TCO versus Ökologie

In Zeiten stets steigender Kraftstoffpreise und der Fokussierung auf CO2-Reduktion in deutschen Fuhrparks stellt sich immer wieder die Frage, ob verbrauchsoptimierte „Öko“-Versionen in der Car Policy vorgeschrieben werden sollen.

TCO versus Ökologie

1 /1

TCO versus Ökologie

PDF Download

Dies ist insbesondere dann kritisch zu sehen, wenn es die sogenannten User Chooser betrifft, denn da wird die Auswahl doch schon deutlich eingeschränkt. Die andere Frage lautet: Lohnt sich das überhaupt? In Zusammenarbeit mit EurotaxSchwacke sind wir zumindest dieser Frage aus Sicht der TCO nachgegangen. Wir haben sieben beliebte Flottenfahrzeuge mit den jeweiligen Öko-Versionen verglichen, ob sie nun Blue Motion, e, ecoFLEX, Econetic oder EffizientDynamics heißen. Denn Namen für das gleiche Prinzip gibt es ja verwirrenderweise viele im Markt (siehe Tabelle). Basis war eine Haltedauer von 36 Monaten bei einer jährlichen Laufleistung von 30.000 Kilometern.

EurotaxSchwacke sieht bei den Kostenblöcken Versicherung, Reifen, Wartung und Verschleiß keine Kosten-Unterschiede zwischen den verbrauchsoptimierten und den normalen Modellen. Die Kostenunterschiede bei den TCO resultieren im Wesentlichen durch die reduzierten Kraftstoffkosten und teilweise auch durch die höheren Restwerte der Öko-Versionen, welche die Mehrpreise von bis zu 840 Euro für die verbrauchsoptimierten Versionen teilweise wieder ausgleichen. Zusätzlich bringt die CO2-Reduzierung von je nach Modell sieben bis 20 Gramm pro Kilometer eine Einsparung bei der KFZ-Steuer von 42 bis 60 Euro über die Laufzeit von drei Jahren. Lediglich der Fiesta bildet hier die Ausnahme, da dieser in beiden Versionen unter 110 Gramm pro Kilometer ausstößt und damit für beide Versionen die gleiche KFZ-Steuer zu entrichten ist. Von den in unserer Übersicht ausgewählten Modellen verzichten übrigens nur BMW und Audi komplett auf Mehrkosten für die Verbrauchsoptimierung.

Um den TCO-Vergleich sinnvoll zu gestalten, haben wir natürlich immer die möglichst ähnlich motorisierte „normale“ Version neben die kraftstoffsparende gestellt. Wer jetzt also gleich sagt, in seinem Fuhrpark werden ganz andere Motorisierungen gefahren, der möge uns verzeihen. Damit ist dann auch gleich schon die größte Einschränkung benannt: Die speziellen kraftstoff- sparenden, rollwiderstands- und sonstig optimierten Versionen gibt es in aller Regel nur in den unteren Leistungsstufen. Wer also in der Car Policy nur Öko-Versionen vorschreibt, schränkt die Mitarbeiter deutlicher ein, als in unserer Tabelle ersichtlich. Denn große Motoren mit fetter Leistung sind dann erst einmal tabu. Ob das jetzt angesichts stets verstopfter Straßen und Autobahnen so dramatisch ist, ist dabei wieder eine andere Frage. Das eigene Auto ist eben nicht nur dafür da, um von A nach B zu kommen, sondern auch für das gute Gefühl, was es alles könnte, wenn man wollte und die Strecke frei wäre. Sonst wäre es ja nicht ein so hervorragendes Motivationsmittel.

Ein Blick in unsere Tabelle zeigt gleich: Mit den energieeffizienteren Modellen lässt sich in aller Regel nicht nur CO2 sparen, sondern auch bares Geld. Nur in einem einzigen Fall, beim Peugeot 508, kostet das kraftstoffsparende Modell über drei Jahre etwas mehr als die normale Version, allerdings auch nur ziemlich genau 2,50 Euro pro Monat. Und das kann sich schnell umkehren, wenn der Dieselpreis im Durchschnitt über die von uns kalkulierten 1,31 Euro netto pro Liter steigt. Überhaupt, das Schöne bei den Öko-Versionen ist ja, dass sie sich um so mehr rechnen, je höher die Kraftstoffkosten steigen. Und das dann gleich doppelt: Denn bei steigenden Kraftstoffpreisen werden sicher auch die kalkulierten Restwerte nochmals steigen.

