Stichwort „grüne Welt“: Auch Airlines ergreifen mittlerweile zahlreiche Maßnahmen, um CO2-Emissionen zu reduzieren und Verbräuche zu minimieren

Über den Wolken

Umweltmanagement bei Airlines

In Sachen Flugverkehr ist das zurzeit am heißesten diskutierte Thema wohl die Einbeziehung der Fluggesellschaften in den Emissionshandel in und ab der EU. Es wird vor einem Handelskrieg gewarnt; Airlines und Unternehmen stellen sich auf die Hinterbeine, der Flugzeughersteller Airbus sieht Milliardenbeträge aufgrund von Stornierungen sowie Arbeitsplätze in Gefahr. Die Meinungen zum Emissionshandel gehen auseinander. Dass die Themen Umweltschutz, Emissionsausstoß und Verbrauchsreduzierung mehr und mehr in den Fokus rücken, steht jedoch außer Frage. Der Flugverkehr trägt in hohem Maße zum Ausstoß von CO2-Emissionen bei. Auf Flugreisen gänzlich zu verzichten ist weder möglich noch die Lösung schlechthin, um das Thema Treibhausgasemissionen komplett in den Griff zu bekommen. Doch wie gehen Fluggesellschaften mit diesen Themen um? Inwieweit haben sie ihr Angebot angepasst, um CO2-Emissionen zu minimieren und Flugreisen so umweltfreundlich wie möglich durchzuführen?
Flottenmanagement hat einer Auswahl von Airlines einige Fragen zum Thema Umweltmanagement gestellt.

Flottenmanagement: Welchen Stellenwert nimmt das Thema Umweltmanagement in Ihrem Hause ein; welche Maßnahmen setzen Sie diesbezüglich um?

Dr. Peter Schneckenleitner, Umweltsprecher Deutsche Lufthansa AG: „Zum einen wollen wir Verantwortung zeigen und entsprechend handeln, zum anderen ist Umweltmanagement auch ein wichtiger Kosten- und Imagefaktor. Wir setzen jährlich zahlreiche Maßnahmen zur Optimierung unserer Energie- und Treibstoffeffizienz um; sichtbarstes Zeichen dafür ist, dass Lufthansa aktuell den geringsten spezifischen Treibstoffverbrauch in ihrer Geschichte vorzuweisen hat.“

Heinz Joachim Schöttes, Leiter Unternehmenskommunikation bei Germanwings: „Das Thema hat für Germanwings einen hohen Aufmerksamkeitswert. Wir fliegen mit dem modernsten Fluggerät – dem Airbus A319 –, das am Markt verfügbar ist und das über die besten Emissionswerte verfügt.“

Andrea Kreuzer, Manager, Media Relations Market Communication Europe bei SWISS: „Der nachhaltige Umgang mit der Umwelt ist ein wichtiger Teil der SWISS Unternehmenskultur. Dementsprechend setzen wir uns für die Verringerung der CO2-Emissionen ein. Wir folgen dabei einer Vier-Säulen-Strategie: Technische Maßnahmen (wie neue Flugzeuge), operationelle Maßnahmen (beispielsweise optimierte Flugverfahren), Verbesserung der Infrastruktur (wie optimierte Flughafenprozesse und Air Traffic Control) und ökonomische Instrumente (beispielsweise freiwillige CO2 -Kompensation).“

Kati Ihamäki, Finnair-Umweltbeauftragte: „Umweltmanagement steht im Mittelpunkt unserer Unternehmensstrategie. Kraftstoffkosten machen rund 25 Prozent unserer Kostenbasis aus – Sparsamkeit in diesem Bereich wirkt demnach positiv auf unsere Profitabilität und vermindert schädliche Emissionen. Finnair kontrolliert ihren Kraftstoffverbrauch in drei Bereichen. Der erste ist der technologische Fortschritt: Investitionen in neue Maschinen senken den Verbrauch; auch die Erprobung von Biokraftstoffen fällt in diesen Bereich. Zweitens: die Verbesserung der Abläufe. Reduktion von Gewicht (leichte Sitze, Catering-Trolleys) vermindert den Treibstoffverbrauch erheblich. Unsere Onboard-Computersysteme ermöglichen durch Echtzeitberechnungen Anpassungen der Geschwindigkeit und Flughöhe und tragen somit zu einem niedrigeren Kraftstoffverbrauch bei. Der letzte Bereich ist die Infrastruktur: Flughäfen ohne Warteschleife machen das Anflugverfahren im „Continuous Decent Approach“ möglich; der Pilot kann früher damit beginnen, das Flugzeug zu landen – eine kraftstoffsparende Methode, die am Flughafen Helsinki bei 60 Prozent der Landungen umgesetzt werden kann.“

