GJ 367b ist nur 31 Lichtjahre entfernt Foto: SPP 1992 / Patricia Klein / REUTERS Berliner Forscher haben einen der kleinsten Planeten aufgespürt, der bislang außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt wurde. GJ 367b muss man sich als glühend heiße Welt vorstellen, die etwas größer als der Mars und nur halb so schwer wie die Erde ist. Blitzschnell dreht sich der Exoplanet um seinen Stern – nach acht Stunden ist das Jahr vorbei. Vieles ist außergewöhnlich an dem Planeten, nicht nur die Oberflächentemperatur von 1500 Grad Celsius. So besteht er fast vollständig aus Eisen. »Unser Modell der inneren Struktur zeigt, dass der Eisenkern etwa 86 Prozent des Planeten ausmacht«, schreiben Kristine Lam vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin und ihre Kollegen. Deshalb sei vermutlich seine Kruste und der größte Teil seines Mantels aus Gestein verdampft und nur der überwiegend aus Eisen bestehende Kern zurückgeblieben, so die Wissenschaftler im Fachblatt »Science«. Mit 31 Lichtjahren Entfernung von der Erde ist der ungewöhnliche Planet vergleichsweise nah. Er umkreist einen roten Zwergstern, der kleiner, kühler und weniger leuchtkräftig ist als unsere Sonne, und braucht dafür nur 7,7 Stunden. Ein Tag auf der Erde entspricht also drei Jahren auf GJ 367b. »Ultrakurzperiodisch«, nennen die Forscher das. Lam und ihre Kollegen haben GJ 367b mit dem US-Satelliten-Observatorium TESS aufgespürt. Das Weltraumteleskop sucht nach periodischen Helligkeitsschwankungen von Sternen, ausgelöst durch Planeten, die den Stern umkreisen und dabei – von der Erde aus gesehen – regelmäßig vor ihm vorüberziehen.Wie der sonnennächste Planet ist auch GJ 367b starker Strahlung ausgesetzt. Zwar ist der rote Zwergstern mit 3800 Grad Celsius deutlich kühler als unsere Sonne, die eine Oberflächentemperatur von etwa 6000 Grad Celsius besitzt. Aber durch die extreme Nähe zu seinem Stern ist die Strahlung auf dem Exoplaneten 500-mal stärker als auf der Erde. Roter Zwergsterne und die Suche nach PlanetenMithilfe weiterer Beobachtungen an der Europäischen Südsternwarte ermittelten die Astronomen die Masse von GJ 367b. Denn mit seiner Anziehungskraft zerrt ein Planet an seinem Zentralstern und versetzt ihn so in eine leichte Bewegung. Diese Bewegung lässt sich anhand kleiner Veränderungen im Spektrum des Sternenlichts nachweisen – und aus der Stärke der Bewegung können Forscher dann die Masse berechnen. Aus Größe und Masse ergibt sich schließlich die Dichte des Planeten zu 8,1 Gramm pro Kubikzentimeter, was etwa der Dichte von Eisen entspricht.Rote Zwergsterne sind für Astronomen von besonderer Bedeutung bei der Suche nach Planeten. Zum einen handelt es sich um die häufigste Art von Sternen in der Milchstraße. Zum anderen lassen sich Planeten dort aufgrund der geringeren Helligkeit des Sterns leichter nachweisen. Im Mittel, so schätzen die Forscher, umkreisen jeden dieser Sterne zwei bis drei Planeten – viele davon auf sehr engen Umlaufbahnen ähnlich wie GJ 367b. »Bislang wissen wir nichts über die Entstehung solcher extrem kurzperiodischen Planeten«, erläutert Lam. »Aber indem wir die genauen Eigenschaften solcher Planeten bestimmen, erhalten wir einen Einblick in die Entstehung und Entwicklung solcher Systeme.«