Leuchtender Stern
<p> Interview mit Alexander Lutz, Managing Director von Polestar in Deutschland</p>

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Flottenmanagement: Herr Lutz, seit August 2019 leiten Sie die deutsche Geschäftseinheit von Polestar. Mit welchen Zielen sowie Vorstellungen sind Sie an die neue Position herangetreten und auf welche Erfahrungen können Sie dabei zurückgreifen
Alexander Lutz: Die Geschichte von Polestar ist für mich eine sehr persönliche. Bereits 2018 habe ich den Polestar 1 in Genf zum ersten Mal gesehen. Damals war ich noch für das weltweite Marketing von Maserati verantwortlich. Gegenüber stand nun dieses unglaublich schöne Grand Tourer Coupé, für mich eines der schönsten Autos, das ich je gesehen hatte, und ich musste einfach rüber laufen, um es mir genauer anzuschauen. Genau diese Faszination will ich nun als Managing Director für Polestar in Deutschland zu den Konsumenten bringen. Für den deutschen Markt ist das Ziel zunächst die Eröffnung des Marktes: Das heißt, wir müssen einerseits operative Strukturen in allen Businessunits schaffen, andererseits den Leuten vor allem die Marke Polestar und deren Werte vermitteln und die Menschen mit Polestar in Kontakt bringen. Wir wollen den Markt erobern.
Flottenmanagement: Nicht jedem wird die Marke Polestar bereits ein Begriff sein. Können Sie daher kurz umreißen, wofür Polestar steht und wie sich diese Markenwerte in den Fahrzeugen, aber auch den Dienstleistungen widerspiegeln
Alexander Lutz: Polestar ist die Elektro-Performance- Marke von Volvo und Geely, agiert dabei aber komplett eigenständig. Für uns als Marke bedeutet das einen Riesenvorteil: Wir fangen bei null an und können so neue Wege gehen. Gleichzeitig können wir aber auf die Erfahrung von Volvo zurückgreifen. Produkte und Dienstleistungen stehen in direkter Verbindung zur Marke. Pure, Progressive, Performance. Diese Werte spiegeln sich in allem, was wir tun, wider, angefangen bei unseren Fahrzeugen, unserem Design bis zu unserem Kundenerlebnis. Polestar steht dafür, anders zu sein, dies nicht nur um sich von den Wettbewerbern zu unterscheiden, sondern wir sind mit unseren Innovationen angetreten, um die Automobilwelt zu revolutionieren.
Flottenmanagement: Im Oktober 2017 wurde in Schanghai bereits ein Vorserienmodell des Polestar 1 präsentiert und dabei wurden die ersten Leistungsdaten enthüllt; Mitte 2019 startete die Serienproduktion. Was macht den Polestar 1 im Umfeld der Plug-in-Hybride so besonders

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Alexander Lutz: Ein wunderschönes Design, ein unverwechselbares Fahrerlebnis, Dynamik und Langstreckentauglichkeit – all das sind Attribute eines Grand Tourers. Aber wir wollten nicht einfach einen weiteren GT auf die Straße bringen. Und ich glaube, das ist uns mit dem Polestar 1 vollends gelungen: Ein zeitloses Design, das eine unglaubliche Anziehung ausübt, ohne dabei zu polarisieren. Performance in jeder Situation durch vier Motoren und eine Systemleistung von 609 PS und mit einem maximalen Drehmoment von 1.000 Nm. Der eigentliche Clou ist aber die einzigartige Verbindung zweier Welten: So ist der Polestar 1 nicht nur auf der Langstrecke zu Hause, sondern bietet mit einer elektrischen Reichweite von 124 Kilometern (WLTP) den höchsten Wert eines Plug-in-Hybrids weltweit, auch alle Vorteile eines rein elektrischen Fahrzeugs im urbanen Raum. Wir zeigen mit diesem Fahrzeug, was technisch möglich ist. Die Kombination aus Design, Dynamik und dieser einzigartigen Antriebskombination – dieses Auto muss man einfach erleben.
