Daimlers Zweisitzer wird zum SUV Smart ist nicht mehr clever Mercedes macht den Smart zum über vier Meter langen SUV – eine sehr schlechte Entscheidung. Denn der Zweisitzer war seiner Zeit stets eine Wagenlänge voraus. Nun hat die Marke ihren Namen nicht mehr verdient. 18.05.2021, 18.16 Uhr Zwei Türen, zwei Sitze: Ein Stadtauto, wie es sein soll Foto: Hannelore Foerster/ Getty Images Der Smart, das ist dieser 2,70 Meter lange Zweisitzer, der irgendwie in jede Parklücke passt. Wie praktisch.Doch nun mutiert der Winzling zum Stadtgeländewagen. »Als SUV wird er endlich erwachsen«, sagt Mercedes-Designchef Gorden Wagener. In der Daimler-Logik bedeutet das offenbar, größer zu werden. Der Smart wird ein Fünfsitzer, mehr als vier Meter lang, ein Nachfolger für den Zweisitzer ist nicht geplant. »Süß war gestern, jetzt wird der Smart sexy«, findet Wagener. Doch leider verfehlt der Smart damit das Thema. Denn auch wenn es für Designabteilungen der Autohersteller schwer vorstellbar sein mag, aber jenseits von Sammlerstücken und Supersportwagen ist ein Auto – egal ob 2,7 Meter langer Zweisitzer oder ein über vier Meter langes SUV – so sexy wie ein Nudelsieb. Es ist ein massenhaft hergestellter, austauschbarer Gebrauchsgegenstand, der, genau wie der Pastaseiher, bestenfalls durch die damit verbundenen Erinnerungen emotionalen Wert gewinnt. Das Ding muss funktionieren und in eine Schublade respektive Parklücke passen, fertig. Aus clever wird 08/15Dafür stand der Smart – sogar mit seinem Namen. Dem Duden zufolge bedeutet smart clever, gewitzt. Dieses Versprechen hielt er als Zweisitzer stets ein. Er verkörperte das Prinzip Auto erfrischend neu, war ein Fahrzeug für die Städte und kehrte damit eine Denkweise um: Nicht die Stadt muss zum Auto passen, sondern das Auto zur Stadt. Der Smart war eine gute Ausnahme in einer Industrie, die schon genug Unnötiges verkauft. In Zeiten, da das Auto mit dem Fahrrad um jeden Meter Straßenraum konkurriert und um Verkehrsraum hart gerungen wird, war der Smart ein Signal, dass es anders, effizienter, geht. Dass nicht immer weniger Autos auf zwanzig Meter Parkstreifen passen, sondern mehr.Und dass es ein Auto gibt, das die Realität abbildet: Tatsächlich sitzen in jedem Pkw im Schnitt nur 1,5 Personen – und die sind in einem 2,70 Meter langen Fahrzeug viel sinnvoller untergebracht als in einem SUV mit über vier Meter Länge. Von denen gibt es schon genug, sie bilden das größte Marktsegment. Praktisch jede Marke hat eines im Angebot. Meint Daimler es beim neuen Smart ehrlich, sollte das Unternehmen die Marke in 08/15 umbenennen. Ein SUV wird auch mit E-Antrieb nicht zum StadtautoAuch der Elektroantrieb ändert daran nichts. Ein über vier Meter langes SUV bleibt auch mit Batterieantrieb ein über vier Meter langer Blechkoloss. Es verschwendet bei durchschnittlich 1,5 Insassen genauso viel Platz wie ein identischer Verbrenner. Zwar leistet es einen Beitrag zur Antriebswende. Was wir dringender brauchen, ist aber eine Verkehrswende. Für die Zukunft bedarf es besserer Alternativen zum Auto – und Pkw, die zum Nutzungsverhalten passen.Der Smart war (und ist noch eine Weile) der fahrbare Beweis, dass man ein Auto kaufen konnte, das zum Alltag vieler Menschen passt – anstatt ein Auto zu kaufen, das zu jeder erdenklichen, aber noch so seltenen Situation passt. Er erinnerte daran, dass man auch beim Autokauf Ausnahmen als das behandeln sollte, was sie sind: Ausnahmen, für die es Taxis oder Mietautos gibt. Stichwort Transport der Schwiegereltern oder die seltene Fahrt ins Möbelhaus. Wer kauft schon eine Zapfanlage, um einmal pro Jahr zum Bierfest mit zwölf Freunden zu laden? Natürlich darf man das Hauptproblem des zweisitzigen Smart nicht verschweigen: Er war ein kommerzieller Flop. Das lag jedoch nur bedingt am Format – der Wagen war schlicht zu teuer. Zum Preis des Smart gibt es bei anderen Herstellern einen Kleinwagen mit vier Sitzen.Dieses Problem hätte Daimler beim neuen Smart aber angehen können. Das neue Modell entsteht in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Geely-Konzern, der es auch baut. Mit einem niedrigeren Preis und 9000 Euro Elektroprämie hätte der Smart auch ökonomisch werden können, was er beim Format war: die cleverste Variante.