AUTOHAUS: Sie haben im Rahmen der Aufsichtsratssitzung am 19. Mai das Geschäftsjahr 2021 für die Autoland AG mit WP-Testat verabschiedet. Wie charakterisieren Sie für Ihr Unternehmen das Wirtschaftsjahr?nWilfried Wilhelm Anclam: Wir haben 2021 das beste Jahr in unserer Firmengeschichte geschrieben. Das war so nicht abzusehen, da wir im Januar und Februar noch die Lockdown-Phase zu bewältigen hatten. Dennoch, bei den Verkaufszahlen und den Margen entwickelte sich in Folge das beste Ergebnis seit Unternehmensgründung.nGeschäftszahlen2021 AH: Das bedeutet in Zahlen ausgedrückt?nW. W. Anclam: Wir verkauften an unseren 24 Standorten mit unseren 800 Mitarbeitern 36.500 Neu- und Gebrauchtwagen. Das bedeutet zusammen mit unseren verbundenenen Unternehmen einen Umsatz von 570 Millionen Euro.nAH: Und wie war die Ertragssituation 2021?nW. W. Anclam: Die Ertragsstärke, sprich Umsatzrendite, lag wie schon in 2020 leicht über zehn Prozent. Wir hoffen, diese Umsatzrendite auch 2022 fortsetzen zu können.nLieferbereitschaftnAH: Wie entwickelte sich die Liefersituation bei Autoland?nW. W. Anclam: Diese ist alles andere als einfach. Wir haben in Sachen Zukauf von Gebrauchtwagen einige Instrumente entwickelt, die den Mangel an Neufahrzeugen egalisiert haben. Der Gesamtfahrzeugbestand war aber über 2.500 Einheiten geringer. Oder anders ausgedrückt, früher hatten wir im Unternehmen stets einen Fahrzeugbestand von 10.000 Einheiten, heute von 7.500. Das hat dann entsprechende Auswirkung auf die Verkaufszahlen.nDie Lage 2022 AH: Wie liefen die ersten vier Monate im Jahr 2022?nW. W. Anclam: Das erste Quartal 2022 war bislang das erfolgreichste erste Quartal überhaupt. Es läuft dank guter Margen auch im zweiten Quartal bislang recht gut. Wir erwirtschaften hohe Deckungsbeiträge. Es sieht zur Stunde so aus, dass wir die Vorjahreszahlen aus dem zweiten und dritten Quartal 2021 aber nicht ganz erreichen werden.nAH: Sind der Verkaufsrückgang und die langen Lieferzeiten für Ihre Verkäufer nicht demotivierend?nW. W. Anclam: Nein! Die Verkaufszahlen sind zwar bei uns seit März um 13 Prozent zurückgegangen. Doch durch die höheren Margen, an denen die Verkäufer beteiligt sind, gerade bei Inzahlungnahmen, gleichen sie das mehr als aus.nInvestitionennAH: Wo setzt Autoland die Schwerpunkte bei Investitionen?nW. W. Anclam: Wir investieren in die bereits gekauften Autohäuser und Grundstücke, die wir jetzt nach und nach auf Autoland-Standard heben, um weitere Standorte in den neuen Bundesländern zu eröffnen, 2022 drei an der Zahl. Wir haben soeben einen neuen Standort in Berlin eröffnet. Die beiden anderen Standorte werden dieses Jahr noch fertig. Wir haben bereits zehn weitere Autohäuser und Grundstücke gekauft und werden, so sich die Situation nicht verschlechtern sollte, nächstes Jahr wieder weitere drei bis vier Standorte eröffnen.nWirtschaft 2022nAH: Wie schätzen sie die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland ein?nW. W. Anclam: Die wirtschaftliche Situation wird für die unteren und mittleren Einkommen immer angespannter. Beispiel Energiekosten. Dann der Bereich Mobilität. Die Lebensmittel. Hält das an, ist eine weitere Kaufzurückhaltung die Folge. Ohne Frage hat auch der Krieg in der Ukraine mentale Wirkung. Es wird sich über diese Entwicklungen beim Fahrzeugverkauf das Finanzierungsvolumen reduzieren. Ich gehe davon aus, dass der Rückgang beim Fahrzeugabsatz weiter anhält. Auch der durchschnittliche Verkaufspreis wird sinken.nAH: Worin liegen für Sie als Unternehmer die zentralen Herausforderungen?nW. W. Anclam: Im Klartext, wir brauchen das Produkt Automobil, um Handel treiben zu können. Wer das Auto hat, hat die Macht. Wir brauchen einen ganz, ganz starken Einkauf. Mussten wir uns früher mehr um den Vertrieb und um Marketingakzente kümmern, müssen wir heute dominant den Einkauf und diesen europaweit im Auge haben.nHandlungsdominanz im EinkaufnAH: Jetzt kümmert sich Autoscout 24 auch um das GW-Geschäft, VW ebenso über Heycar, Stellantis hat einen großen GW-Aufbereiter in Frankreich übernommen. Jetzt kommen Cazoo und weitere Quereinsteiger dazu. Addieren wir noch die Leasingrückläufer hinzu, die die Hersteller selbst vermarkten wollen, wird da nicht nach und nach dem Handel die Ware entzogen?nW. W. Anclam: Das Gefühl haben wir noch nicht. Der Rückgang bei uns ist darauf zurückzuführen, dass zu wenige Neufahrzeuge produziert werden und weniger junge Gebrauchtwagen in den Markt kommen. Der Neuwagenausstoß der Hersteller liegt weit unter dem Niveau von 2019. Wir spüren das noch nicht, dass wir über Aktionen der Hersteller am Zugang zur Ware behindert werden.nMarketingnAH: Autoland fällt immer wieder durch sehr markante Marketingaktionen auf. Wie sieht hier Ihre aktuelle Politik aus?nW. W. Anclam: Wir waren früher in unseren Kampagnen sehr auf die Printmedien konzentriert. Heute gestalten wir sehr stark die Online-Werbung. Wir sind stark bei Tag24, bei Bild.de, dann ganz stark bei Mobile.de dabei. In Kürze werden wir mit interessanten Radiospots aufwarten und gezielte Kundenbindungsinstrumente einsetzen. Das verbinden wir mit der neuen Autoland-Homepage, die noch dieses Jahr zum Einsatz kommt.nUnternehmer-PowernAH: Und woher nehmen Sie die Kraft, jeden Tag dieses große Rad zu drehen?nW. W. Anclam: Ich denke, das ist mir von Natur aus gegeben. Ich drehe dieses Rad nach Kräften nun seit 45 Jahren. Ich habe dieses Jahr am 22. Februar anlässlich meines 65. Geburtstages vieles schon in die Hände meiner Mitarbeiter gelegt. Ich darf sagen, dass jetzt für mich ein erweitertes Stück Privatleben stattfindet.