Das größte Einsparpotenzial gibt es in unserer Übersicht erstaunlicherweise für einen Kleinwagen: Der Ford Fiesta 1.6 Liter kostet in den kalkulierten drei Jahren insgesamt in der Econetic Start-Stopp-Version satte 689,64 Euro weniger als die Standard-Version. Das sind immerhin fast 20 Euro im Monat – und das fast ohne Leistungseinbuße. Denn beide Versionen haben 70 kW/95 PS, die Öko-Version ist in der möglichen Endgeschwindigkeit sogar 3 km/h schneller, braucht dafür beim Sprint auf 100 km/h aber gut eine Sekunde mehr. Das wird im Alltag sicher kaum auffallen.

newspaper_img

Aktuelles Magazin

Ausgabe 3/2012

newspaper_img

Sonderausgabe Elektro

Das neue Jahresspecial Elektromobilität.

Beleuchtet alle Aspekte der batteriebetriebenen Mobilität im Unternehmen

Überhaupt behaupten sich die verbrauchsoptimierten Fahrzeuge im Vergleich in aller Regel recht gut, was die Fahrleistungen angeht. Beim Volkswagen Golf und Passat, dem Peugeot 508 und dem Opel Insignia liegt die Werksangabe für die Beschleunigung bis auf die Zehntelsekunde gleich, ebenso wie die Motorleistung und die Endgeschwindigkeit. Der verbrauchsoptimierte Passat rennt am Ende sogar 2 km/h schneller, wenn es dann einmal notwendig sein sollte. Wobei natürlich immer dazu gesagt werden muss: Die unglaublich niedrigen Kraftstoffverbäuche in unserer Tabelle sind bei annähernd Höchstgeschwindigkeit natürlich reine Makulatur. Um mit den optimierten Motoren wirklich richtig Kraftstoff zu sparen, muss auch entsprechend gefahren werden. Insofern sollte der Fuhrparkleiter, der über die generelle Einführung von verbrauchsoptimierten Fahrzeugen nachdenkt, sich auch gleich mit Spritspartrainings und vielleicht sogar Spritspar-Wettbewerben beschäftigen, um den Effekt nochmal zu potenzieren.

BMW geht bei seinen EfficientDynamics-Modellen einen anderen Weg: Hier ist die Motorleistung im Vergleich deutlich eingeschränkt, was sich allerdings verblüffenderweise in den Fahrleistungen kaum auswirkt. Immerhin gut 20 PS weniger hat die Efficient Dynamic Edition im Vergleich zum normalen 320d, das bringt aber nur eine Einschränkung von 5 km/h in den Endgeschwindigkeit und eine halbe Sekunde weniger Drive beim Spurt von 0 auf 100 km/h. Auch Audi nimmt seiner verbrauchsoptimierten Version ein paar wenige PS weg, was sich hier aber in den Fahrleistungen kaum bemerkbar macht.

Insgesamt bleibt festzuhalten: Verbauchsoptimierte Fahrzeuge bringen derzeit einen kleinen Vorteil sowohl für die Umwelt als auch für den Geldbeutel. Angesichts der niedrigen einzusparenden Beträge sollte man jedoch darauf achten, möglichst nur umweltbegeisterte Fahrer mit den Öko-Modellen auszustatten, damit eine geringere Motivation der Mitarbeiter die Ersparnis in der Praxis nicht überausgleicht.

0 Kommentare

Zeichenbegrenzung: 0/2000

newspaper_img

Aktuelles Magazin

Ausgabe 3/2012

newspaper_img

Sonderausgabe Elektro

Das neue Jahresspecial Elektromobilität.

Beleuchtet alle Aspekte der batteriebetriebenen Mobilität im Unternehmen

countdown-bg

Der nächste „Flotte!
Der Branchentreff" 2027