Bei der Fahrt durch ein dunkles Waldstück blitzt am Straßenrand plötzlich ein Augenpaar auf – jetzt ist Vorsicht geboten. Denn bei einem Wildunfall droht auch Ärger mit der Versicherung. Vor allem, wenn ein Ausweichmanöver Schuld am Schaden ist. In der Dämmerung der frühen Morgen- oder Abendstunden, wenn viele Autofahrer auf dem Arbeitsweg sind, kreuzen wieder vermehrt Rehe, Hirsche und Wildschweine die Straßen. Besonders zur Erntezeit zieht das Wild entlang von unübersichtlichen Feld- oder Waldrändern auf der Suche nach Futter über die Fahrbahn. Laut Huk-Coburg kommt es jedes Jahr zu rund 240.000 Wildunfällen in Deutschland, wobei ein Schaden im Durchschnitt mehr als 2.300 Euro kostet. Der ADAC meldet dutzende Tote, mehr als 3.000 Verletzte und eine halbe Milliarde Euro Sachschaden jährlich. Laut der Statistik kollidiert alle 2,5 Minuten kollidiere in Deutschland ein Fahrzeug mit einem Reh, einem Wildschwein oder einem Hirsch. Die Dunkelziffer ist noch höher. Großer Unterschied zwischen Teil- und Vollkasko "Zusammenstöße mit Tieren sind in der Teilkasko versichert. Während einige Policen für Unfälle mit Tieren aller Art aufkommen, decken andere lediglich Schäden durch Haarwild", erklärt Arnd Schröder, Geschäftsführer vom Vergleichsportal TopTarif. Die Vollkaskoversicherung zahlt für alle Unfälle, auch bei einem Ausweichmanöver. Allerdings rutschen Autofahrer dann automatisch in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse mit höheren Prämien. Haarwild: So ist es laut Gesetz definiert Unter Haarwild versteht der Gesetzgeber neben Rehen, Hirschen und Wildschweinen auch Hasen und Wildkaninchen, Murmeltiere, Marder, Elche, Luchse und Füchse. Sogar Seehunde und Fischotter stehen laut TopTarif auf der Liste – diese werden Autofahrern allerdings eher selten über den Weg laufen. Aus Hirsch wird Elefant: Das Aufprallgewicht unserer Wildtiere bei Tempo 60 ist um ein Vielfaches höher als ihr eigentliches Gewicht. (Quelle: ADAC) Der Verkehrsclub ADAC rät: Besser langsam als zu schnell fahren. Bei Tempo 80 kann das Fahrzeug zum Beispiel noch rechtzeitig zum Stehen gebracht werden, wenn in 60 Meter Entfernung ein Wildtier auf die Straße springt. Bei 100 km/h hingegen haben Sie keine Chance mehr. Ausweichen oder nicht: Schadensminderung entscheidet Ausweichen ist nicht immer die beste Lösung. Außer der Gefahr, dass durch heftige Lenkbewegungen das Fahrzeug ins Schleudern geraten kann, weigert sich auch möglicherweise die Versicherung, den Schaden zu begleichen, besonders bei Teilkaskoverischerungen. Denn nicht immer entspricht ein Ausweichmanöver der sogenannten "Schadensminderungspflicht". Weiterer Nachteil des Ausweichens ist die Beweisführung Wer beispielsweise einen Totalschaden verursacht, weil er einem Hasen ausgewichen ist, wird von seiner Versicherung hören, die Gefahr falsch beurteilt und falsch reagiert zu haben. Bei Kleinwild wird der Versicherer regelmäßig die Schadensregulierung verweigern, da eine Kollision nur geringe Schäden verursacht. Problematisch beim Ausweichen ist außerdem der Nachweis, dass überhaupt ein Tier die Unfallursache war. Denn am Auto sind dann keine Spuren zu finden. Abbremsen, Fernlicht abblenden, hupen, Warnblinker So verhalten Sie sich richtig, um Wildunfälle zu vermeiden: Fahren Sie in Waldgebieten generell langsamerBremsen Sie langsam abBlenden Sie mit Fernlicht abMachen Sie sich mit Hupen bemerkbarAlarmieren Sie nachfolgende Fahrzeuge per WarnblinkerFahren Sie zur Sicherheit, wenn es der Verkehr zulässt, mit Schrittgeschwindigkeit weiter, bis keine Tiere mehr zu sehen sind. Bei unvermeidlicher Kollision: Ruhe bewahren Ein Auf- oder Anprall ist oft die bessere Alternative zum Ausweichen. Ist eine Kollision nicht zu vermeiden, beachten Sie Folgendes: Halten Sie das Lenkrad fest und fahren Sie ohne heftige Lenkbewegungen auf das Tier zuSichern Sie nach einem Unfall die Unfallstelle mit Warnblinklicht und WarndreieckFassen Sie das Tier nicht anBleiben Sie an der Unfallstelle, aber begeben Sie sich aus dem GefahrenbereichRufen Sie die PolizeiFotos vom Schaden am Auto nicht vergessen Nach einem Wildunfall sollten Autofahrer Fotos vom Schaden am Fahrzeug und von der Unfallstelle machen. Das sei als zusätzlicher Nachweis zu empfehlen, rät die Prüforganisation Dekra. Teilkasko-Versicherungen zahlen in der Regel zwar den Schaden – aber nur, wenn es auch Belege für eine Kollision mit einem Wildtier gibt. Grundsätzlich wird der Schaden auf Basis eines Polizeiprotokolls und einer Wildunfallbescheinigung durch den Versicherer reguliert. Außerdem empfiehlt es sich, Namen und Adressen von möglichen Zeugen zu notieren.