Aussage zu Elektroautos Volker Wissing und das Rätselraten um den Verbrennungsmotor E-Autos gehört die Zukunft, E-Fuels in Pkw eher nicht: Mit dieser Aussage ließ Verkehrsminister Wissing aufhorchen. Dann ruderte der FDP-Mann etwas zurück – die Verwirrung ist komplett. 14.01.2022, 13.24 Uhr Volker Wissing Foto: Daniel Hofer / DER SPIEGEL Es war eine klare Ansage zur Zukunft des Verbrennungsmotors vom Verkehrsminister. »Auf absehbare Zeit werden wir nicht genug E-Fuels haben, um die jetzt zugelassenen Pkw mit Verbrennungsmotor damit zu betreiben«, sagte Volker Wissing (FDP) dem »Tagesspiegel« zur Rolle von mit Strom erzeugten synthetischen Kraftstoffen. Diese ermöglichen theoretisch einen klimaneutralen Betrieb von Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren und sind deshalb so etwas wie die letzte Hoffnung für alle, die auch in Zukunft am Verbrenner festhalten wollen. Denn ohne E-Fuels ist langfristig das Ende dieser Motoren besiegelt. Allerdings sind die synthetischen Kraftstoffe aus Sicht der meisten Fachleute ineffizient, teuer und auf Jahre hinaus kaum verfügbar – und sollten dort eingesetzt werden, wo es keine Alternativen, etwa in Flugzeugen und Schiffen. Folgerichtig warnte der Verkehrsminister die Verbraucher, weiter auf Verbrenner zu setzen. »Die Nutzung fossiler Kraftstoffe wird in Zukunft teurer werden«, sagte Wissing. »Deshalb kann ich nur dazu raten, auf CO₂-neutrale Antriebe umzusteigen.« Gleichzeitig solle dafür gesorgt werden, dass das Laden mit regenerativem Strom bezahlbar bleibe. »Wenn man sich die EU-Regulierung anschaut, sieht man, dass die Entscheidung für die E-Mobilität längst gefallen ist.« Nach einer Welle an Zustimmung von Grünen, SPD, Fachleuten und Umweltverbänden sowie harter Kritik vom Automobilverband VDA und Politikern von Union und AfD im Laufe des Tages, äußerte sich Wissing am Abend im Bundestag erneut – diesmal waren die Aussagen alles andere als eindeutig. Statt Klarheit herrscht inzwischen eher Verwirrung über die genauen Pläne.»Jeder Beitrag zur CO2-Reduktion ist wichtig«, sagte Wissing. Mobilität müsse sich auch künftig »technologieoffen« weiterentwickeln. Deswegen könne man nicht alles auf einen Antrieb umstellen.»Wenn wir schnell CO₂ reduzieren wollen, müssen wir die Elektromobilität stärker nutzen«, sagte Wissing zwar. Ein wichtiger Baustein könnten in Zukunft aber auch strombasierte Kraftstoffe sein – nicht nur für Luftverkehr und Schifffahrt, sondern auch in den Pkw-Bestandsflotten. Verbrenner-Fans durften nach Wissings rhetorischer Achterbahnfahrt am Ende des Tages etwas aufatmen. Die Wirkung seiner Worte in dem Interview hatte den Minister offenbar selbst überrascht. Einen »Kurswechsel« und »Wortbruch«, warf der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Bareiß (CDU) Wissing vor.Im Wahlprogramm der FDP hieß es: »Synthetische Kraftstoffe sind eine Alternative für alle Verkehrsarten, die in Verbrennungsmotoren verwendet werden können.«Autoverband: »Selbstverständlich brauchen wir E-Fuels«Wissing müsse einhalten, was er und seine Partei im Wahlkampf versprochen hätten, forderte auch die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller. »Selbstverständlich brauchen wir E-Fuels auch für den Straßenverkehr. Ohne E-Fuels können die Fahrzeuge, die schon im Betrieb sind, keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten«, sagte Müller den Zeitungen der Funke Gruppe. Der Fokus liege aber trotzdem auf der Elektromobilität, schränkte sie ein. Der ADAC äußerte sich ähnlich und verwies darauf, dass auch 2030 noch Millionen alter Verbrenner-Autos auf den Straßen unterwegs seien. Umwelt- und Klimaschutzverbänden hatten sich zunächst fast begeistert gezeigt und lobten den zumindest vermuteten Bruch des neuen Verkehrsministers mit der Politik seines Vorgängers Andreas Scheuer (CSU). »Synthetische Kraftstoffe sind mit Blick auf Energieeffizienz, Preis und Verfügbarkeit jetzt und auch in Zukunft keine Option für den Pkw«, sagte etwa Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim Umweltverband BUND.Nach Wissings Rede im Bundestag zog schnell wieder Ernüchterung bei den Klimaschützern ein. »Heute Morgen noch gelobt, rudert Wissing eben beim Auftritt im Bundestag in Sachen E-Fuels für Pkw schon wieder zurück. Bedauerlich«, twitterte Daniel Rieger, Leiter Verkehrspolitik beim Nabu. »Wäre ein starker Auftakt seiner Amtszeit gewesen. Drohen nun weitere Jahre halbherziger Elektromobilitätspolitik?« Die Frage dürften sich viele Beobachter nun stellen. Empfohlener externer Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter,nder den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassennund wieder ausblenden. Für Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup greift die aktuelle Debatte ohnehin zu kurz. Wissing müsse ein »Sofortprogramm im Verkehr auflegen, das große, schwere Spritfresser mit einer Neuzulassungssteuer teurer macht, das Dienstwagenprivileg abschafft und ein Ende des Verbrenners bereits ab dem Jahr 2025 festlegt«.Offenbar hatte Wissing die Reaktionen des Tages genau verfolgt. In seiner Bundestagsrede warb er jedenfalls für »mehr Verständnis für die Bedürfnisse und die Sichtweisen des anderen«. Er wünsche sich »etwas weniger Bereitschaft, sich sofort und ständig zu empören«.