Nicht ganz sauber: Fuhrpark der Fahrbereitschaft des Deutschen Bundestags im Berliner Regierungsviertel Foto: Urs Moser / Jürgen Ritter / IMAGO Immerhin zwei Mitglieder des Bundeskabinetts bekommen für ihre Dienstwagen eine Grüne Karte von der Deutschen Umwelthilfe. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir mit seinem Audi e-Tron und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) mit ihrem Mercedes-Benz EQC sind vollelektrisch unterwegs. Damit bleiben ihre Fahrzeuge gerade noch unter dem EU-Flottengrenzwert  von 95 Gramm CO₂ je Kilometer – selbst wenn man annimmt, dass sie mit Strom aus typisch deutschem Mix fahren und nicht mit reinem Ökostrom. Die Umweltorganisation checkt  regelmäßig den Fuhrpark der Spitzenpolitikerinnen und -politiker auf seine Vorbildfunktion. Beim letzten Mal  vor der Bundestagswahl 2021 gab es noch für alle Minister der Großen Koalition eine Rote Karte. Seitdem kündigten einige an, das Elektroautoziel der Ampelkoalition auch persönlich erfüllen zu wollen. Doch offenbar stoßen sie auf dieselben Lieferprobleme wie normale Bürgerinnen und Bürger: Wer Elektro will, muss warten . Zumindest zum Zeitpunkt der Umfrage bis Mai konnte Familienministerin Lisa Paus den BMW i4 noch nicht vorweisen, den ihre Vorgängerin Anne Spiegel (beide Grüne) bestellt hatte. Nur Özdemir ergatterte seinen Audi rechtzeitig. Den Elektro-Benz, mit dem Umweltministerin Lemke jetzt fährt, hatte noch vor dem Regierungswechsel Svenja Schulze (SPD) als erste Bundesministerin mit Dienst-Batteriefahrzeug bestellt. Jetzt als Entwicklungshilfeministerin nutzt die Sozialdemokratin stattdessen aber einen Plug-in-Hybrid, der neben dem Elektro- auch einen Benzinmotor hat. Damit ist sie typisch für das Berliner Kabinett. Das häufigste Modell ist eine Plug-in-Variante des Audi A8, die mit Baujahr 2020 laut Umwelthilfe auf einen realen CO₂-Ausstoß von 283 Gramm je Kilometer kommt – fast so schlimm wie der 7er-BMW mit reinem Benzinmotor, mit dem Bauministerin Klara Geywitz (SPD) vorfährt (330 Gramm CO₂ je Kilometer). Lieblingsauto der Bundespolitiker: Audi A8 L 60 TFSI e Quattro Plug-in-Hybrid (auf dem Genfer Autosalon 2019) Foto: Sebastian Geisler / IMAGO Die Auswahl ist pikant, weil die Bundesregierung zu dem Schluss gekommen ist, dass Plug-in-Hybride wegen des hohen Fahranteils im Verbrennermodus ihrem Klimaziel eher schaden als nützen. Die Förderung soll zum Jahresende auslaufen.Auf Staatssekretärsebene sind vollelektrische Modelle schon deutlich weiter verbreitet. Ausgerechnet der Grüne Oliver Krischer, Parlamentarischer Staatssekretär im Klimaministerium, hat dabei als einziger ein Wasserstoff-Elektroauto als eigenen Dienstwagen: einen Mercedes-Benz GLC F-Cell. Als oppositioneller Verkehrspolitiker hatte Krischer vor einem Jahr noch erklärt, Wasserstoff als Pkw-Antrieb halte er »für keinen sinnvollen Weg«. Auch Jennifer Morgan, die Klimabeauftragte im Auswärtigen Amt, nutzt so ein Auto mit Brennstoffzelle – aber aus der Fahrbereitschaft; auf einen persönlichen Dienstwagen verzichtet sie. Einige Namen fehlen auf der Liste der Umwelthilfe: Bewusst ausgeklammert sind Ministerinnen und Minister, die ebenso wie Bundeskanzler Olaf Scholz für ihre gepanzerten Autos auf das Wort des Bundeskriminalamts hören müssen. Für diese Sicherheitsstufe mit ihrem hohen Gewicht gibt es auf absehbare Zeit keine Elektroautos im Angebot. Bekannt ist aber einiges zum Panzer für den Kanzler, dem Mercedes-Benz S-Klasse »Guard«. Normwert für den CO₂-Ausstoß: 411 Gramm pro Kilometer.