Flottenmanagement: Im Rahmen einer weltweit live gestreamten Online-Weltpremiere wurde im Februar 2019 auch das zweite Modell enthüllt. Welche Highlights hält das zweite Polestar-Modell bereit? Inwieweit könnte der Polestar 2 auch für Gewerbekunden und Flotten interessant sein
Alexander Lutz: Der Polestar 2 markiert für uns den Beginn des reinen Elektrozeitalters für unsere Marke. Und ich denke, er ist dafür perfekt geeignet: So ist sein Design extravagant und dennoch schlicht. Ein Fahrzeug für ein volumenstarkes Segment. Er bietet mit seinen 408 PS ein einzigartiges Fahrerlebnis und eine extrem hohe Reichweite. Gleichwohl verfügt er über ein unglaublich gutes Retail-/After-Sales-Konzept, was man gerade bei neuen Marken oft vermisst. Somit ist der Polestar 2 ein absolut vollwertiges Auto, bei dem man keine Kompromisse eingehen muss – weder beim Innovationscharakter, beim Fahrerlebnis, bei der Zuverlässigkeit noch beim Service.
Flottenmanagement: Wenn man über Elektromobilität spricht, drängt sich auch immer die Frage nach Ladeinfrastruktur und angeschlossenen Serviceleistungen auf. Wie ist Polestar hier aufgestellt
Alexander Lutz: Wir wollten uns bewusst nicht über einen Provider definieren und dadurch eine gewisse Abhängigkeit schaffen, sondern es war uns wichtig, das Netz allen offenzulassen. Beim Thema Ladeinfrastruktur vertrauen wir auf das Wissen und die Datenlage von Google und rücken somit den Nutzer in den Mittelpunkt. Alle für den Kunden relevanten Informationen sind gebündelt und einfach zugänglich. Für den Fahrer bedeutet es, einfach das Ziel einzugeben, und unser Infotainmentsystem errechnet die bestmögliche Route anhand vieler Faktoren wie Verkehrssituation, möglichen Ladestopps sowie deren Dauer. Genau das ist aus meiner Sicht auch wichtig für Businesskunden: Man muss sich nur noch auf das eigentliche Fahren konzentrieren, das System regelt den Rest für einen. Es geht letztendlich doch darum, die Fahrt so sorgenfrei wie möglich für den Konsumenten zu gestalten.
Flottenmanagement: Der Polestar 2 kommt mit einem Android-basierten Infotainmentsystem daher. Welche Bedeutung haben State-of-the- Art-Infotainmentsysteme für die Automobilindustrie
Alexander Lutz: Polestar ist der erste Autohersteller, dessen Infotainmentsystem auf Google Android basiert. Wir setzen anders als Mitbewerber bewusst auf State-of-the-Art-Technologie von dem führenden Unternehmen in diesen Gebieten, anstatt eine eigene Lösung zu kreieren. Ich bin überzeugt davon, dass wir eine Revolution einläuten, da das Smartphone nicht erst an das System gekoppelt werden muss, sondern es ein integraler Bestandteil des Infotainmentsystems ist. Gleichwohl ist auch die Integration von Apple über CarPlay problemlos möglich.
Flottenmanagement: Sie haben für den Polestar 2 ein Abo-Modell in Aussicht gestellt; auch die monatliche Leasingrate des Polestar 2 für Privatkunden ist bereits bekannt. Welche Vertriebskanäle forcieren Sie im Umfeld von Gewerbe- sowie Flottenkunden und warum? Was verbirgt sich hinter Polestar Space
Alexander Lutz: Wir werden in Deutschland sehr aktiv im Bereich Leasing sein, das gibt der Markt derzeit einfach vor. Dennoch heißt dies nicht, dass wir uns an einen Leasinggeber binden werden, sondern wir wollen auch hier offen agieren. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass der Gewerbe- und Flottenkundenbereich ein absolutes People Business ist. Daher sind wir derzeit auf der Suche nach einem Key-Account-Manager, der hier den Unterschied macht und genau wie wir die Marke Polestar lebt.
