Der erste Eindruck: Ein Auto, das auffällt. Mit guten Proportionen, knackigem Design und für viele Menschen noch ungewohntem Marken-Emblem.Das sagt der Hersteller: »Gamechanger«, solch ein Wort benutzt die Autobranche immer gerne, wenn Bewegung in eine Marke kommt. Auch Carlos Galindo, bei Cupra zuständig fürs Produkt-Marketing, bedient sich dieses Ausdrucks für den Born und ergänzt: »Der Born läutet das elektrische Zeitalter von Cupra ein«. Ab circa 2030 will Seats Submarke vollelektrisch sein. Auf den Born folgen 2024 der Tavascan, ein elektrisches SUV-Coupé, und 2025 ein City-Stromer im Stil der Studie »Urban Rebel«, die Cupra jüngst auf der IAA Mobility in München präsentierte. Eigentlich sollte der Born längst auf der Straße sein, doch die Corona-Pandemie und die Management-Entscheidung, das elektrische Kompaktmodell nicht über Seat, sondern ausschließlich über die Submarke Cupra zu vermarkten, verzögerte den Prozess. Zu spät ist er trotzdem nicht: Sein Segment, die »Golf-Klasse«, ist dünn besetzt. Als direkter Born-Gegner kommt derzeit nur der VW ID.3 infrage. Der Nissan Leaf liegt technisch hinten, Hyundai Ioniq Elektro und Kia e-Niro gehen mehr in Richtung Crossover ebenso wie Renault nächstes Jahr mit dem Mégane E-Tech Electric. »Seat schließt mit dem Cupra Born die offene Flanke für sportliche, designorientierte Elektrofahrzeuge der Kompaktklasse«, sagt Peter Fintl, Autoexperte beim Technologie-Beratungsunternehmen Capgemini Engineering. Gleichzeitig soll der Born nach Aussage von Cupra Entwicklungschef Werner Tietz für einen kräftigen Absatzschub sorgen, weil er Märkte wie beispielsweise Norwegen für die Marke erschließt. »Europa bleibt natürlich unser Kerngeschäft, wir gehen jetzt aber auch nach Korea, Japan und Australien«, sagt Tietz. Das ist uns aufgefallen: Der Cupra Born basiert wie sein Bruder VW ID.3 auf der von Volkswagen entwickelten Elektroplattform MEB (Modularer Elektrifizierungs-Baukasten). Beide rollen sogar aus derselben Fabrik in Zwickau. Einmal mehr zeigt Seat, wie man auf die gleiche Bodengruppe das attraktivere Auto stellen kann. Dies gelang den Spaniern in der Verbrennerwelt schon mit dem Ibiza (Pendant zum Polo) und beim Leon (Pendant zum Golf). Auch der Cupra Born wirkt – zumindest nach dem persönlichen Empfinden des Autors – aufregender als der recht langweilige gestylte Volkswagen. Einmal mehr zeigt Seat, wie man auf die gleiche Bodengruppe das attraktivere Auto stellen kann. Herbe Kritik musste der ID.3 bei seinem Debüt für die Qualität im Innenraum einstecken. Cupra will sich diesen Fehler beim Born nicht nachsagen lassen, nahm gleich ein paar Euro mehr in die Hand und stattete seinen Stromer mit angenehmeren Materialien aus, auch wenn sie manchem Kunden vielleicht wegen des 3D-Looks zu technisch und kühl vorkommen könnten. Christoph Vierling, bei Cupra Leiter Fahrzeug-Gesamtentwicklung, strich zudem das kleinere Zehn-Zoll-Display, wie es das ID.3-Basismodell hat, aus dem Born-Programm. Für alle Versionen kommt einheitlich der große Zwölf-Zoll-Touchscreen zum Einsatz. Ungeschickt ist das nicht, meinen Branchenkenner. »Cupra kann den Born höherwertig positionieren und entsprechend