Drohne mit Kamera Foto: Lightpoet / Panthermedia / imago images Sie fliegen Blutkonserven ins Krankenhaus oder Impfstoffe in entlegene Landstriche, messen Schadstoffe in der Luft und helfen bei der Wartung von Windrädern und Schienennetzen – ferngesteuerte Drohnen kommen schon heute in vielen Sektoren zum Einsatz. Je mehr es werden, desto enger wird es in der Luft. In Hamburg ist deshalb am Dienstag ein groß angelegter Testlauf gestartet, um die Drohnendienste alltagstauglich zu machen. Bislang braucht es für viele kommerzielle Flüge oft noch einzelne Genehmigungen, die Auflagen dafür sind hoch – aus Sorge vor einer Gefahr für den Luftverkehr. Immer wieder führt Drohnen-Alarm zum Stillstand an Flughäfen. Im Hafen der Hansestadt entsteht nun Deutschlands erster regulärer Drohnen-Luftraum – genannt U-Space. »In mehreren Flugszenarien wird unter anderem das sichere und koordinierte Zusammenspiel von bemanntem und unbemanntem Flugverkehr simuliert«, heißt es. Koordiniert wird das Projekt von Droniq, einer Tochter der staatlichen Deutschen Flugsicherung (DFS) und der Deutschen Telekom. Drohnen dürfen Hubschraubern und Flugzeugen nicht in die Quere kommen Foto: Nico De Pasquale / Getty Images »Um das wirtschaftliche Potenzial von Drohnen vollumfänglich zu nutzen, müssen sie einfach und sicher in den bestehenden Flugverkehr integriert werden«, sagte Droniq-Chef Jan-Eric Putze. »Die Testflüge markieren den nächsten Schritt, das zu erreichen.« In dem räumlich abgegrenzten Luftraum im Hamburger Hafen sollen dank eigener Verkehrsregeln und Verfahren die Drohnenflüge sicher und ohne langen Genehmigungsaufwand möglich sein, und zwar auch außerhalb der Sichtweite des Drohnenpiloten. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten bislang ein. Das Verkehrsministerium fördert das sogenannte Reallabor mit einer knappen halben Million Euro.Vier Modellregionen für DrohnenflügeBei den Testflügen testen die Drohnenpiloten etwa das Ausweichen in der Luft, wenn plötzlich ein Hubschrauber auftaucht. »Weitere Szenarien erproben mehrere parallele Drohnenflüge inklusive An- und Abmeldeverfahren«, teilte Droniq mit. »Den Drohnenpiloten wird für ihren Flug ein vollständiges Luftlagebild übermittelt. So können sie Luftverkehrsteilnehmer erkennen und handeln.« Für die Bundesregierung haben kommerzielle Drohnendienste hohes Potenzial. Sie will Deutschland zum »Leitmarkt für automatisiertes und vernetztes Fliegen« entwickeln. Dazu hat das Kabinett im vergangenen Jahr einen Aktionsplan beschlossen. Dabei geht es weniger um die Lieferung von Amazon-Paketen oder Flugtaxis und mehr um Spezialanwendungen, etwa in Energie- und Landwirtschaft. Dafür muss aber zunächst geklärt werden, wer wann womit wohin fliegen darf. Das soll zukünftig etwa in vier Modellregionen ausprobiert werden, zu denen neben Hamburg auch Aachen, Ingolstadt und der Norden von Hessen gehören. In Sachsen-Anhalt entsteht zudem ein Testzentrum für Drohnen. Ziel ist es auch, die Akzeptanz in der Bevölkerung für die unbemannten Flugobjekte zu erhöhen. Die ist Umfragen zufolge bislang eher skeptisch.