Kraftstoffpreise verändern Mobilität: Parkraum wird zum Steuerungsfaktor

Die Preise an Tankstellen in Deutschland ziehen seit März deutlich an und das bleibt nicht ohne Wirkung auf die Mobilität. Veränderte Fahrmuster, kürzere Wege und eine wachsende Sensibilität für Fahrkosten können die Nachfrage nach Parkraum messbar verschieben: in der Frequenz, in den Stauzeiten und in der Verweildauer. Mario Feghali, Leiter Vertrieb und Kundenbetreuung beim Parksystemanbieter Avantpark, ordnet diese Entwicklung als frühes Signal eines strukturellen Wandels ein und erklärt, warum flexible Steuerungsmodelle für Parkflächen gerade jetzt an Bedeutung gewinnen.

Kraftstoffpreise verändern Mobilität: Parkraum wird zum Steuerungsfaktor

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Kraftstoffpreise verändern Mobilität: Parkraum wird zum Steuerungsfaktor

Wer heute volltankt, zahlt spürbar mehr als noch vor einem Jahr. Die Kraftstoffpreise in Deutschland befinden sich seit März auf erhöhtem Niveau. Innerhalb nur eines Monats stieg der Benzinpreis um 31,3 Cent je Liter, Diesel sogar um 55,7 Cent. Anders als üblich liegt der Dieselpreis damit derzeit deutlich über dem Benzinpreis. Das hat Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (iW) ergab schon während des letzten großen Preisanstiegs 2022, dass der Pendelverkehr zunahm, während Freizeitfahrten zurückgingen.  Wege wurden häufiger gebündelt, kürzere Strecken öfter zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Insgesamt kam es nicht zu weniger Fahrten, aber sie konzentrierten sich auf andere Zeiten. Für Betreiber von Parkflächen, das sind meist Städte, private Anbieter oder Unternehmen mit eigenem Stellplatzangebot, stellt sich damit die strategisch relevante Frage, wie sich veränderte Fahrmuster auf Auslastung, Stoßzeiten und Parkdauer auswirken. „Preissteigerungen beim Kraftstoff bedeuten nicht automatisch leere Parkflächen, entscheidend wird sein, wer sich an das veränderte Nutzerverhalten am besten anpassen kann“, erklärt Mario Feghali, Leiter Vertrieb und Kundenbetreuung bei Avantpark. Der Parksystemanbieter beobachtet die Preisentwicklungen an der Zapfsäule genau. Eine mögliche Antwort darauf liefern digitale Parksysteme. Kamerabasierte Lösungen erfassen Kennzeichen bei Ein- und Ausfahrt und sammeln so anonymisierte Daten zum Verkehrsaufkommen. Betreiber können dadurch Stellplatzverfügbarkeit gezielter an Stoßzeiten anpassen und flexibler auf Veränderungen im Fahrverhalten reagieren.

Mobilität im Wandel: Wie Spritpreise das Fahrverhalten beeinflussen

Die Studie des iW ergab, dass die Menschen auf Fahrten mit geringem Nutzwert am ehesten verzichten können. Dazu zählen spontane Kurztrips, zusätzliche Einkaufsfahrten, Freizeitfahrten am Abend oder Strecken, die sich auch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per ÖPNV erledigen lassen. Solche Verhaltensänderungen zeigen sich in der Regel zuerst an den Randzeiten des Tages: Zeiten mit ohnehin geringerer Nachfrage werden noch schwächer frequentiert, während klassische Hauptstoßzeiten stabiler bleiben, weil sie an weniger verzichtbare Fahrten wie den Pendelverkehr gebunden sind. „Was wir beobachten: Veränderungen in der Mobilität wirken sich nicht gleichmäßig auf Parkflächen aus. Manche Standorte spüren Rückgänge früh, andere kaum. Deshalb braucht es differenzierte Daten statt pauschaler Annahmen“, erläutert Feghali.

