Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg hat positiv auf die konkreten Ziele der künftigen Bundesregierung hinsichtlich der Elektromobilität reagiert. "Dass die Ampel-Koalition bis 2030 mindestens 15 Millionen E-Autos in den Markt bringen will, ist eine klare Ansage, mit der wir arbeiten können", sagte Landesverbandspräsident Michael Ziegler am Donnerstag in Stuttgart. In Baden-Württemberg seien bis dahin mindestens 2,1 Millionen Elektro-Pkw zu erwarten.nAuch die angekündigte Verlängerung der staatlichen Innovationsprämie über den 31. Dezember 2021 hinaus wird begrüßt. Diese sei nun schnell umzusetzen, betonte Ziegler. Wie aus dem am Mittwoch vorgestellten Koalitionsvertrag von SPD, Grüne und FDP hervorgeht, soll die Innovationsprämie zur Unterstützung der Anschaffung elektrischer Pkw unverändert nach der bisherigen Regelung bis zum 31. Dezember 2022 fortgeführt werden. Als einen der Gründe für die Verlängerung nennt das Papier die Auslieferungsschwierigkeiten der Hersteller bei bereits bestellten Fahrzeugen.nNach aktuellem Stand würden die Käufer von E-Fahrzeugen bei der Neuzulassung im neuen Jahr nur noch einen Teil der Förderung enthalten, weil die Innovationsprämie nur bis Ende dieses Jahres läuft. Sie war im Juli 2020 als Ergänzung des sogenannten Umweltbonus eingeführt worden und beträgt je nach Fahrzeug bis zu 3.000 Euro zusätzlich. Der eigentliche Umweltbonus von bis zu 6.000 Euro netto soll erst 2025 auslaufen.nMittelfristig wollen die Regierungsparteien die Förderung anpassen. Ab 1. Januar 2023 soll sie nur noch für Fahrzeuge ausgegeben werden, die nachweislich einen positiven Klimaschutzeffekt haben. Die Einschränkungen dürfte vor allem die ökologisch umstrittenen Plug-in-Hybride meinen. Sie müssen künftig einen bestimmten elektrischen Fahranteil sowie eine elektrische Mindestreichweite bieten. Ab dem 1. August 2023 soll diese bei 80 Kilometern liegen.nZuschuss von Zulassung entkoppelnnZiegler sagte vor diesem Hintergrund, dass es "aus unserer Sicht dann unbedingt zu überlegen ist, ob die Förderbedingungen nicht vom Zulassungsdatum entkoppelt werden können. Sonst gehen viele Fahrzeugkäufer bei der Prämie leer aus, obwohl sie rechtzeitig bestellt haben. Das gäbe eine untragbare Situation und Unsicherheit für Kunden und Händler." Auch Ende 2025 stünde man vor dem gleichen Problem. Stattdessen sollte sich die Förderung am Kaufdatum orientieren.nDass das Dienstwagenprivileg bei den Plug-in-Hybriden künftig daran gekoppelt werden soll, dass das Fahrzeug mehr als 50 Prozent im rein elektrischen Betrieb gefahren werden soll, hält Ziegler für nachvollziehbar: Es habe aber die Tücke, dass diese Dienstfahrzeuge häufig im Langstreckenbetrieb eingesetzt würden. "Da erwarten wir eine flexible Regelung, die dem tatsächlichen Fahrverhalten Rechnung trägt."nGrundsätzlich sieht der Branchenvertreter das Kfz-Gewerbe als Schlüsselpunkt bei der Umsetzung des Wandels zu mehr Elektromobilität. Der Verband richte den Fokus auf die Unterstützung der Betriebe und leiste Hilfestellungen. Mit Blick auf die globale Situation und die geplante Treibhausgas-Reduktion sagte Ziegler: "Der internationale Ansatz, den wir beim Thema Klima brauchen, ist nach wie vor viel zu wenig vorhanden." Es brauche weltweit mehr Anstrengungen beim Klimaschutz, nicht nur in Deutschland und Europa.nAgentur erhöht Abhängigkeit vom HerstellernZiegler ging auch auf die Umwälzungen im Automobilhandel ein – "die wohl massivsten, die es in der Nachkriegszeit gegeben hat". Neben der zunehmenden Digitalisierung von Verkaufsprozess und Kundenkommunikation würden vor allem die finanziellen Beziehungen zwischen Herstellern und Händlern auf eine neue Basis gestellt. Das in der Branche viel diskutierte Agentursystem habe zwar Vorteile beim Kapitaleinsatz, aber auch Nachteile. Ziegler: "Es bedeutet weniger unternehmerische Freiheit für den Einzelnen. Die Abhängigkeit vom Hersteller wächst. Wir müssen äußerst wachsam sein, dass die Rahmenbedingungen für Autohäuser künftig noch ein auskömmliches Wirtschaften ermöglichen."