Celine Prenez, Communications Manager Europe bei easyJet: „Ein easyJet Passagier verursacht 22 Prozent weniger Emissionen als ein Fluggast einer traditionellen Airline auf gleicher Strecke und im gleichen Flugzeugtyp. Zwischen 2000 und 2010 hat easyJet seine CO2-Bilanz um 28 Prozent auf 83,1 g/Passagier und km gesenkt. Aktuell testet das Unternehmen eine neue Nanobeschichtung, die helfen soll, den Treibstoffverbrauch weiter zu senken, genauso wie neue, leichtere Sitze. easyJet testet außerdem als erste Airline ein umweltfreundliches System für Rangiervorgänge, das den Einsatz von Schleppern zum Taktieren der Flugzeuge im Stand und in Bewegung reduzieren oder sogar ersetzen wird. Im Durchschnitt verbringt ein easyJet- Flugzeug pro Flug etwa 20 Minuten mit Rangiervorgängen, was jährlich circa 3,5 Millionen Meilen entspricht. Die ersten Probeläufe werden voraussichtlich 2013 beginnen. Es wird sich herausstellen, ob das vermutete Einsparpotential erreicht wird und in wieweit sich daraus zusätzlicher Nutzen ziehen lässt. easyJet wird sich ebenfalls daran beteiligen, Standardbetriebsabläufe für Flugzeuge zu entwickeln, die mit dem System ausgestattet sind.“

Flottenmanagement: Inwiefern erwarten Passagiere heutzutage, dass eine Airline auch „grün“ handelt? Erkennen Sie hier im Vergleich zu früher Unterschiede im Denken und in den Erwartungen der Passagiere?

Dr. Peter Schneckenleitner (Lufthansa): „Passagiere und insbesondere Firmenkunden sowie Investoren stellen immer häufiger Anfragen zu Bedeutung und Umgang mit umweltrelevanten Aspekten im Unternehmen. Die Erwartungen nach entsprechender Transparenz nehmen zu. Lufthansa ist mit ihrem konzernweiten Umweltmanagement und zahlreichen Maßnahmen hier gut aufgestellt, optimiert kontinuierlich ihre Prozesse und ist einer der Vorreiter sowie Treiber für eine ökoeffiziente Luftverkehrsbranche.“

Heinz Joachim Schöttes (Germanwings): „Das Umweltbewusstsein der Passagiere ist stärker ausgeprägt als früher. Dies bedeutet aus unserer Beobachtung jedoch nicht, dass nur mit Fluggesellschaften geflogen wird, die ähnlich moderne Maschinen einsetzen wie Germanwings.“

Andrea Kreuzer (SWISS): „Die Thematik Klimawandel, und damit verbunden die Ressourcenknappheit, hat sicherlich deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Die Passagiere erwarten heute von einer Fluggesellschaft, dass sie ihre Verantwortung gegenüber der Umwelt wahrnimmt. Diesen Erwartungen tragen wir mit den oben genannten Maßnahmen Rechnung.“

Kati Ihamäki (Finnair): „Über 95 Prozent unserer Firmenkunden fragen nach Umweltthemen und erwarten ein gewisses Maß an ‚grünem Handeln‘ als Teil ihres eigenen Nachhaltigkeitsstandards. Im Bereich der Individualreisenden ist die Nachfrage nach ‚grünen Standards‘ geringer. ‚Grünes Handeln‘ bringt uns kein zusätzliches Geschäft, aber es ist definitiv ein wichtiger Bestandteil.“

Celine Prenez (easyJet): „Der Umweltschutz bekommt für die Gesellschaft und somit auch für den Luftverkehr eine immer größere Bedeutung. Viele Passagiere möchten umweltfreundlicher handeln und machen sich zunehmend Gedanken über den eigenen Beitrag zum Umweltschutz. Wenn Sie sich eine Fluggesellschaft aussuchen, sind Passagieren günstige Preise, Zuverlässigkeit und umweltfreundliche Prozesse wichtig – genau das, was easyJet seinen Kunden anbietet.“

Flottenmanagement: Halten Sie den EU-Emissionshandel mit dem Ziel, Treibhausgasemissionen zu senken, für sinnvoll? Wie verfahren Sie mit den möglicherweise auf Sie zukommenden Zusatzkosten, die anfallen, sofern die zulässige Menge an CO2 überschritten wird?

