Wie kann man den Zustand von Verletzten einschätzen?Schon der erste Blick verrät anhand von Aussehen, Position und Verhalten des Betroffenen viel über dessen Zustand. Liegt ein Verletzter regungslos da, sollten Helfer zunächst versuchen, ihn durch lautes Ansprechen und leichtes Rütteln an der Schulter aufzuwecken. Gelingt das nicht, muss die Atmung kontrolliert werden: Beugen Sie sich zur Person nieder und prüfen Sie, ob Sie an ihrer Wange die Atemluft spüren, ob Sie Atemgeräusche hören und ob sich der Brustkorb hebt und senkt. Wenn der Bewusstlose atmet, wird er in die stabile Seitenlage gebracht – atmet er nicht, sind Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich.Wie ging das noch mit der Wiederbelebung?Als Faustregel gilt: 30 Mal auf den Brustkorb drücken, 2 Mal beatmen – und wieder von vorn. Dazu legen Sie das Opfer mit entblößtem Oberkörper auf den Rücken und knien sich daneben. Den Ballen einer ihrer Hände platzieren Sie in der Mitte des Brustkorbs. Diese Hand stabilisieren Sie mit der anderen. Dann senkrecht von oben mit durchgestreckten Armen vier bis fünf Zentimeter tief und ungefähr zweimal pro Sekunde drücken. Bewusstlose in einem Unfallauto müssen für die Wiederbelebung aus dem Fahrzeugwrack geholt werden.Welche Verletzungen sollte man als erstes versorgen?Zuerst kommt die stark blutende Wunde an die Reihe, dann der Knochenbruchs. Auch bei der Wundversorgung unbedingt zuerst an den Eigenschutz denken und die Handschuhe aus dem Verbandkasten anziehen. Ganz wichtig: Da Verunglückte durch einen Schock plötzlich ohnmächtig werden können, sollten sie bei der Behandlung sitzen oder liegen. Vor Unterkühlung, die selbst bei Sommerhitze droht, schützt die Rettungsdecke aus dem Verbandkasten. Sie hat obendrein eine wertvolle psychologische Wirkung: Sie gibt Geborgenheit und bietet Schutz vor den Blicken Umherstehender.Darf man verunglückten Motorradfahrern den Helm abnehmen?Das muss man sogar. Der Grund: Bewusstlose Biker können nur richtig versorgt werden, wenn der Schutzhelm runter ist. Teilweise finden sich Aufkleber am Helm, dass der Motorradfahrer die Helmabnahme nicht wünscht – aber auch so ein Sticker darf nicht davon abhalten. Kopf und Hals des Unfallfahrers sollten möglichst wenig bewegt werden – am besten gelingt das zu zweit, und zwar so: Visier und Kinnriemen öffnen, danach den Kopfschutz längs vom Körper weg vorsichtig abziehen, bis sich der Hinterkopf fassen und abstützen lässt. Dann kann der Helm ganz heruntergezogen werden.Was tun, wenn ich alleine mehrere Verletzte vorfinde?Je eher man in dieser Situation den Notruf absetzt, desto schneller sind weitere Helfer da. Danach entscheiden Sie, wer aus ihrer Sicht am dringendsten ihre Hilfe benötigt. Leichtverletzte sollten Sie zur Mithilfe motivieren. Wer bei einem Unfall glimpflich davongekommen ist, steht trotzdem unter Stress. Da können konkrete Hinweise, was zu tun ist, hilfreich sein.Wie oft sollte man seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen?Die Johanniter empfehlen alle zwei Jahre einen Wiederholungskurs, andere raten dazu alle drei bis fünf Jahre. Dabei lässt sich das Erste-Hilfe-Wissen auffrischen, erweitern und vor allem anwenden – ein wesentlicher Punkt, denn: Wer sich praxissicher fühlt, ist im Notfall beherzter und selbstsicherer. Die Bereitschaft zu helfen ist dann höher.