Polestar setzt komplett auf einen digitalen Vertriebsweg. Die Polestar Spaces sind daher Experience Center in Innenstadtlage. Die Polestar Spaces sind Orte, an denen die Kunden auf einem einfachen Weg mit der Marke, den Fahrzeugen und unserer Philosophie in Kontakt treten. Zudem bieten wir von dort aus auch Testfahrten an. All das ohne den Verkaufsdruck, dem man bei Händlern normalerweise ausgesetzt ist. Die Spaces sind die Verbindung zwischen der digitalen Marke Polestar und den physischen Modellen. Denn auch bei einem digitalen Vertriebskonzept möchte der Kunde zuvor die Fahrzeuge erleben.
Flottenmanagement: Als Bestandteil des digitalen Vertriebsmodells wurde auch die App Polestar Explore entwickelt. Welche Möglichkeiten bietet die App den Kunden? Inwieweit ist die Digitalisierung ein Kernwert von Polestar
Alexander Lutz: Polestar versteht sich als digitale Marke. Wir haben uns hierbei von den besten Retailern der Welt inspirieren lassen. Das Kundenerlebnis steht für uns absolut im Mittelpunkt. Unsere Technologien müssen sich dem modernen Lebensstil und den Bedürfnissen des Konsumenten anpassen und sich nahtlos integrieren lassen. Nicht andersrum. Über unsere App kreieren wir nicht nur eine Verbindung zum Fahrzeug, wir schaffen eine Tür zur Marke, von der aus der Kunde wirklich alle Bereiche steuern kann. So lassen sich zum Beispiel viele Fahrzeugfunktionen über die App kontrollieren, Fahrten lassen sich wie in einem Fahrtenbuch protokollieren und abrufen. Das sind Funktionen, die man bereits aus anderen Applikationen kennt. Aber wir machen dort nicht halt: So fungiert das Smartphone dank der App auch als Schlüssel. Daneben ist es die Verbindung zum Service sowie Customer Care, womit sich der Werkstattaufenthalt in Zukunft ganz einfach vom Büro aus über einen Hol- und Bringservice abwickeln lässt.
Flottenmanagement: Gerade Anfang des Jahres sei auch ein Ausblick gewährt: Worauf dürfen wir uns 2020 freuen? Was steht bei Polestar mittel- und langfristig auf der Agenda
Alexander Lutz: 2020 ist das Jahr für Polestar. Endlich bringen wir unsere Autos auf die Straßen! Mit dem Startschuss für Polestar 1 sowie Polestar 2 werden wir auch alle Aktivitäten hierzulande starten. Es ist für uns als Team absolut aufregend, aber natürlich auch eine Herausforderung. Denn Deutschland ist aufgrund des sehr starken Wettbewerbsumfeldes und der Professionalität im Automobilbereich einer der Top-3-Märkte der Welt. Mit Blick auf die Elektromobilität bietet Deutschland enormes Potenzial. Gerade dies bietet uns viele Möglichkeiten, die wir mit aller Kraft nutzen wollen. Wenn wir dann etwas weiter in die Zukunft schauen, werden wir mit dem Polestar 3 auch ein SUV-Modell anbieten, das so bisher noch keiner gesehen hat. Dies natürlich mit dem Anspruch, in einem stetig wachsenden Segment ein vollelektrisches Fahrzeug anzubieten, bei dem man keine Kompromisse eingehen muss und das von der Innovationskraft wie auch der Ausführung die Messlatte für die Automobilindustrie ist. Wir werden die Eigenständigkeit von Polestar als Marke nochmals besser herausstellen und sie weiter etablieren. Ab jetzt startet Polestar erst richtig, so viel kann ich versprechen!

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