Der neue VW T7 Multivan: Ein Golf in Übergröße Foto: Uli Sonntag / Volkswagen Kultauto, Imageträger, Van-Ikone – wenn es um den VW-Bus geht, sind solche Begriffe nicht weit. Besonders wenn, wie jetzt, der Hersteller eine neue Modellgeneration vorstellt.Per digitaler Weltpremiere hat VW Nutzfahrzeuge die siebte Generation des Bulli enthüllt. Die neue Baureihe solle »den Aufbruch in eine neue Epoche« einleiten, heißt es. Tatsächlich jedoch handelt es sich eher um einen Zwischenschritt. Denn die wirklich große Neuerung, die Elektrifizierung des Kleinbusses, folgt erst nächstes Jahr: Dann kommt der I.D. Buzz als Serienfahrzeug auf den Markt. Foto: Uli Sonntag / Volkswagen VW T7 Multivan — das fahrende Familienzimmer Doch warum fährt VW Nutzfahrzeuge noch einmal einen komplett neuen Bulli vor, die Baureihe T7? Was man zwischen den Zeilen der offiziellen Mitteilungen dazu lesen kann: Der I.D. Buzz als Pkw und die Variante I.D. Buzz Cargo als Kleintransporter werden aufgrund einer wohl überschaubaren Reichweite vorerst nicht als Langstrecken- oder Reisefahrzeuge infrage kommen. Verwirrende ModellstrukturGleichzeitig sind die gepriesenen »Allround-Talente« des neuen T7 auch nicht unbegrenzt. Es gibt das neue Auto nämlich ausschließlich in der Modellvariante Multivan, also als variables Familienfahrzeug mit bis zu sieben Sitzen. Die Transporter-Variante, der Neunsitzer Caravelle und das Campingmodell California werden nach wie vor auf Basis der robusteren, bisherigen Bulli-Baureihe T 6.1 angeboten. Die wurde inzwischen mehrfach renoviert, entspricht in ihren Grundzügen jedoch der Baureihe T5 aus dem Jahr 2003. Der neue T7 Multivan hingegen basiert auf der Konzern-Allzweckplattform MQB, also dem modularen Querbaukasten. Damit wird der Bulli in gewisser Weise zu einem VW Golf in Übergröße. Auch der Multivan verfügt künftig über Digitalcockpit und Multimediasystem. Zahlreiche Touchflächen lösen Schalter und Drehregler ab, es gibt knapp zwei Dutzend Assistenzsysteme, etwa Tempomat mit automatischer Abstandregelung, Spurführungshilfe, 360-Grad-Rundumsicht und teilautomatisiertes Fahren — wobei der Fahrer jederzeit zum Eingreifen bereit bleiben muss.Einzelsitze für mehr FlexibilitätMehr interessieren dürften die Kundschaft ein paar praktische Neuerungen. Es gibt im Innenraum einen durchgehend ebenen Boden mit einem neuen Schienensystem. Auf dem lassen sich im Fond bis zu fünf Einzelsitze in allen möglichen Konfigurationen fixieren. Eine Sitzbank gibt es nicht mehr. Die Sitze wurden leichter, sie wiegen je nach Variante zwischen 26 und 29 Kilogramm. Das Ein- und Ausbauen oder Be- und Entladen wird auch einfacher. Künftig sind serienmäßig zwei Schiebetüren verbaut. Ebenfalls neu ist ein Multifunktionstisch, der sich genau in unterschiedlicher Form aufstellen und nutzen lässt, wo er gebraucht wird – unter anderem als verschiebbare Mittelkonsole zwischen den beiden Vordersitzen. Dort ist sonst nämlich nichts mehr außer einem freien Durchgang nach hinten. Statt einer Handbremse mit klassischem Hebel gibt es nur noch einen Cockpitschalter für die Feststellbremse. Nicht einmal ein Schaltknüppel ragt aus der Armaturentafel, denn alle Multivan-Modell fahren mit DSG-Getrieben vor. Die werden »by wire«, also elektronisch, per kleinem Taster bedient.Multivan erstmals teilelektrischSo hilft die neue MQB-Basis, den T7 Multivan nicht nur digitaler, sondern auch praktischer zu machen. Und wohl auch effizienter. Es wird zwei Vierzylinder-Benziner mit 136 oder 204 PS Leistung geben, sowie einen Vierzylinder-Turbodiesel mit 150 PS. Und erstmals einen Plug-in-Hybridantrieb aus Turbobenziner und Elektromaschine. Diese Kombination leistet 218 PS und ermöglicht in Verbindung mit einer Lithium-Ionen-Batterie mit 13 kWh Speicherkapazität eine rein elektrische Reichweite von etwa 50 Kilometern. Was Multivan-Interessenten mit Tiefgaragen-Stellplatz interessieren dürfte, ist das leicht veränderte Format der siebten Generation. Das Auto wurde zwar um sieben Zentimeter auf jetzt 4,97 Meter gestreckt, und auch die Breite nahm um knapp vier Zentimeter auf nun 1,94 Meter zu. Allerdings sank die Höhe um knapp fünf Zentimeter auf jetzt 1,90 Meter. Zudem gibt es das Auto mit identischem Radstand in einer Langversion, die 5,17 Meter misst.Im Herbst soll der neue Multivan auf den Markt kommen. Noch hat VW Nutzfahrzeuge keine Preise genannt, ein Einstiegspreis knapp unter 40.000 Euro gilt jedoch als wahrscheinlich.