Mit neuer Strategie will VW schon ab 2022 viel weiteres Geld einnehmen – und die Kunden sollen es bezahlen. Wird das funktionieren? Experte Dudenhöffer deckt einen entscheidenden Schwachpunkt auf. Die Technik steckt im Auto und wurde beim Kauf bereits bezahlt. Aber um sie zu nutzen, wird eine Gebühr fällig. So will VW zusätzliche Millionen verdienen. Schon 2022 soll es damit losgehen. Gebühr für eingebaute Services Beispiel autonomes Fahren: In den Autos, die dafür ausgerüstet sind, will VW die Funktion als Zusatzdienst anbieten. "Beim Autonomen Fahren können wir uns vorstellen, dass wir es stundenweise zuschalten. Wir gehen von einem Preis von rund sieben Euro pro Stunde aus", sagt Vertriebschef Klaus Zellmer. VW ID.4: Für die neue Stromer-Modellpalette sind eine Reihe digitaler Zusatzdienste geplant. (Quelle: Hersteller) Kunden sollen also gleich mehrmals bezahlen: zunächst beim Kauf und dann immer wieder bei jeder Nutzung. Werden sie dieses Spiel mitmachen? Wie machen es die anderen Autohersteller? Und was wird aus der VW-Strategie, wenn zum Beispiel Google all die Services kostenfrei anbietet? Einschätzungen von Branchenkenner Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg. t-online: VW-Kunden sollen künftig erstens für eine Ausstattung und zweitens nochmal für deren Nutzung bezahlen. Ist das fair? Prof. Ferdinand Dudenhöffer: Ja sicher, ich kann ja auch ein Hotelzimmer für eine Nacht buchen und muss nicht gleich den Monat abnehmen. Tesla macht das schon längere Zeit. Ich bezahle für die Leistung, die mir das System bietet und nicht für irgendeine Vorinstallation. Ist die Leistung für mich okay, dann kaufe ich – so wie beim Streaming von Netflix oder anderen Dingen. VW ist nicht Tesla. Auch die Kunden ticken anders. Wird die Wolfsburger Rechnung aufgehen? Prof. Ferdinand Dudenhöffer: Ich denke, es ist ein interessanter Versuchsballon. Der Kunde kann die Zusatzleistungen ausprobieren und damit vertraut werden. Man kauft nicht die Katze im Sack für einen hohen Betrag, sondern ein Produkt, das man kennt und schätzt. Wie hoch der zeitweise Verkauf sein wird, hängt natürlich von dem Nutzen der Softwarefunktion und dem Preis ab. Bei Navikarten für Europa hatte man das auch vor zig Jahren versucht, also die Karte für Frankreich einen Monat dazukaufen, wenn man in Frankreich etwa mit dem Auto Urlaub macht. Dafür würde heute kein Mensch mehr einen Cent ausgeben. Google bietet längst mit Google-Maps solche Services kostenlos und in sehr hoher Qualität an. Es wird also kein Selbstläufer sein. Und es kommt natürlich auf den Wettbewerb an. Das Android-System von Google wird sicher ein spannender Wettbewerber. Und wenn die Funktion etwa in einem Renault oder Volvo deutlich preisgünstiger oder gar kostenfrei ist, wird man bei VW unter Preisdruck kommen. VW will damit einen "dreistelligen Millionenbetrag" kassieren. Bei BMW denkt man sogar an bis zu fünf Milliarden Euro pro Jahr. Reichlich viel. Es wird keine automatische Gelddruckmaschine. Die Entwicklungskosten im VW-Konzern und damit für zehn Millionen Pkw pro Jahr sind hoch. Wenn Google diese Dinge bei Android kostenlos abgibt – sprich: an die einzelnen Autobauer, die Android nutzen – dann hat VW ein Problem.