Nein, "esseesse" ist nicht der energische Appell an den Jüngsten, den Teller beim Abendessen komplett zu leeren. Die Zusatzbezeichnung des Knallbonbons Abarth 695 steht für zwei italienisch buchstabierte "S" und bedeutet "Super Sport". Dass das nicht in Lettern auf dem Heck steht, hat wohl triste historische Gründe abseits der Welt schneller Autos.nNatürlich steht da erstmal ein Abarth 695 am Rande des Testzentrums der Italiener bei Mailand. Aber eben ein ganz besonderer. Pechschwarz, aber mit schneeweiß lackierten 17-Zoll-Felgen, Spiegelgehäusen und einem langgezogenen Aufkleber mit dem Firmennamen. Die Alu-Motorhaube ist nach oben gewölbt, unter dem treuen Glubschaugen-Doppelblick des Genspenders macht der breite Lufteinlass eine dicke Lippe.nSpoiler kann in 13 Stufen justiert werdennDas Auffälligste kommt zum Schluss: Der Spoiler an der Dachkante, der in 13 Stufen justiert werden kann. Beim Maximum von 60 Grad drückt reckt er sich so kraftvoll dem Fahrtwind entgegen, dass er im Vergleich zu anderen Abarth-Modellen wie dem "Competitione" mit 42 Kilo mehr auf die Hinterachse drückt. Gut fürs Rumwieseln durch flotte Kurven und den sportlichen Gesamteindruck. Allerdings muss vor Fahrtbeginn entschieden werden, in welcher Stellung der Spoiler fixiert werden soll. Dazu muss ein Nimbus-Schlüssel aus der Werkzeugtasche geholt werden.nInnen fallen gleich die integralen Sportsitze vom Spezialisten Sabelt auf, die den Abarth schon im Stand "schnell" machen. Durch das Dreispeichen-Lenkrad öffnet sich der Blick auf das bunt leuchtende digitale Zentralinstrument, das mit dem mittigen Monitor für die Navigation und mehr korrespondiert. Der kurze Schaltknüppel ist ebenso in Karbonoptik gehalten wie dessen Kugelgriff. Vor dem klassischen Drehen eines Zündschlüssels ist also zumindest optisch alles angerichtet für die Hatz auf der firmeninternen Rennstrecke an Rande des Örtchens Balocco. Auf den ersten Metern gibt sich der Sound des 132 kW / 180 PS starken 1,4-Liter-Turbos noch schnurrend. Mit jedem Gramm mehr Druck aufs rechte Pedal mogeln sich Bässe aufs Abarth-Notenblatt. Sie mutieren bei Vollgas auf der Geraden zu einem helleren Dröhnen, bleiben aber deutlich unter der Gebrüll-Grenze. All das ist die akustische Begleitmusik für den Sprint auf 100 km/h in 6,7 Sekunden, fürs rabiate Runterbremsen mit kraftvoller Hilfe der rot lackierten Vier-Kolben-Anlage von Brembo und ihren vorderen 30,5-cm-Scheiben. Hinten sind es immerhin 24 cm. Mit 225 km/h ist der esseesse derzeit wohl der schnellste Athlet im Fiat-500-Kleid. Klar, dass er sich auf einer Rennstrecke zu Hause fühlt. Aber wohl kaum einer der künftigen Kunden, von denen es wegen der limitierten Auflage nur 1.390 geben wird, hat wohl einen Rennkurs vor der Haustür. Also muss sich sein Knallbonbon auch im richtigen Leben bewähren. Da der Abarth weder als Familienauto noch als Ausflugsdampfer dienen soll, ist der Verzicht auf hintere Türen ebenso verschmerzbar wie der mühsame Durchstieg auf die hinteren Sitze. Die unvermeidliche Enge des 3,66-Meter-Alebrich macht ihn wie schon das Original mit Fiat-Logo zum perfekten Stadt-Zweisitzer, der in der engsten Parklücke einen Platz findet. Nicht wirklich alltagstauglich ist die betont sportliche Auslegung des Fahrwerks. Aber echte Fans wollen es eben hart und heftig. Ernüchternd ist der Blick aufs Preisschild. Fast 34.000 Euro sind eine selbstbewusste Ansage für ein Autochen, dass zwar mehr Wumms unter der Haube bietet als all die anderen im Liliput-Land. Beim Thema Assistenzsysteme und allem, was mit Elektro zu tun hat, muss er jedoch blankziehen. Aber so ein esseesse hat nun mal eine andere Kundschaft, sagt Abarth und hat sogar vermutlich recht damit.