Deutschland ist die einzige entwickelte Weltregion, in der auf Autobahnen kein generelles Tempolimit gilt. Die Asphaltpisten bleiben also Orte, an denen die Deutschen ihre Liebe zum Automobil – oder ihren Frust – uneingeschränkt per Druck aufs Gaspedal ausleben können. Und zwar über weite Strecken: Auf mehr als zwei Dritteln des Autobahnnetzes ist das Rasen nach Lust und Laune gestattet. Untersuchungen haben gezeigt, dass Autofahrer Geschwindigkeiten tendenziell zu niedrig und ihre Fähigkeiten zu hoch einschätzen. Ein Problem dabei: Mit einer Verdopplung der Geschwindigkeit wächst der Bremsweg um etwa das Vierfache. Während der Reaktionszeit legt der Fahrer viele zusätzliche Meter zurück, bis er stoppt. Der Anhalteweg summiert sich aus dem Reaktionsweg, den man während der »Schrecksekunde« zurücklegt, und dem tatsächlichen Bremsweg.Aber schätzen Sie selbst: Im folgenden Szenario sind Sie bei trockener Witterung ohne Glätte noch vergleichsweise gemächlich mit der innerorts erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h unterwegs. Wo kommt das Auto im Ernstfall nach einer Gefahrenbremsung zum Stehen?Ziehen Sie den roten Schieberegler mit dem Finger oder mit der Maus, um Ihren Tipp abzugeben, wie viele Meter der Anhalteweg beträgt: Bereits bei doppelter Geschwindigkeit erhöht sich der Anhalteweg drastisch. Schätzen Sie, wie sehr: Tunnelblick: Sind die 200 km/h erst einmal geknackt, kann von einer »entspannten Reisegeschwindigkeit« nicht mehr wirklich die Rede sein. Wie weit geht der Bremsflug? Der Zusammenhang zwischen gefahrener Geschwindigkeit und Anhalteweg lässt sich nicht intuitiv ableiten. So entwickelt sich die Länge des Anhaltewegs bei verschiedenen Geschwindigkeiten: Leistung neuer Autos steigt kontinuierlichIn die entgegengesetzte Richtung geht es tendenziell immer schneller: Wenn die Deutschen auf die Tube drücken, dann tun sie dies mit stetig wachsender Motorkraft. Das zeigt die Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes: Wie viele Autos stehen bei Ihnen eigentlich vor der Tür?Drei, zwei, eins, keins? Wer in einer Großstadt lebt, ist in der Regel weniger auf ein eigenes Auto angewiesen als die Landbevölkerung. So weit, so naheliegend. Doch ganz so eindeutig ist die Sache nicht, wie die folgende Karte zeigt. Wohnen Sie vielleicht doch in einer Autohochburg? So berechnen wir den Anhalteweg Der Anhalteweg setzt sich aus Reaktionsweg und Bremsweg zusammen. Ersterer beschreibt die zurückgelegte Strecke bis man auf ein Hindernis reagieren kann und ergibt sich aus dem Produkt von Geschwindigkeit und Reaktionszeit (1 Sekunde). Für den darauf folgenden Bremsweg wurde das Quadrat der Geschwindigkeit durch die doppelte Bremsverzögerung geteilt. Letzterer Wert kann bei einer Gefahrenbremsung auf trockener und auch sonst unbeeinflusster Fahrbahn auf 7 m/s2 gesetzt werden.Größe und Fahrverhalten des Autos sowie die Fahrbahnmarkierungen in der Grafik sind nicht maßstabsgetreu. Alle Werte verstehen sich näherungsweise, tatsächlich spielen bei einer Bremsung viele individuelle Faktoren wie z.B. das Fahrzeug und die Witterung eine Rolle.