Grelles Auto in greller Farbe: Der neue Ford Mustang Mach 1 mit 5-Liter-V8-Motor. Foto: Ford Der erste Eindruck: Der Mustang Mach 1 ist ein Auto wie Arnold Schwarzenegger (er möge den Vergleich verzeihen) — etwas in die Jahre gekommen, aber muskulös und noch immer eine Show. Foto: Ford Das Vollblut im Mustang-Stall Das sagt der Hersteller: »Wenn schon, denn schon«, sagt Chefingenieur Matthias Tonn zu den gegenwärtigen Änderungen bei der Mustang-Palette. Zusätzlich zum GT bekommt sie eine besonders potente Version des bewährten V8-Motors. Gestrichen wurde der Vierzylinder. Das begründet Tonn ausgerechnet mit den Emissionen: Um den 2,3-Liter-Motor kompatibel mit den jüngsten Schadstoffnormen zu machen, hätte Ford zu viel Geld in die Entwicklung stecken müssen. »Wer in Europa Mustang fahren will, für den gehört der V8-Motor zur Legende dazu«, sagt Tonn, der Fords US-Importe verantwortet. Fans hat der Mustang viele. In Europa wurden 2020 rund 7000 Mustang-Modelle verkauft, seit der Markteinführung im Jahr 2014 fast 60.000. Weltweit war der Ford Mustang mit rund 80.000 Zulassungen im vergangenen Jahr wieder der meistverkaufte Sportwagen. Mit dem Mach 1 wehren sich die Ingenieure auch gegen den Vorwurf aus Europa, der Mustang sei vor allem auf Show und weniger auf Sport aus. Der Wagen wurzelt in einer US-Rennversion aus den Siebzigerjahren, daraus nutzt er viele Teile. So werde der Achtzylinder vollgasfest und Track-tauglich, erläutert Tonn. Alle Komponenten seien so ausgelegt, dass der Mustang die versprochene Leistung über eine volle Renndistanz liefert. »Mit dem Mach 1 erreicht die Performance dieser Baureihe ein neues Level«, sagt Tonn. »Es ist der leistungsfähigste Mustang, den wir je nach Europa gebracht haben.« Das ist uns aufgefallen: Dieses Kribbeln im rechten Fuß, wenn der V8 im Bug sanft vibriert – ein Gefühl, das der moderne, elektrische Mustang-Vetter Mach-E nicht bieten kann. Auch die Beschleunigung erlebt der Fahrer im Mach 1 intensiver, selbst wenn das batteriegetriebene Pendant schneller vom Fleck kommt. Der klassische Mustang macht dabei einfach das größere Spektakel. 360°-Ansicht Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Ford Mustang Mach 1 mit unserem 360-Grad-Foto Das mag vielen antiquiert und überflüssig erscheinen. Ist es auch – bei Gebrauchsfahrzeugen wie Focus oder Transit. Der Mustang aber wird zum Genuss gekauft. Und ja, vielleicht auch, um zu provozieren. Bei seiner Einführung in den Sechzigerjahren als Muscle-Car stand er für das Aufbegehren der Jungen gegen spießige Eltern. Heute fordert er gleich zwei Lager heraus: Die Sportwagenwelt, weil er viel für vergleichsweise wenig Geld bietet. Und natürlich Klimabewegte, weil es kaum einen unvernünftigeren Motor gibt als einen Fünf-Liter-V8. Mag der Mustang auch altbacken erscheinen – zumindest im Innenraum hat Ford den Klassiker auf den neuesten Stand gebracht. An der Mittelkonsole gibt es charmante Kippschalter. In der Mittelkonsole prangt ein großer Touchscreen, die Instrumente sind digital. Mit den Tasten am Lenkrad lässt sich fast so viel verstellen bei Antrieb, Lenkung und Fahrwerk wie in einem Rennwagen auf der Playstation.Doch das hier ist kein Spiel. Der Mustang macht ernst, wenn sich der Gasfuß gen Bodenblech senkt. Dann feuern aus den Endrohren Fanfaren wie zum Beginn eines Heavy-Metal-Konzerts. Der V8 dreht beim Mach 1 höher als beim Serienmodell, atmet freier und kommt schneller auf Touren. So wirkt der Wagen aggressiver und bissiger. Vor allem beim Überholen oder nach engen Kurven kommt er schneller in die Hufe. Das strammere Fahrwerk leistet dem Fahrspaß weiteren Vorschub, wie auch die breitere Spur, die direktere Lenkung und die modifizierte Aerodynamik. Sie presst das Auto fester auf die Straße. Das Ergebnis ist ein Sportwagen, der für Imponier-Sprints auf der Geraden taugt und sich hungrig durch die Kurven beißt. Auch wenn der Motor auf der Vorderachse lastet und die Hinterreifen unter der Kraft von 529 Nm quietschen und qualmen, lässt sich der Mustang am kurzen Zügel über die Landstraßen führen. Er lenkt präzise in die Kurven ein und beschleunigt mustergültig wieder heraus. In einem Porsche Cayman mag sich das filigraner anfühlen, chirurgischer, verkopfter. Mehr Spaß jedoch macht es im Mach 1. Das muss man wissen: Der Mach 1 ist eine Mischung aus dem zuletzt auch in Deutschland angebotenen Mustang »Bullitt« und dem in den USA weit verbreiteten Sport-Modell GT 350. Als Editionsmodell nur für kurze, aber bislang unbestimmte Zeit im Angebot, kommt er in diesen Tagen zu den Händlern. Anders als der konventionelle Mustang wird er nicht als Cabrio angeboten. Die Preise beginnen bei 60.800 Euro und liegen damit gut 10.000 Euro über dem Grundmodell.Dafür gibt es den V8-Motor mit 460 PS. Das sind gerade mal elf PS mehr als beim Mustang GT, doch wegen der aggressiveren Motorcharakteristik sind die Fahrleistungen spürbar besser. Von 0 auf 100 beschleunigt der Mach 1 in 4,8 Sekunden. Bei Vollgas werden 267 statt 250 km/h erreicht. Über den Verbrauch schweigt man lieber. Schon auf dem Prüfstand liegt er bei üppigen 12,4 Liter. Erhältlich ist der Mach 1 auch mit besonders designten Funktionselementen wie dem Splitter am Bug oder dem Spoiler am Heck. Dazu gibt es die beiden schwarzen Kreise im Kühler, die an die Zusatzscheinwerfer des Originals aus den Siebzigerjahren erinnern sollen. Das werden wir nicht vergessen: Den kugelrunden, elfenbeinweißen Schaltknauf, der aussieht wie eine Billardkugel. An ihm möchte man den Mustang mit eiserner Kraft festhalten, damit er noch möglichst lange erhalten bleibt. Hersteller:FordTyp:Mustang Mach 1Karosserie:CoupéMotor:V8-BenzinerHubraum:5038 ccmLeistung:460 PS/ 338 kWDrehmoment:529 NmGetriebe:Sechsgang-SchaltgetriebeAntrieb:HinterradantriebVon 0 auf 100:4,8 Sek.Höchstgeschwindigkeit:267 km/hVerbrauch:12,4 l/100 kmCO2-Ausstoß:248 g/kmGewicht:1593 kgLänge/ Breite/ Höhe:4797 / 1916 / 1403Kofferraumvolumen:408 LiterPreis:60.800 Euro Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Ford unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.