die betriebliche Mobilität einzutauchen. Spannende Vorträge, lebhafte Podiumsdiskussionen, praxisnahe Erfahrungsberichte und interaktive Workshops boten umfassende Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Trends. Auch das Team von Flottenmanagement war vor Ort, um die Highlights dieser inspirierenden Konferenz mitzuerleben.

Impulse für die Mobilitätswende

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Impulse für die Mobilitätswende

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Lange Zeit wurde betriebliche Mobilität vor allem mit dem Firmenwagen gleichgesetzt. Doch spätestens seit der COVID-19-Pandemie hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt: Diensträder, Bahntickets, Fahrgemeinschaften und der öffentliche Nahverkehr gewinnen zunehmend an Bedeutung. Diese Vielfalt stand im Mittelpunkt der zweitägigen NaKoBeMo in Heidelberg. Der Bundesverband Betriebliche Mobilität (BBM) verfolgte dabei nicht nur das Ziel, den Teilnehmern einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand zu vermitteln, sondern auch gemeinsam die Mobilität der Zukunft aktiv mitzugestalten. Schnell wurde deutlich: Es tut sich viel. Von alternativen Mobilitätslösungen über datenbasierte Fuhrparkoptimierung bis hin zu Fahrradleasing und kommunalen Konzepten – die Themenvielfalt beeindruckte. Axel Schäfer, Geschäftsführer des BBM und Initiator der NaKoBeMo, betonte: „Wir setzen auf praxisnahe Beispiele, Best Practices und Keynotes aus unterschiedlichen Disziplinen.“ So entwickelte sich die NaKoBeMo zu einer praxisorientierten und zukunftsweisenden Plattform.

Ein ganz besonderes Highlight war das 15-jährige Jubiläum des BBM, das am 25. November mit einer festlichen Gala gefeiert wurde. Mit Stolz blickte man auf die vergangenen Jahre zurück und voller Zuversicht in die Zukunft. Schäfer dankte den Mitgliedern und Unterstützern herzlich und hofft, den besonderen Geist auch beim nächsten Jubiläum erneut erleben zu dürfen.

Herausforderungen und Chancen
Die NaKoBeMo 2025 stellte pragmatische Lösungen für die betriebliche Mobilität in den Mittelpunkt. Im Fokus standen dabei Themen wie Elektromobilität, Ladeinfrastruktur, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI), Mobilitätsbudgets sowie die neuen CSRD-Vorgaben. Die zentrale Fragestellung lautete: Was funktioniert bereits erfolgreich? Die Teilnehmern tauschten Erfahrungen aus, lernten voneinander und erhielten wertvolle Impulse durch Pilotprojekte, innovative Konzepte und technische Entwicklungen aus ganz Deutschland.

Berthold Frieß, Ministerialdirektor im Verkehrsministerium Baden-Württemberg, betonte die Schlüsselrolle der Mobilitätsmanager. Er hob die Bedeutung ökonomischer Anreize hervor, etwa durch eine transparente Vollkostenrechnung für Parkplätze sowie die Förderung des Deutschlandtickets. Zudem stellte er Initiativen wie den Ausbau von Radschnellwegen und Förderprogramme für Ladeinfrastruktur vor, die nachhaltige Mobilität unterstützen und die Lebensqualität in Stadt und Land verbessern sollen. Frieß appellierte an die Mobilitätsmanager, ihre zentrale Rolle aktiv wahrzunehmen, da gute Mobilitätsangebote essenziell für den Umweltschutz und eine ausgewogene Stadt-Land-Entwicklung sind.

Ein besonderes Highlight war die Präsentation des BBM Mobility Survey 2025 durch Marc Odinius, Geschäftsführer von Dataforce. Die Studie analysierte das Mobilitätsverhalten von 3.000 Berufstätigen in Deutschland. Im Durchschnitt pendeln die Befragten 20 Kilometer, wobei 69 Prozent sogar kürzere Strecken zurücklegen. Der Pkw bleibt mit rund 70 Prozent das bevorzugte Verkehrsmittel, doch öffentliche Verkehrsmittel und E-Bikes gewinnen zunehmend an Bedeutung. 22 Prozent der Befragten wechseln je nach Situation das Verkehrsmittel. Große Unternehmen setzen verstärkt auf Homeoffice, wodurch die Büropräsenz auf zwei bis drei Tage pro Woche sinkt. Das Jobticket gilt als wichtigster Benefit, während der Dienstwagen an Bedeutung verliert.

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Besonders bemerkenswert ist, dass alternative Antriebe im Jahr 2025 die größte Gruppe bei den Neuzulassungen in Firmenflotten stellen werden – deutlich früher als im Gesamtmarkt, der dies erst für 2030 erwartet. „Die Menschen sind bereit für eine nachhaltigere Mobilität“, betonte Odinius. „Jetzt müssen Unternehmen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen und die Politik die passenden Rahmenbedingungen schaffen.“

Wenn Innovation auf Praxis trifft
In Heidelberg wurden zudem spannende Einblicke in die Zukunft der betrieblichen Mobilität sowie praxisnahe Lösungen für aktuelle Herausforderungen geboten. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf Elektromobilität, dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) und innovativen Mobilitätskonzepten, die Unternehmen dabei unterstützen, nachhaltiger und effizienter zu agieren.

