Praktisches Heißblut

Seit der dritten Leon-Generation bietet Seat seinen heißblütigen Unteren Mittelklässler auch als Kombi an. Der auf den Namen ST hörende Kompakte vereint Qualität und Nutzwert mit Emotionalität. Flottenmanagement unterzog den Basisdiesel (105 PS) einem ausgiebigen Test.

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Na endlich! Es geschehen doch tatsächlich noch Zeichen und Wunder. Seat hat seinen kompakten Leon nun als Kombi herausgebracht. Das dürfte einige Europäer vielleicht doch zum Umdenken anregen und einen Blick in die Händler-Schauräume der spanischen Volkswagen- Tochter werfen lassen. Denn ein Kombi in diesem Segment hat den Südeuropäern bisher gefehlt – schließlich ist Praxistauglichkeit in jedem Bereich gefragt, designorientiert hin oder her. Dass man hohe Ansprüche an die Optik mit einem brauchbaren Nutzwert kombinieren kann, beweist der Leon eindrucksvoll. So baggert die Front ebenso wirkungsvoll wie die Limousine mit den gleichen, schneidigen Scheinwerfern. Mittels markanter Licht-Signatur wird der Südländer zum interessanten Hingucker. Auch die Rückleuchten unterscheiden sich in der Grafik nicht von jenen der anderen Karosserievarianten und entfalten insbesondere nachts ihre Wirkung. In puncto Technik kann es der Leon locker mit seinen Wettbewerbern aufnehmen und setzt noch einen drauf. Denn er bietet – und das ist bisher eine Sonderstellung – gegen moderate Mehrkosten LED-Scheinwerfer (ab 831 Euro netto).

Und sonst? Freilich setzt der Hersteller auch bei den Sicherheitskriterien hohe Standards und bietet diverse Assistenzsysteme von einer Notbremsfunktion über die automatische Distanzregelung bis hin zur Müdigkeitserkennung (ab 470 Euro netto). Auch der Komfort wird bedacht – gegen netto 638 Euro rollt der Leon mit adaptiv gesteuerten Dämpfern vom Band. Apropos Komfort: Wer nicht gerade auf die Linie „FR“ besteht und somit das Serienfahrwerk erhält, erlebt den Leon durchaus ordentlich federn. Von wegen trocken über kurze Wellen stolpern – der Fronttriebler hält den Insassen das Gröbste vom Hals und nervt nicht mit unnötigen Stößen. Lange Autobahnverwerfungen eliminiert die Dämpfereinheit nahezu rückstandslos. Wer dagegen gerne mal auf die Landstraße abbiegt, um durch die Kehren zu wetzen, ist mit dem Sportfahrwerk besser aufgehoben. Die Basis verhält sich dafür gutmütig und macht akustisch (Reifenheulen) sowie per ESP untersteuernd darauf aufmerksam, wann das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Die feinfühlige elektrische Servolenkung mit einem guten Kompromiss zwischen moderater Straffheit und dennoch leichtgängiger Arbeitsweise überzeugt sowohl auf windungsreichem Geläuf als auch in der Stadt beim Rangieren in enge Parklücken. Elektrisch muss heute sein ganz im Sinne der Effizienz. Und hier haben die Ingenieure das komplette Register gezogen von Komponenten-Elektrifizierung über Leichtbaumaßnahmen bis hin zum inzwischen eingebürgerten Start-Stopp-System. Erfreulicherweise ist der hier zum Einsatz kommende 1.6 TDI per se ein Spritknauserer. Selbst ohne das in der Anschaffung teurere ECOMOTIVE-Badge (netto 1.042 Euro Aufpreis) inklusive Aerodynamic-Paket, Leichtlaufreifen sowie längerer Übersetzung stößt der 105-PS-Kandidat lediglich 99 Gramm CO2 je Kilometer aus, was 3,8 Liter Verbrauch pro 100 Kilometer entspricht. Sogar im Falle einer forcierten Fahrweise bleibt es meist bei einer Fünf vor dem Komma.

Andererseits ist der Spanier kein Temperamentbolzen; der kultiviert laufende Vierzylinder aus dem Konzern zieht zwar ordentlich durch, aber ist nicht für Ampelsprints gemacht. Es gibt 250 Nm Drehmoment, die immerhin schon ab 1.500 Touren bereitstehen und erst jenseits der 2.750er-Marke wieder abklingen. So präzise sich der Hebel des Fünfganggetriebes auch durch die Gasse führen lässt, meist bleibt es doch bei entspannter Fortbewegung. Es sei fürs Protokoll erwähnt – binnen 11,1 Sekunden spurtet der ST auf 100 km/h, das reicht für jegliche Alltagssituationen völlig aus. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit ansehnlichen 191 Sachen angegeben.

Ordentlich Punkte einfahren kann der nützliche Seat im Alltagskapitel. Es gibt viel Platz für sämtliche Passagiere, auch in der zweiten Reihe. Der um rund sechs Zentimeter auf 2,64 Meter angewachsene Radstand kommt der Kniefreiheit im Fond zugute. Hinzu gesellen sich straffe Sitze mit Langstrecken-Tauglichkeit. Und ohne Frage gibt es an der Verarbeitungsqualität nichts auszusetzen. Klappern oder knarzen ist dem Seat fremd – in Sachen Materialgüte kann er es mit den Besten auf dem Markt aufnehmen, durchaus auch mit den Brüdern aus dem eigenen Hause. Bei der Armaturengestaltung geht die Marke aus Südeuropa eigene Wege und glänzt ebenso mit ergonomischer wie auch emotionaler Architektur. Zackige Formen (Lüftungsdüsen) und klassische Rundskalen, die überdies gut ablesbar sind, verleihen dem Interieur eine drahtige Note. Eine reduzierte Schalterlandschaft hilft dabei, der vielen Funktionen bei tiefem Griff in die Optionen-Liste Herr zu werden. Ein großer Farbbildschirm mit Annäherungssensor gibt (falls Navi vorhanden) die Straßenkarte als auch diverse Entertainment-Informationen aus. Eine ordentliche Anzahl verschiedener Ablagen macht das Ordnunghalten einfacher. Falls ein Besuch im Baumarkt ansteht – kein Problem, mit fast 1.500 Liter Laderaumvolumen steht der Leon ST ausgezeichnet da.

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Ab 18.630 Euro netto beginnt der Leon ST 1.6 TDI in der Liste; für Automatik-Interessenten wird es 1.554 Euro (netto) teurer, dann rollt er mit einem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe an den Start. Stets serienmäßig sind neben der vollen Sicherheitsausrüstung Klimaanlage, ein doppelter Ladeboden, Radio sowie ein Monochrom-Touchscreen. Schön ist, dass der Seat sehr flexibel mit Sonderausstattungen zu bestücken ist statt reiner Paket-Politik. Manchmal sind vorkonfigurierte Pakete natürlich sinnvoll wie zum Beispiel das „Comfort“-Package für moderate 327 Euro netto samt Einparkhilfe und Tempomat. Unbedingt an Bord muss der Elektroniklotse für faire 579 Euro (netto). Obendrein enthalten in dieser Option ist sogar eine Bluetooth-Freisprechanlage. Wer genügend Budget hat, bekommt für den Kompakten auch luxuriöse Extras wie Lederpolster inklusive Sitzheizung (1.252 Euro netto) oder ein elektrisches Panorama-Glasdach für 747 Euro netto. Diverse Leichtmetallräder bietet Seat ab 495 Euro netto an, und Sonderlacke schlagen ab 151 Euro netto zu Buche.

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