höhere Preise erzielen«, sagt Stefan Bratzel, Autoexperte am Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Bislang blieb man immer brav ein paar tausend Euro unterhalb der vergleichbaren Modelle der Wolfsburger Mutter. Anders beim Born, er ist teurer. Mit 150 kW und 58-kWh-Batterie kostet der Spanier 37.220 Euro, während VW für den gleichstarken ID.3 36.960 Euro aufruft. Das muss man wissen: Schickeres Design, eine bessere Innenraumanmutung, war es das, womit man den Born vom Bruder ID.3 abgrenzen will? Nein. Aufgrund seiner sportlichen Positionierung erhielt der Cupra Born zusätzlich den sogenannten e-Boost. Dabei wird die Leistung der Elektromaschine kurzzeitig von 150 auf 170 kW angehoben, beispielsweise fürs schnellere Überholen. Erhältlich ist dieses Performance-Paket allerdings erst im nächsten Jahr und wird wohl kurze Zeit später auch für den ID.3 kommen. Cupra bekam lediglich den Vortritt.Die Einstiegsvariante des Born hat 110 kW Leistung. Nur sie gibt es mit der kleinsten Batterie (45 kWh) und entsprechend geringerer Reichweite (340 Kilometer). Zum Volumenmodell in der Born-Baureihe dürfte aber die Version mit der 58-kWh-Batterie werden, gekoppelt mit entweder 150 oder 170 kW Leistung und einer Reichweite von 424 beziehungsweise 420 Kilometern. Langstreckenfahrer spricht Cupra mit dem größten Akku an. Dessen 77 kWh-Speicher soll 540 Kilometer nach dem WLTP-Zyklus schaffen. Diese Variante gibt es ausschließlich in Verbindung mit der 170 kW starken e-Boost-Maschine. Und um die Sache noch komplizierter zu machen, hat jede Batteriegröße ein anderes DC-Lademanagement. An Schnellladern kann die kleinste maximal mit 110 kW geladen werden, die 58-kWh-Version verträgt 120 kW und die große 77-kWh-Batterie verdaut eine Ladeleistung von 170 kW. Sieben Minuten Nachladen sollen bei ihr 100 Kilometer »neue« Fahrstrecke ermöglichen. Der Cupra Born fährt sich wenig überraschend ähnlich wie der VW ID.3 – ruhig, souverän und komfortabel. Allerdings kann man ihn auch sehr forsch ums Eck treiben. Dank tiefem Schwerpunkt (durch die Batterie), ausgewogener Gewichtsverteilung (ebenfalls durch die Batterie), adaptiver Fahrwerksregelung und Progressivlenkung zieht der Born wie auf Schienen durch die Kurve.Das werden wir nicht vergessen: Cupra ist eine Kooperation mit der Firma SEAQUAL eingegangen. Die fischt Plastikabfälle aus dem Meer und Flussmündungen und recycelt den Müll dann zu Kunststofffasern. Daraus lässt Cupra einen speziellen Stoff für die Sitzflächen der Schalensitze herstellen. Damit wird der Cupra Born nicht die Welt retten, seine Besitzerin oder sein Besitzer kann beim nächsten Grillabend auf jeden Fall punkten, wenn das Thema Nachhaltigkeit auf den Tisch kommt. Hersteller:CupraTyp:BornKarosserie:Fünftüriger KompaktwagenMotor:ElektroGetriebe:1-GangAntrieb:HinterräderLeistung:150 kW / 204 PSDrehmoment310 NmVon 0 auf 100:7,3 sHöchstgeschwindigkeit:160 km/hBatteriekapazität:58 kWhReichweite:424 kmVerbrauch:16,8-15,5 kWh /100 kmCO₂-Ausstoß:0 g/kmLadeleistung:bis 11 kW AC und bis 120 kW DCLeergewicht:1736 kgKofferraumvolumen:385 LiterLänge / Breite / Höhe (in mm):4322 / 1809 /1540Wendekreis:10,15 mPreis:ab 37.220 Euro