Beispielsweise beleuchtet Dr.-Ing. Arno Homburg, Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen, die Herausforderungen des globalen Automobilmarkts. Lieferengpässe und zunehmender Wettbewerbsdruck erfordern entschlossenes Handeln. Volkswagen setzt daher auf die Entwicklung neuer, rein elektrischer Fahrzeuge, die ab 2026 auf den Markt kommen sollen. Homburg betonte jedoch, dass Mobilität künftig über das Auto hinaus gedacht werden müsse. Sein Ziel ist es, Volkswagen als Mobilitätskonzern zu positionieren, der umfassende Lösungen anbietet, die weit über den klassischen Fahrzeugbau hinausgehen.

Ein weiteres Highlight war die Präsentation von Dr. Moritz Weltgen, Geschäftsführer von motum, der praxisnahe Einsatzmöglichkeiten von KI im Mobilitäts- und Fuhrparkmanagement vorstellte. KI-Agenten können wiederkehrende Prozesse wie gesetzliche Prüfungen (beispielsweise UVV- und HU-Dokumente) oder die Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten automatisieren. Weltgen empfahl Unternehmen, mit kleinen, klar definierten Projekten zu beginnen und diese gezielt zu skalieren. Dabei wurden auch Herausforderungen wie Datenschutz, Haftungsfragen und die Notwendigkeit von Kontextwissen thematisiert. In der anschließenden Diskussion wurden weitere Anwendungen vorgestellt, darunter die Dokumentenextraktion mit Microsoft Copilot Pro, automatisierte E-Mail-Workflows sowie Führerscheinkontrollen durch Dienstleister. Weltgen skizzierte einen klaren Fahrplan: Engpässe identifizieren, Tools testen, klein starten und Ergebnisse evaluieren. Sein Fazit: KI bietet enormes Potenzial, wenn sie gezielt und durchdacht eingesetzt wird.

Thomas Quernheim vom TÜV Rheinland gab einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Elektromobilität. Er erläuterte verschiedene Batterietechnologien wie Lithium- Ionen-, Festkörper- und Natrium-Ionen-Batterien und ging dabei auf Aspekte wie Reichweite, Ladezeiten, Sicherheit und Nachhaltigkeit ein. Während Festkörper- und Natrium-Ionen-Batterien in bestimmten Segmenten an Bedeutung gewinnen, bleibt die Lithium-Ionen-Technologie weiterhin zentral. Wasserstoff wird im Privatverkehr voraussichtlich keine große Rolle spielen. Für Flottenbetreiber hob Quernheim die Bedeutung einer technologie- und bedarfsgerechten Fahrzeugauswahl, einer zuverlässigen Ladeinfrastruktur sowie der Schulung der Mitarbeiter hervor. Zudem sprach er über KI-Themen wie Datenqualität, Energieverbrauch und autonome Fahrstufen (Level 2 bis 5). Transparenz und schrittweise Zulassungen seien dabei entscheidend.

Ein erfolgreiches Smart-Parking-System, das die Auslastung einer Tiefgarage von 50 auf 80 bis 85 Prozent steigerte, wurde von Dimitrij Friedrich, Manager Fleet bei ASMPT SMT Solutions, als Best-Practice-Beispiel vorgestellt. Das System ersetzt das bisherige Dauerparkplatzmodell durch ein flexibles Buchungssystem, das Parken und Laden in einer App kombiniert. Eine klare Trennung von Lade- und Parkkosten sorgt für Transparenz und Akzeptanz. Friedrich betonte, dass eine sorgfältige Planung und interne Kommunikation entscheidend für den Erfolg des Projekts waren.

Zukunftsperspektiven
Die Stimmung zum Abschluss der NaKoBeMo 2025 lässt sich mit drei Worten zusammenfassen: realistisch, motiviert und bestärkt. Realistisch, weil wirtschaftliche, regulatorische und technische Herausforderungen – wie etwa die Restwerte von E-Fahrzeugen oder der flächendeckende Ausbau der Ladeinfrastruktur – offen und ehrlich diskutiert wurden. Motiviert, weil zahlreiche Praxisbeispiele zeigten, dass Fortschritt auch in kleinen Schritten möglich ist. Und bestärkt, weil viele Teilnehmer das Gefühl hatten, mit ihren Herausforderungen nicht allein zu sein.

„Die kommenden Jahre werden für Fuhrpark- und Mobilitätsverantwortliche nicht einfacher – gerade deshalb ist der Austausch so wichtig“, betonte Michael Närr vom Fuhrparkverband Österreich. Die Nationale Konferenz für Betriebliche Mobilität 2025 bewies einmal mehr, dass moderne Mobilität weit über den klassischen Dienstwagen hinausgeht. Sie ist strategisch, datenbasiert, vernetzt – und vor allem eine Managementaufgabe.

Wer neue Perspektiven, klare Prioritäten und frischen Rückenwind sucht, sollte sich den 24. und 25. November 2026 bereits vormerken, denn dann findet die nächste NaKoBeMo in Heidelberg statt. Weitere Informationen unter nakobemo.de.
 

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