E-Busse in Berlin: »Wir sind nicht mehr in der Testphase« Foto: Sabine Gudath / imago images 2020 war in Deutschland das Jahr der Elektromobilität. Bei Pkw stieg die Zahl der E-Autos rasant, fast jeder siebte Neuwagen war im vergangenen Jahr ein Elektroauto. Im Bereich der Nutzfahrzeuge tun sich E-Antriebe schwerer, doch es gibt eine Ausnahme: Der Bestand der E-Busse im öffentlichen Nahverkehr hat sich 2020 verdoppelt, wie eine Untersuchung der Beratungsfirma PwC ergeben hat. Der Analyse zufolge legte die Zahl der Fahrzeuge mit Batterie-, Hybrid-, Oberleitungs- oder Brennstoffzellentechnik um 357 auf 676 zu. Die meisten waren in Nordrhein-Westfalen im Einsatz (177), gefolgt von Berlin (137), Baden-Württemberg (76), Niedersachsen (62) und Hessen (61). Berlin lag in der Rangliste der Städte vorne, gefolgt von Hamburg (55) und Köln (45). Wasserstoffantriebe spielen eine Nebenrolle. So hat der Großteil der E-Busse nach Angaben der Berater einen reinen Batterieantrieb (502). In nur 64 Bussen wird der E-Motor per Brennstoffzelle betrieben. Dabei werden dieser Technik vor allem bei Nutzfahrzeugen Chancen eingeräumt, sie verspricht eine ordentliche Reichweite. Bei Pkw ist Wasserstoff zunehmend umstritten, weil bei seiner Herstellung viel Energie verloren geht und Hersteller immer bessere und günstigere Batterieautos anbieten. Die Batteriebusse scheinen sich derweil zu bewähren. »E-Busse funktionieren, wir sind nicht mehr in der Testphase«, sagte ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Rund ein Zehntel der dortigen Flotte fährt bereits Batterie-elektrisch. Ein Teil der Busse lädt ausschließlich im Depot, Gelenkbusse nehmen an den Endhaltestellen zusätzlich über einen Pantografen Strom auf. Ein Elektro-Gelenkbus der BVG lädt an der Haltestelle Hertzallee per Pantograf Foto: Christian Retzlaff / BVG Als großen Vorteil sieht die BVG den geringeren Lärm. Ein fahrender E-Bus sei ungefähr so laut wie ein normaler Pkw, erklärte der Sprecher. »Durch die fehlenden Vibrationen und das stufenlose Fahren sind die Busse außerdem bei Fahrern und Fahrgästen sehr beliebt.« Nicht alle Busse waren allerdings dem Kälteeinbruch Anfang Februar mit Temperaturen von minus 15 Grad Celsius gewachsen. »Berliner Busse haben ein Kälteproblem«, urteilte die »Welt«.Kälte stellt Betreiber vor ProblemeDie BVG habe »leichte Probleme« mit E-Bussen ohne Dieselheizung gehabt, räumt das Unternehmen ein. Deren Reichweite sei geringer gewesen, man spreche nun mit den Herstellern, um das Problem zu beheben. Es sei aber kein Bus liegen geblieben, die Fahrzeuge hätten lediglich früher ins Depot zurückgemusst. Insgesamt fielen laut BVG am 8. Februar und am 9. Februar je knapp zwei Prozent der E-Bus-Fahrleistung aus. Das habe jedoch mehrere Ursachen gehabt. Außer der Kälte hätten Schnee und Traktorendemonstrationen den Betrieb behindert, so der BVG-Sprecher. Dadurch seien die Busse sehr langsam unterwegs gewesen. Sie bremsten weniger als üblich und gewannen weniger Energie zurück. Modelle, die an Endhaltestellen geladen werden, kamen mit der Kälte offenbar besser klar. »Wir haben dieses Problem also nur bei einem Teil der elektrischen Flotte und werden gegensteuern«, erklärte der BVG-Sprecher.Trotz solcher Schwierigkeiten werde sich der Anteil der Fahrzeuge mit Ökoantrieben weiter rasch erhöhen, erwartet PwC. Derzeit stellten sie gut 1,4 Prozent der ÖPNV-Flotte. In Berlin sollen aber schon 2030 alle Busse lokal emissionsfrei fahren.Bushersteller betrachteten das Segment als vielversprechenden Markt. In diesem Jahr kämen wohl fast 1000 Batteriebusse neu dazu, so PwC. Die Nahverkehrsunternehmen wollten nach jetziger Planung bis 2025 bundesweit mehr als 3000 weitere E-Busse einsetzen, hieß es. So wollen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein die Zahl ihrer E-Busse im Jahr 2021 verdreifachen, sie haben Anfang Februar 32 weitere Exemplare bestellt. Auch die Nürnberger VAG orderte kürzlich 39 E-Busse, die noch in diesem Jahr ausgeliefert werden sollen.nIcon: Der Spiegel