Im AUTOHAUS-Interview erklärt Cluno-Mitgründer Nico Polleti, wie der Auto-Abo-Pionier und der neue Eigentümer Cazoo ihre Leistungen und Kompetenzen unter einem Dach bündeln wollen. Das gemeinsame Ziel: Europa im Sturm erobern. Von AUTOHAUS-Herausgeber Prof. Hannes BrachatnAUTOHAUS: Herr Polleti, Ihr letztes Unternehmen Easyautosale wurde 2015 von Autoscout24 erworben. Mit der Gründung von Cluno 2017 gelten Sie im Verbund mit ihrer Frau Christina und Andreas Schuierer als die Pioniere von Auto-Abos in Deutschland. Jetzt erfolgt eine abermalige Veräußerung. Welche strategischen Überlegungen stecken dahinter?nNico Polleti: Cluno und Cazoo haben eine gemeinsame Vision: Wir machen den Autobesitz und -kauf zu einem digitalen, vollständig sorgenfreien Erlebnis. Der Weg zum eigenen Auto soll genauso unkompliziert sein wie eine Buchbestellung über Amazon. Mit dem Zusammenschluss kommen Clunos Auto-Abo-Expertise und unser jahrelang gewachsenes Partnernetzwerk in der deutschen Automobilbranche mit der Plattform und den beträchtlichen Finanzmitteln von Cazoo zusammen. Das ermöglicht es uns, die digitale Transformation des Produkterlebnisses "Auto" maßgeblich zu beschleunigen und in kurzer Zeit weitere europäische Kernmärkte zu erschließen.nAH: Sie geben quasi Cluno auf, auf der anderen Seite kommt die künftige Europa-Zentrale von Cazoo zu Ihnen an den Standort München. Wird die Marke Cluno vom Markt genommen und heißt die neue Brand Cazoo?nN. Polleti: Wir verstehen den Zusammenschluss mit Cazoo nicht als Aufgabe unserer Marke, sondern als großartige Erweiterung unseres Angebots. Unsere Teams haben hervorragende Arbeit darin geleistet, eine Marke aufzubauen, der Tausende Kunden vertrauen und treu sind. Cazoo seinerseits hat eine wahnsinnig starke Marke mit hoher Bekanntheit im britischen Markt aufgebaut und es ist wichtig, Clunos und Cazoos Leistungen und Kompetenzen unter einem Dach zu bündeln. Deswegen wird nach Abschluss der Integration aus Cluno Cazoo geworden sein. Unter diesem Markennamen werden wir zunächst deutschen und sehr bald Kunden in ganz Europa Tausende Fahrzeuge auf unserer Plattform zum Kauf, zur Finanzierung und zum Abo anbieten.nAH: Welche personellen Konsequenzen sind auch damit für Sie selbst verbunden?nN. Polleti: Christina Polleti, Andreas Schuierer und ich verbleiben weiterhin im Unternehmen und wir freuen uns besonders, dass unsere CFO & Prokuristin Dr. Veronika von Heise-Rotenburg sowie Paul Whitehead, Group Chief Operating Officer Cazoo, und Ned Staple, Group General Counsel Cazoo künftig auch Teil der Geschäftsführung sind. Es wird keine Entlassungen geben. Ganz im Gegenteil bauen wir sämtliche Departments stark aus, denn es kommt viel Arbeit auf uns zu. Wir sind mit Hochdruck auf der Suche nach weiteren ehrgeizigen Talenten für alle Unternehmensbereiche, die bereit und im Stande sind, unser hohes Tempo mitzugehen.nAH: Welche Europa-Strategie wird nun gefahren? 27 Länder auf einen Streich?nN. Polleti: Der erste Schritt ist die Lancierung von Cazoos komplettem Angebot in Deutschland. Danach nehmen wir weitere europäische Kernmärkte ins Visier. Cazoo hat in UK einen fulminanten Start hingelegt. Die Blaupause für weitere Markterschließungen haben wir also in der Tasche. Feststeht schon heute: Die Expansion in Europa wird mit hoher Geschwindigkeit vonstattengehen. Unser Münchner Office fungiert dabei als Headquarter der europäischen Expansion. Cluno ging bereits 2017 mit einem Subscription-Angebot an den Start.