Produktion des VW Caddy Foto: imago stock&people / imago/newspix Es ging um einen 2015 gekauften VW Caddy mit manipuliertem Dieselmotor. Statt ein Softwareupdate zur Schadensbehebung wollte der Käufer ein neues Fahrzeug als Ersatz und verklagte sein Autohaus. Das Oberlandesgericht Braunschweig lehnte die Klage zunächst ab, doch der Bundesgerichtshof kassierte die Entscheidung am Mittwoch wieder und überwies den Fall zurück nach Braunschweig. Für betroffene Diesel-Käufer, die sich noch mit ihrem Händler über den Austausch ihres Autos streiten, bedeutet das: Autohäuser können nicht ohne Weiteres auf das günstigere Software-Update verweisen. Neuwagenkäufer hätten innerhalb einer Zweijahres-Frist ein Recht darauf, dass ein Mangel »vollständig, nachhaltig und fachgerecht beseitigt« werde. Auf ein fabrikneues Ersatzauto zu bestehen sei innerhalb der zwei Jahre nach Vertragsabschluss auch dann nicht grundsätzlich unmöglich, wenn bereits eine höherwertiges Nachfolgemodell auf dem Markt sei, so der BGH in seiner Entscheidung (Az. VIII ZR 190/19).Wenn der Listenpreis aber um mehr als ein Viertel höher liege, müsse eine Zuzahlung des Käufers geprüft werden. Der VW-Caddy-Besitzer müsste einen Teil des Aufpreises demnach bezahlen. Neue Kriterien gelten für alle NeuwagenkäuferDas Oberlandesgericht müsse nun prüfen, ob das neue Modell tatsächlich so viel teurer ist als das ursprünglich gekaufte. Die Beweispflicht treffe hier den Verkäufer, entschied der BGH. Weder dürfe der Anspruch des Käufers ausgehöhlt werden noch der Verkäufer von jeder damit einhergehenden Belastung befreit.Darum müsse der Käufer die Differenz in der Regel nur bis zu einem Drittel, in Ausnahmefällen bis zur Hälfte, ausgleichen. Der BGH erklärte auch, dass ein Verkäufer die Neulieferung nur dann verweigern dürfe, wenn der Mangel durch die angebotene Nachbesserung vollständig beseitigt würde und keine weiteren Mängel dadurch entstünden. Der Käufer im aktuellen Fall hatte argumentiert, dass das Softwareupdate mit Thermofenster weitere Mängel nach sich ziehe. Befürchte der Kunde Folgeschäden durch das Update, sei es am Händler, solche Zweifel vor Gericht auszuräumen, so der BGH. Gegebenenfalls müsse ein Sachverständiger zurate gezogen werden.Die zu diesem Punkt entwickelten Kriterien gelten nicht nur im Dieselskandal, sondern für alle Neuwagenkäufer.Wegen des VW-Skandalmotors EA189 streiten laut Volkswagen nur noch sehr wenige Käufer mit ihrem Autohändler. Es gebe noch eine niedrige zweistellige Zahl an Verfahren. Die meisten Betroffenen haben VW als Hersteller wegen systematischer Täuschung auf Schadensersatz verklagt.