Dr. Peter Schneckenleitner (Lufthansa): „Der EU Emissionshandel darf nur ein Schritt hin zu einem globalen System sein. Die gegenwärtige Umsetzung ist unbefriedigend, weil zahlreiche Nicht-EU Staaten und deren Airlines ihre Teilnahme am EU Emissionshandel verweigern oder mit Vergeltungsmaßnahmen gegen europäische Airlines drohen. Damit ist eine massive Wettbewerbsverzerrung zulasten europäischer Airlines vorprogrammiert, und dem Klimaschutz wird dadurch mehr geschadet als geholfen. Lufthansa plädiert aus diesem Grunde schon seit Langem für ein globales Klimaschutzkonzept (beispielsweise globaler Emissionshandel, globaler Klimaschutzfond) im Luftverkehr. Angesichts des intensiven Wettbewerbs, insbesondere auch mit Unternehmen aus Nicht-EU-Staaten, deren Produktion nur zum geringen Teil dem Emissionshandel unterworfen ist, haben wir, wie von der EU vorgeschlagen, eine Weiterbelastung über die Ticketpreise vorgesehen. Die Kosten für den Erwerb der Zertifikate rechnen wir daher mit Beginn des Jahres 2012 in den bestehenden Kerosinzuschlag ein.

Heinz Joachim Schöttes (Germanwings): „Wenn die Abgabe alle Airlines gleichermaßen betrifft und die Abgabe zielgerichtet eingesetzt wird, betrachten wir sie als faire Lösung. Alle bisherigen Lösungen führen zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen.“

Andrea Kreuzer (SWISS): „Das EU Emissionshandelssystem (EU ETS) in seiner heutigen Form lehnen wir ab. SWISS verschließt sich nicht grundsätzlich einer Klimaschutzabgabe – eine solche sollte aber global eingeführt werden und keine wettbewerbsverzerrenden Auswirkungen auf den europäischen Luftverkehr haben. Das EU ETS ist ein regionales System, das in einem internationalen Geschäft wie der Luftfahrt zu starken Wettbewerbsverzerrungen führt und den langfristigen CO2-Ausstoß nicht reduziert. Drittstaaten, namentlich die aufstrebenden BRIC Länder, haben bereits stark gegen das EU ETS opponiert und Gegenmaßnahmen angekündigt. Aufgrund des sich abzeichnenden Handelskonflikts ist es daher unklar, ob und in welcher Form das EU ETS überhaupt umgesetzt wird. Vor diesem Hintergrund steht noch nicht fest, wie wir mit den anfallenden Zusatzkosten letztlich umgehen werden.“

Kati Ihamäki (Finnair): „Als eine marktorientierte Maßnahme macht der geplante Emissionshandel der EU sehr viel Sinn. Schädliche Emissionen können verringert und ein Anreiz für Fluggesellschaften geschaffen werden, in neue Technologie und Flugzeuge zu investieren. Eine einseitige Umsetzung des Vorhabens durch die EU sehen wir allerdings problematisch. Es ermutigt Fluggesellschaften, den europäischen Luftraum zu umgehen und somit längere Routen und infolgedessen auch höheren Kraftstoffverbrauch in Kauf zu nehmen. Aus den USA, China und Russland wurde zudem der Druck auf europäische Airlines bereits erhöht. Hinzu kommt, dass die Gelder aus dem System nicht in die Entwicklung grüner Infrastruktur fließen. Aus diesem Grund unterstützt Finnair die zügige Schaffung eines globalen Emissionshandelssystems durch die IATA, ICAO und andere globale Luftfahrtgremien. Durch den EU-Emissionshandel rechnen wir mit Kosten von etwa sieben bis acht Millionen Euro für das Jahr 2012. Wir haben noch nicht entschieden, ob wir diese Kosten an unsere Kunden weitergeben.“

Celine Prenez (easyJet): „easyJet ist ein starker Befürworter der Aufnahme der Luftfahrtbranche in den Emissionshandel. Wir betrachten den Emissionsrechtehandel als effizientes System, das umwelteffiziente Fluggesellschaften belohnt. Unsere Airline betreibt eine der jüngsten, modernsten und CO2-effizientesten Flotten Europas. Wir sind davon überzeugt, dass dies der bessere Ansatz ist, die ökologischen Herausforderungen zu bewältigen – im Gegensatz zu lokal erhobenen Steuern wie der Luftverkehrsabgabe. Ob die Flugsteuer auf die Ticketpreise umgelegt wird, entscheiden nicht die Fluggesellschaften, sondern die Passagiere mit ihrem Kaufverhalten. easyJet gibt die Luftverkehrssteuer derzeit nur zum Teil an die Passagiere weiter; die hieraus resultierende erhebliche Veränderung der Preisgestaltung kann nicht auf einmal an den Kunden weitergegeben werden. Da Flüge ab Deutschland durch die Luftverkehrsteuer im Vergleich zum wettbewerbsintensiven europäischen Markt teurer werden, wird sich dies negativ auf den Flugverkehr und die Profitabilität auswirken.“


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