Am 23. Mai 1928 schoss Fritz von Opel mit seinem Raketenwagen RAK 2 mit 238 km/h über die Avus. Für Vortrieb sorgten 24 Feststoffraketen im Heck des Autos. Foto: akg-images / picture alliance Die vier Buchstaben Avus stehen für »Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße« – und für 100 Jahre schnelles Fahren. Auf der Schneise durch den Grunewald im Südwesten von Berlin wurde Rennsportgeschichte geschrieben und dort entstand der Mythos vom Auto als Freiheitsbringer. Die zahlreichen Tragödien, die sich auf und neben der Avus ereigneten, verstärkten nur noch die Anziehungskraft der Piste. Allein 1926 beim erstmals ausgetragenen »Großen Preis von Deutschland« starben vier Menschen. Und auch in den Jahrzehnten danach gab es dort immer wieder spektakuläre Unfälle, bei denen Autos in die Luft katapultiert wurden und Fahrer herausgeschleudert wurden. Insbesondere nachdem 1937 die Avus-Nordschleife als gigantische Steilkurve mit einer Überhöhung von 43,6° fertiggestellt wurde. Avus — Highspeed mitten in Berlin Foto: Joko / IMAGO Geplant wurde die Avus ab 1909, eingeweiht erst am 24. September 1921. Der Erste Weltkrieg hatte Planung und Finanzierung zunichtegemacht. Ermöglicht wurde der Bau in den Nachkriegsjahren vor allem durch private Investoren wie den Großindustriellen Hugo Stinnes. Als die Avus im September vor hundert Jahren eröffnet wurde, war die rund 19 Kilometer lange Strecke die weltweit erste nur für den Autoverkehr vorgesehene Straße. Sie zu befahren kostete damals 10 Reichsmark. Ihre Blütezeit erlebte die Avus in den Dreißigerjahren. Weit mehr als 300.000 Zuschauer kamen zu den Autorennen, bei denen Rennfahrer-Stars wie Rudolf Caracciola oder Manfred von Brauchitsch in ihren Silberpfeilen mit mehr als 300 km/h über die langen Geraden schossen. Die Nationalsozialisten nutzen den Motorsport als Bühne, um technische Überlegenheit und Heldenmut zur Schau zu stellen — und mit dem Auto ihren Modernitätsanspruch zu untermauern. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Avus stark beschädigt. Der Rennbetrieb wurde 1951 wieder aufgenommen. 1959 fand, vor allem als sportpolitisches Signal in der geteilten Stadt, sogar ein Formel-1-Rennen auf der Avus statt. Ein tödlicher Unfall und zahlreiche Karambolagen überschatteten das Rennwochenende. Die Kritik an der Nordkurve ertönte immer lauter — die Steilkurve wurde 1967 schließlich abgerissen. Was aber auch straßenbauliche Gründe hatte, es wurde Platz für das neue Dreieck-Funkturm benötigt. In die Schlagzeilen geriet die Avus auch im Herbst 1989, als Berlins Verkehrssenator Horst Wagner dort Tempo 100 einführte, weil sich auf der Strecke immer mehr Unfälle ereignet hatten. Das letzte Rennen auf der Avus, die Strecke wurde meist ja längst als öffentliche Straße genutzt, fand im Mai 1998 statt. Es war ein DTC Tourenwagenrennen. Seitdem ist die Avus ein Teilstück der Autobahn A115 und gilt als meistbefahrene Autobahn Deutschlands. Die alte Haupttribüne, die dort direkt neben der Fahrbahn steht, ist inzwischen in Privatbesitz und saniert. Von ihr aus sieht man die schnurgerade Schneise durch den Grunewald. Diese reizte viele Profifahrer indes kaum. Der britische Rennfahrer Stirling Moss nannte sie einst »die schlechteste Rennstrecke der Welt«.