© Foto: Cluno AH: Europäische Dimensionen erfordern europäische Mengen. Cazoo setzt auf hochwertige Gebrauchtwagen. Wo kommen diese her? Und sind bei Cluno bislang nicht auch Neuwagen in der Abo-Offerte?nN. Polleti: Das ist einer der Gründe, warum Cazoo bei der Expansion auf etablierte Partner setzt. Sämtliche unserer Mitarbeiter sind Experten nicht nur in ihrem Fachgebiet, sondern in vielen Fällen für den deutschen Markt. Wir verfügen über langjährige Geschäftsbeziehungen in der deutschen Automobilbranche und werden die Zusammenarbeit mit unseren Partnern stark ausbauen sowie neue Partnerschaften eingehen. Unsere Abo-Flotte umfasst Neuwagen und junge Gebrauchtfahrzeuge, die für mindestens sechs, zwölf oder 18 Monaten beim Kunden sind. Nach dieser Zeit können diese sehr gut gewarteten Fahrzeuge dann als erstklassige Gebrauchtwagen über Cazoo weiter vermarktet werden. nAH: Welche Rolle spielen die Autohändler im strategischen Konzept von Cluno/Cazoo?nN. Polleti: Wir bauen unser Geschäft stark aus und damit auch das Geschäft mit unseren Partnern. Weiterhin werden wir Neu- und Gebrauchtwagen über den Handel beziehen sowie deren Werkstatt-, Service- und Reparaturleistungen in Anspruch nehmen.nAH: Inzwischen gibt es auf dem deutschen Markt über 30 Auto-Abo-Anbieter, auch immer mehr Automobilhersteller. Sie gelten mit Cluno nach wie vor als Marktführer. Wie gestaltete sich für Cluno der deutsche (Corona-)Markt 2020? Mit welchen Mengen? Mit welcher durchschnittlichen Mietdauer?nN. Polleti: Corona hat dieses Wachstum eher beschleunigt als gebremst. Viele Menschen sind spontan auf das persönliche Auto umgestiegen, um öffentliche Verkehrsmittel zu meiden, wollten dabei aber flexibel bleiben und planbare Kosten haben. Zusätzlich haben wir mit Kampagnen und Sonderaktionen große Mehrwerte für Kunden geschaffen. Unser kostenloser Ratenausfallschutz, der bei Arbeitslosigkeit greift, und die Möglichkeit, das eigene Auto unbürokratisch und schnell mit anderen zu teilen, die auf Mobilität angewiesen sind, kamen gut an. Zu Beginn des ersten Lockdowns wurde das Konzept Auto-Abo umfangreich in den Medien besprochen. Auch von dem Bekanntheitsschub, den das Auto-Abo dadurch erfahren hat, konnten wir stark profitieren. Über die durchschnittliche Haltedauer, insbesondere bezogen auf das Jahr 2020, lässt sich noch keine valide Aussage treffen, da die Mindestlaufzeit sechs Monate beträgt. Es zeichnet sich aber ab, dass eine Vielzahl derer, die im Zuge von Corona ein Abo bei uns abgeschlossen haben, Cluno auch weiterhin treu bleiben.nAH: Sie haben 2020 auch in Sachen Marketing eine Top-Aktion pro E-Auto gefahren? Welche Erfahrungen machen sie mit der gegebenen Nachfrage? Und wie stellt sich für Sie die Restwert-Thematik beim E-Auto dar?nN. Polleti: Die Nachfrage nach E-Autos und generell alternativen Antrieben ist groß. Der Anteil an unserer Fahrzeugflotte liegt bei über 20 Prozent und steigt stetig. Wir haben den Eindruck, dass die Menschen mit dem Auto-Abo eine Technologie testen, in die sie zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der schnellen technischen Weiterentwicklung und einiger anderer Unsicherheitsfaktoren noch nicht investieren wollen. Viele möchten sehen, ob die Kilometerlaufleistung für den eigenen Alltag ausreicht, wie man die Batterie lädt und nicht zuletzt, wie sich der Restwert darstellt. Wir gehen davon aus, dass E-Autos weiterhin sehr gefragt sein werden, so dass sich Restwerte stabilisieren und vorhersehbarer werden.nAH: Herzlichen Dank für das Gespräch!