Eigentlich sind die Rollen im großen Schauspiel der Automodelle ja klar verteilt – die Bezeichnung spricht da eine deutliche Sprache: Sports Utility Vehicle, kurz: SUV, das sind die rustikal angehauchten Gefährte für das raue Leben bis an den Rand des fahrbaren Geläufs. Und Limousinen, das sagt schon der französische Klang, die sollen uns beim automobilen Lustwandeln verwöhnen.nBei Genesis sind die Rollen fast schon verkehrt. Das belegt eine Ausfahrt mit dem neuen SUV namens GV70 und seiner Plattform-Schwester, der Limousine G70. Den kuscheligen Urlaubs-Freund für die ganze Familie gibt dabei das 1,63 Meter hohe SUV (ab 45.920 Euro), die Limousine lädt ab 39.100 Euro zu Action und Sport.nDie erste Runde startet in das hügelige Münchener Umland mit dem GV70. Genesis hat einen stattlichen Hingucker auf die Räder gestellt. Auf 4,72 Meter Länge gibt es reichlich Raum auf allen Plätzen und fürs Gepäck. Alles wie für die edle Tochtermarke des Hyundai-Konzerns üblich mit schicken Materialien und einer Verarbeitung ausgestattet, die sich vor keinem Premium-Konkurrenten verstecken muss. Clevere Technik-Details wie das Einblenden der Rückfahrkamera in die Instrumente vor dem Fahrer beim Blinken, das automatische Öffnen der Heckklappe bei Annäherung, dreidimensional hervorstechende Anzeigen oder fernbedientes Einparken in enge Lücken per Knopfdruck: Sie machen das Leben mit dem Genesis komfortabler.nDas gilt auch für das Fahren mit dem wuchtigen GV70. Kameras in der Front scannen die Fahrbahn und passen die Dämpfer automatisch an den Untergrund an. Zusammen mit den ergonomisch perfekten Sitzen mit optional automatisch anpassender Wangenverstellung fährt sich das SUV sanft und dennoch mit gutem Kontakt zur Fahrbahn. Wenn's schneller gehen soll, hat der 2,5-Liter-Benziner mit 224 kW / 304 PS und 422 Newtonmeter Drehmoment nie Mühe, den Genesis auf Touren zu bringen. Tempo 100 ist in knapp sechs Sekunden erreicht, maximal sind 240 km/h drin. Der alternative 2,2-Liter-Diesel steht diesen Leistungen kaum nach. Allerdings erreicht der Verbrauch beim Benziner in Eile deutlich zweistellige Werte, beim Diesel bleibt es unter den zehn Litern. Angemessen entspannt bewegt sind im Schnitt aber auch rund sieben Liter Diesel oder knapp neun Liter Super machbar. Und entspannt Fahren lohnt sich. Denn das SUV lädt trotz sportlicher Front mit dem geflügelten Genesis-Markengesicht zum Verweilen ein. Empfehlung: Lieber auf die optionalen 21-Zöller (1.440 Euro) verzichten, die den GV70 nervöser abrollen lassen – und das Geld für ein Panorama-Glasdach (1.810 Euro) investieren. Gerade die Passagiere im Heck werden den Komfortzuwachs honorieren. Auf den hinteren Plätzen im Limousinen-Bruder G70 dürfte indes auch der Blick gen Himmel erwachsenen Mitfahrern keinen echten Wohlfühlgewinn bringen. Es geht für höhergewachsene Passagiere dort weit beengter zu. Und nicht selten wohl auch angestrengter, weil der Mensch am Steuer in seinem tief montierten Sitz eher zum hektischen Vortrieb neigen wird. Der G70 will nämlich zum sportlichen Vorankommen animieren. Tyrone Johnson, Leiter Fahrzeugentwicklung bei Genesis Motor Europe, hat sich vorgenommen, "in puncto Fahrspaß und Fahrdynamik neue Standards zu setzen". BMW-3er-Fahrer müssen jetzt nicht in Depression verfallen – aber der Genesis kann durchaus in der Liga derart sportlicher Limousinen mitspielen. Sturm und Drang Der G70 tritt als Turbobenziner dank 353 Newtonmetern Drehmoment und bis zu 245 PS knallig an. In 6,1 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, bis zu Tempo 240 geht es vehement voran. Der 2,2-Liter-Diesel steht dem Sturm und Drang kaum nach. Aber Sportlichkeit verlangt ja noch mehr als rasant geradeaus: Der G70 liegt auch bei schnellen Kurvenfahrten satt auf der Straße, die elektronische Lenkunterstützung gibt passgenaue Rückmeldungen – und lässt sich bei der sportlichsten der drei Ausstattungslinien im Sport+-Modus noch direkter abstimmen. Dann ist allerdings auch das Fahrwerk noch fester an die Straße geklebt. Gefühlt schlägt jedes Kieselchen Richtung Bandscheibe, der G70 saust aber auch wie am Band gezogen dahin, wo der Sportsfreund will. Da hält Johnson sein Versprechen. Allerdings möchte der Genesis-Macher bei Bedarf auch die gleiche Portion Komfort bereitstellen – und da hapert es denn doch. Selbst auf ordentlich präparierten Autobahnstrecken und im "Comfort"-Modus stuckert das Fahrwerk mehr als es das wie beim Bruder GV70 gediegene Interieur erwarten lässt. Die lange Urlaubsfahrt dürfte da zumindest für die Mitreisenden kein uneingeschränkt entspanntes Erlebnis werden. Mit persönlichem Ansprechpartner Der Erwerb an sich allerdings schon: Denn die im Konkurrenzvergleich moderaten Preise enthalten fünf Jahre lang die Garantie, alle Kundendienste, Pannenhilfe, einen Werkstatt-Ersatzwagen sowie Over-the-Air-Software-Updates. Ein persönlicher Ansprechpartner kümmert sich zudem darum, dass alle Dienstleistungen nach Hause gebracht werden. Das SUV dürfte unter diesen Voraussetzungen und dank seiner starken Leistungen einen soliden Stand im Segment finden. Für die Limousine wird es schon schwieriger – Ende des Jahres wird indes eine abgeflachte Kombi-Variante (neudeutsch: Shooting Brake) das Angebot verstärken. Und ein Problem haben beide Genesis: In ihrem Segment wird ein Großteil der Autos in gewerbliche Flotten verkauft – und da zählen Argumente jenseits von Ausstattung und Fahrleistung. Der Staat fördert bekanntlich elektrifizierte oder vollelektrische Fahrzeuge üppig und hat zudem die Dienstwagensteuer für E-Autos von einem auf nur noch 0,25 Prozent gedrückt. Da werden es die beiden neuen Genesis als reine Verbrenner schwer haben, die vielen Kostenrechner zu überzeugen.