Hochgeschwindigkeitszüge ICE und der französische TGV Foto: JACQUES DEMARTHON/ AFP Im Angesicht der Klimakrise ist es zumindest bei Reisen innerhalb von Deutschlands eine Frage, die sich inzwischen viele Menschen immer häufiger stellen: Fahre ich mit der Bahn oder nehme ich das Flugzeug? Mit dem Flugzeug geht es von Tür zu Tür meist schneller – aber nicht immer. Zudem werden bei Flügen große Mengen von klimaschädlichen Emissionen freigesetzt. Kurzstreckenflüge sind etwa zwölfmal schädlicher fürs Klima als vergleichbare Bahnfahrten. Andererseits ist die Bahn nicht immer eine gute Alternative – schlechte Verbindungen und unkalkulierbare Verspätungen sind daran schuld. Eine Analyse im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace hat sich nun angeschaut, welche Bahnverbindungen es zu den 150 am stärksten frequentierten Kurzstreckenflügen in Europa gibt und die Reisezeiten untersucht. Das Ergebnis: Für mehr als ein Drittel der Flüge gibt es praktikable Zugalternativen, die weit weniger umweltschädlich sind. Für weitere 15 Prozent bestehen Direktverbindungen per Nachtzug. Entsprechend fordert Greenpeace die europäischen Regierungen auf, den Zugverkehr zu fördern, damit weniger umweltschädliche Flugzeuge den Kontinent überfliegen. Laut der Analyse können 51 (34 Prozent) der Flugstrecken mit einer Zugfahrt von weniger als sechs Stunden zurückgelegt werden.In der Studie, die im Vorfeld des Uno-Klimagipfels veröffentlicht wird, der am Sonntag im schottischen Glasgow beginnt, werden einige besonders problematische Flugstrecken hervorgehoben, auf denen laut den Autoren ein Dutzend Mal mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird als bei Zugreisen. Darunter sind stark frequentierte Strecken wie Madrid-Barcelona, Frankfurt-Berlin oder Brüssel-Amsterdam. Die Entfernungen könnten mit der Bahn sogar in zwei bis vier Stunden bewältigt werden, heißt es. Verbot von KurzstreckenflügenWenn in Europa fast alle der 250 wichtigsten Kurzstreckenflüge ersetzt würden, könnten etwa 23,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden. Das entspräche den jährlichen CO₂-Emissionen von Kroatien, so Greenpeace.Während des Wahlkampfes hatte die Grünenkandidatin Annalena Baerbock zwischenzeitlich ein Verbot von Kurzstreckenflügen ins Gespräch gebracht. Das fordert auch Greenpeace für Verbindungen, für die es eine Bahnalternative unter sechs Stunden gibt. Geschäftsreisenden aus Hamburg wäre es demnach beispielsweise kaum mehr möglich, einen Termin in München per Flugzeug mit Hin- und Rückweg als Tagesreise zu absolvieren. In der Analyse ist die Dauer der Bahnfahrt für die Strecke mit 5:48 Stunden angegeben. Gemessen am Verhalten der deutschen Reisenden hat die Studie die zumutbare Bahnreisezeit mit sechs Stunden zudem recht hoch angesetzt. Daten des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft zeigen, dass der Großteil der Fluggäste lieber dann fliegt, wenn Strecken oberhalb von 400 Kilometern zurückgelegt werden müssen, die mit der Bahn länger als drei bis vier Stunden dauern würden. Bei der Entscheidung dürfte auch eine Rolle spielen, wie gut die Anbindung vor Ort ist – also wo sich der Flughafen befindet und wie lange die weitere Reisezeit ins Zentrum einer Metropole dauert. Bei dem Beispiel Hamburg – München muss etwa eingerechnet werden, dass sich der Flughafen recht weit weg vom Stadtzentrum befindet und man lange mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof fahren muss. Zudem argumentieren die Fluggesellschaften, dass etwa ein Drittel der Kurzstreckenflüge notwendig sind, weil sie wichtige Verbindungen für Langstreckenflüge darstellen. In Deutschland reisen beispielsweise viele Passagiere zum Frankfurter Flughafen, um von dort einen Langstreckenflug zu beginnen. Die Lufthansa und die Deutsche Bahn haben ihre Zusammenarbeit deshalb im März intensiviert – es sollen vermehrt Passagiere mit dem klimafreundlicheren Zug zum Flug reisen. Bei guten Angeboten der Bahn könnten auch Flugverbindungen wegfallen, hatte die Lufthansa gesagt.