Folgen für den Parkraum: Frequenz, Stoßzeiten, Verweildauer

Mögliche Effekte der veränderten Mobilität sind etwa schwächere Auslastungen der Parkflächen an Standorten mit hohem Anteil an Gelegenheitsnutzern sowie ein Rückgang von Kurzzeitparkern. Gemeint sind damit Nutzer, die spontan für einen kurzen Einkauf oder Stadtbummel parken. „Wir sehen in der Praxis, dass Menschen Wege effizienter kombinieren, wenn Mobilität teurer wird. Der Einkauf findet dann nicht mehr zwingend als eigene Fahrt statt, sondern direkt auf dem Heimweg vom Büro. Dadurch verschieben sich typische Frequenzmuster und Aufenthaltszeiten“, erläutert Feghali. Für Betreiber, beispielsweise von Supermärkten, bedeutet das: Wer auf veränderte Nachfrage reagieren will, muss sie zunächst sichtbar machen. „Erst kontinuierliche Datenerfassung macht sichtbar, wann, wie lange und von wem Stellplätze genutzt werden. Genau das ist die Voraussetzung, um auf Veränderungen reagieren zu können“, so Feghali weiter.

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Flexible Bewirtschaftung als Antwort auf schwankende Nachfrage

Starre Parkgebühren und unveränderliche Nutzungsregeln stoßen in einem Umfeld mit schwankender Nachfrage schnell an ihre Grenzen. Sind Stellplätze in Nebenzeiten dauerhaft leer, entsteht ungenutztes Potenzial. Sind sie in Spitzenzeiten überlastet, wirkt sich das negativ auf die Nutzungserfahrung und auf den umliegenden Betrieb aus. Datenbasierte Steuerungsmodelle setzen genau hier an und ermöglichen eine flexible Reaktion, etwa durch zeitabhängige Preisgestaltung, differenzierte Stellplatzzuweisungen oder die gezielte Kommunikation verfügbarer Kapazitäten. Grundlage hierfür sind kontinuierlich erfasste Auslastungsdaten, die in zentralen Betreiber-Dashboards gebündelt und ausgewertet werden. „Auf dieser Basis lassen sich maximale Parkdauern in bestimmten Zeitfenstern anpassen, Kapazitäten gezielt steuern und erwartete Spitzen besser abfangen“, erläutert Feghali. Der Experte beschreibt zudem konkrete Effekte aus der Praxis: „Wir sehen beispielsweise, dass sich die Verweildauer in bestimmten Lagen verändert. Dadurch entstehen neue Muster, etwa weniger klassische Kurzzeitparker, aber längere Aufenthalte, wenn mehrere Erledigungen kombiniert werden.“ Für Städte und Kommunen ergibt sich daraus zusätzlicher Steuerungsspielraum. Wenn Autofahrten insgesamt effizienter organisiert werden, verändert sich auch die Auslastung öffentlicher Parkflächen. Das eröffnet Chancen für eine gezieltere Steuerung und Umwidmung von Flächen, etwa zugunsten von Anwohnerprioritäten. „Am Ende geht es nicht um mehr Kontrolle, sondern um bessere Planbarkeit“, so Feghali.

Frühindikatoren erkennen, bevor der Wandel in der Statistik sichtbar wird

Mario Feghali weist darauf hin, dass belastbare Langzeitdaten zu den Auswirkungen der jüngsten Preissteigerungen noch ausstehen. „Die Entwicklungen sind noch zu frisch, und der Beobachtungszeitraum der aktuellen Preissteigerung an den Tankstellen ist zu kurz“, so Feghali. Deshalb sei es entscheidend, frühzeitig geeignete Monitoring-Strukturen zu etablieren. „Wer wartet, bis Veränderungen in der Jahresstatistik sichtbar werden, handelt zu spät. Frühindikatoren – also Verschiebungen in täglichen oder wöchentlichen Nutzungsmustern – ermöglichen es, rechtzeitig zu reagieren.“ Feghali verweist dabei auch auf Erfahrungen aus dem starken Preisanstieg 2022. „Damals haben wir gesehen, dass sich Mobilitätsmuster schnell verschieben, ohne dass die Gesamtmobilität sofort sinkt.“ Auch aktuell zeigten sich ähnliche Tendenzen, etwa veränderte Tageszeiten oder stärker gebündelte Fahrten. „Wir sehen wieder eine vergleichbare Richtung der Entwicklung. Deshalb ist es wichtig, Muster früh zu erkennen und nicht erst im Nachhinein zu bewerten“, so der Avantpark-Experte.

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DIGges Ding

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