Geschlossene Frontpartie, wuchtiger Auftritt – das Elektro-SUV Aiways U5 aus China fährt mit einem selbstbewussten Design vor. Foto: Aiways Der erste Eindruck: Glatt geschliffen im Windkanal – ein niedriger cW-Wert bedeutet mehr Reichweite. Die rundum geschlossene, geschmeidige Form weckt Aufmerksamkeit. Aiways U5 — ein SUV für alle Fälle Foto: Aiways Das sagt der Hersteller: Nio, Byton, Xpeng – zu den Hightech-Start-Ups aus China hat Aiways-Manager Alexander Klose eine geteilte Meinung. Einerseits erhöhen sie die Aufmerksamkeit für neue Automarken aus China, sagt Klose, der das Auslandsgeschäft der Marke verantwortet. Doch höre man bei diesen Firmen mitunter von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, zugleich seien deren Produkte eher teuer, lästert er. Und so will Klose die Marke Aiways nicht in diese Reihe sortieren. Zumal Aiways eher nach Volumen denn technischer Vorherrschaft strebt. Klose, ehemals Chef von Volvo in China, möchte einfach einen soliden Stromer bauen. Im familientauglichen Format und zu bezahlbaren Preisen für Kundinnen und Kunden, die sich einen elektrischen VW ID.4 oder einen Ioniq 5 nicht leisten wollen oder können. Von ähnlich großen E-SUV wie Audi E-tron oder dem Mercedes EQC ganz zu schweigen. Der Kontakt zu den Kunden läuft direkt. »Händler, wie wir sie bislang kennen, gibt es bei uns nicht mehr«, sagt Klose. Das spart Kosten. Die größte Hürde für neue Automarken war lange der Aufbau eines eigenen Händlernetzes. Klose: »Wir können gleich flächendeckend starten.« In dieser Konstellation kann der Hersteller später selbst Updates oder Services verkaufen.Aiways hat einen Vertrag mit der Elektronikmarktkette »Euronics«, die das 4,68 Meter lange SUV verkauft wie Stereoanlagen oder Toaster. Reparaturen übernimmt die Werkstattkette »A.T.U«. Wer eine Probefahrt wünscht, sucht entweder einen Pop-Up-Store von Aiways auf, schaut bei Euronics vorbei oder lässt sich den Wagen nach Hause bringen. Das ist uns aufgefallen: Klar, clean und schnörkellos – was der Aiways von außen verspricht, hält sein Innenraum. Rund ums Lenkrad sieht es leer aus. Schalter und Tasten wurden weitgehend eingespart, die Bedienung auf den großen Touchscreen am Armaturenbrett und das Sensorfeld auf der Mittelkonsole verlagert. Was sich dort nicht auf Anhieb findet, wird über Sprachbefehle gesteuert, bis hin zum Schiebedach. Fürs Navigieren ist ein Mobiltelefon erforderlich. Das ist billiger und verfügt laut den Entwicklern über aktuellere Daten als ein eingebautes Navi.Die digitale Erlebniswelt ist zwar hübsch ins Cockpit integriert, das bei der Materialauswahl mit VW und Co. mithält. Doch die Menüstrukturen verwirren etwas und lassen manches Gimmicks vermissen – einen digitalen Assistenten wie bei Nio oder die Späße und Spielereien eines Tesla. Dafür fährt der U5 richtig gut, das ist untypisch für chinesische Autos. Auch wenn der U5 mit 150 kW und einem maximalen Drehmoment von 310 Nm nicht zu den stärksten im Segment zählt, ist er zügig unterwegs. Der im Bug montierte E-Motor beschleunigt den Wagen in 7,5 Sekunden auf Tempo 100, bei 169 km/h wird eingebremst. Souverän gefedert, folgt der Aiways präzise den Vorgaben des Fahrers. Das Auto fühlt sich europäischer an als mancher Stromer aus Frankreich oder Schweden. Erstaunlich, was die erst 2017 gegründete Firma ohne Know-how aus einem Joint Venture hier auf die Räder gestellt hat.Da überrascht umso mehr, welche Fehler sich die Aiways-Entwickler an anderer Stelle dann doch geleistet haben. So ersetzen zwei Taschenhaken vor dem Beifahrerplatz ein Handschuhfach – geschenkt. Ärgerlicher ist, dass sich lange Europäer am offenen Kofferraumdeckel mitunter eine Kopfnuss holen. Mit längeren Gasdruckdämpfern ließe sich das ändern. Noch brisanter: Nur drei Sterne im Crashtest erinnern ein kleines bisschen an die erste Welle der – damals noch konventionell angetriebenen – chinesischen Marken Brilliance und Co. Sie strauchelten vor 15 Jahren in Europa auch, weil sie bei simulierten Unfällen versagten. Im U5 war der Kopf des Fahrers laut Testbehörde bei einem Aufprall schlecht geschützt, Aiways habe seither aber nachgebessert. Alles halb so schlimm, wiegeln sie nun bei Aiways ab: Wenn im nächsten Jahr die coupéartigere Version U6 kommt, sind fünf NCAO-p-Sterne fest eingeplant. Auch der Kofferraum öffnet weiter, zudem ist auf ersten Fotos ein Handschuhfach zu sehen. Da muss man wissen: Aiways hat für seine Modelle U5 und den U6 bei Shanghai eine Fabrik aus dem Boden gestampft, in der bis zu 300.000 Autos im Jahr gebaut werden können. Von dort kommen die Autos per Bahn auf den deutschen Markt.Der Kofferraum fasst 432 Liter, im Gepäckfach unter der Vorderhaube findet das Ladekabel Platz. Die Preise beginnen bei 35.993 Euro für einen ziemlich geräumigen Fünfsitzer mit vollwertiger Assistenzausstattung. Die Batterie fasst 63 kWh und kommt auf eine Normreichweite von 410 Kilometern. Geladen wird an der Gleichstromsäule mit bis zu 90 kW. Zum Vergleich: Ein VW ID.4 (Reichweite 350 km) kostet 36.350 Euro, ein Ioniq 5 (384 Kilometer) startet bei 41.900 Euro und das Tesla Model Y (507 km) kostet ab 56.990 Euro. Es gibt zwei Ausstattungsvarianten, aber außer der Farbe keine weiteren Optionen – das hält die Zahl der Varianten klein und erleichtert die Logistik.Das werden wir nicht vergessen: Die nervig-belehrenden Kommentare des autoritären Bordcomputers. Der kontrolliert den Fahrer mit einer Kamera mahnt ihn bald zu Aufmerksamkeit und Ordnung. Auf einige ihrer Assistenzsysteme sind die Ingenieure offenbar so stolz, dass sie diese hypersensibel programmiert haben.