Wartende an der S-Bahn-Station Berlin-Alexanderplatz Foto: Carsten Koall / Getty Images Die Zahl der Berufspendler in Deutschland ist 2021 trotz der Coronapandemie und der Homeoffice-Pflicht gestiegen. Gut 3,5 Millionen Arbeitnehmer arbeiteten im vergangenen Jahr nicht in dem Bundesland, in dem sie lebten – 150.000 mehr als im Jahr zuvor, berichtete die »Rheinische Post« am Mittwoch unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Zahl der Fernpendler wuchs demnach im Corona-Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 4,5 Prozent. Mehr als jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hat den Daten zufolge einen Arbeitsort in einem anderen Bundesland als den Wohnort. Zu den Ländern, in die besonders viele Menschen von außerhalb zum Arbeiten kommen, zählten Nordrhein-Westfalen (461.000 sogenannte Einpendler),Baden-Württemberg (426.000),Bayern (425.000),Hessen (408.000)sowie die Stadtstaaten Hamburg (368.000)und Berlin (366.000).Den höchsten Anteil hatte Bremen, wo gut 41 Prozent der Beschäftigten außerhalb wohnten.Die meisten Auspendler – Beschäftigte, die für den Job ihr Bundesland verlassen – gab es in Niedersachsen (454.000), Rheinland-Pfalz (338.000), Brandenburg (305.000), Schleswig-Holstein (244.000) und Sachsen-Anhalt (141.000). In Brandenburg arbeiteten mehr als 30 Prozent jenseits der Landesgrenzen. Pendelwege innerhalb eines Bundeslands, also etwa aus anderen bayerischen Kommunen nach München, oder innerhalb der Stadtgrenzen werden von dieser Statistik nicht erfasst. Die Daten verraten auch nicht, ob die Strecke zwischen den beiden Orten tatsächlich gefahren wurde. So könnten auch Beschäftigte mitgezählt werden, die aufs Land zogen, um dort im Homeoffice zu arbeiten, während die Adresse des Arbeitgebers weiterhin offiziell als ihr Arbeitsort gilt. Allerdings dürfte auch das zu zusätzlichen Wegen führen, wenn nach der Pandemie wieder mehr Präsenz verlangt wird. Empfohlener externer Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt,nder den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassennund wieder ausblenden. Gewerkschaft sieht teures Wohnen als HauptgrundNach Einschätzung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) werden tatsächlich immer mehr Beschäftigte zu stundenlanger Fahrerei gezwungen. »Längst nicht jeder kann Homeoffice machen – viele Menschen müssen weite Pendelwege in Kauf nehmen, um zur Arbeit zu kommen«, sagte der Gewerkschaftschef Robert Feiger der »Rheinischen Post«. Strecken von mehr als hundert Kilometern seien etwa für Bauarbeiter »alles andere als eine Seltenheit«. Teure Mieten und Hauspreise sieht die Gewerkschaft als wesentliche Gründe für das weitere Ansteigen der Pendlerzahlen. Ein entscheidender Beitrag gegen den auch umweltschädlichen »Pendelwahnsinn« sei die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in den Orten, in denen die Menschen arbeiten und leben wollten, meinte Feiger. Er begrüßte den Plan der Bundesregierung, pro Jahr 400.000 neue Wohnungen zu errichten – darunter 100.000 geförderte Sozialwohnungen. Für diese seien dauerhafte Preisbindungen nötig. »Es muss gelten: einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung. Wir brauchen keine günstigen Mieten mit Verfallsdatum.«