Manche Straßenränder in deutschen Städten sehen im Winter aus wie einige Bergpässe während des Radrennens Tour de France: Es parkt Wohnmobil an Wohnmobil. Nur dass hier keine Fans kampieren, um später beim Rennen ihren Idolen zuzujubeln. Sondern die Camper in den Städten stehen leer. Sie sind abgestellt — in Erwartung der nächsten Reisesaison.nCampingfahrzeuge im Winterschlaf können Wehmut oder Sehnsucht auslösen, weil sie an ferne Urlaubstage erinnern. Oder Ärger. Weil sie den in vielen Städten herrschenden Parkplatzmangel noch verschlimmern. Laut einer aktuellen Studie des ADAC macht allein die Parkplatzsuche zwischen 30 und 40 Prozent des städtischen Autoverkehrs aus. Und zwar zunehmend auch in Wohngebieten, weil Verdichtung, Zweit- oder Drittwagen, immer größere Fahrzeuge und eben Campingmobile den Parkdruck erhöhen.Die in Deutschland zugelassenen Reisemobile und Wohnwagen sind im Durchschnitt rund sieben Meter lang. Rechnet man einen Meter Rangierraum dazu, benötigen zehn solcher Fahrzeuge einen Parkstreifen am Fahrbahnrand von 80 Meter Länge. Auf der gleichen Fläche könnten auch 16 VW Polo (4,05 Meter Länge) geparkt werden, inklusive je einem Meter Abstand zwischen den Fahrzeugen. Das Ärgernis, das überwinternde Freizeitmobile mancherorts bedeuten, wird nicht so schnell verschwinden. Die Caravanbranche jubelte unlängst über ein neues Rekordjahr: 73.000 Reisemobile wurden 2020 neu zugelassen, hinzu kamen rund 28.000 Wohnwagen. Es war das siebte Rekordjahr in Folge. Diese Flut an Freizeitfahrzeugen lässt allmählich den Platz knapp werden – im Sommer auf Stell- und Campingplätzen, im Winter auf Parkflächen aller Art.Die Masse ist ausschlaggebend, nicht die LängeDas erhöht den Parkdruck, doch irgendwo müssen die Spezialmobile für die »schönsten Wochen des Jahres« ja stehen. Die meisten der Campingfahrzeuge parken übrigens legal am Straßenrand, die Straßenverkehrsordnung (StVO) erlaubt es. Entscheidend dafür ist das zulässige Gesamtgewicht der Fahrzeuge, das nicht über 7,5 Tonnen liegen darf – und in den allermeisten Fällen trifft dies zu. Nur sehr großen, Lkw-artigen Fahrzeugen ist das Parken in Wohngebieten verboten. In Paragraf 12 der StVO heißt es dazu: »Mit Kraftfahrzeugen mit einer zulässigen Gesamtmasse über 7,5 t sowie mit Kraftfahrzeuganhängern über 2 t [...] ist in […] Wohngebieten […] das regelmäßige Parken in der Zeit von 22.00 bis 06.00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen unzulässig.«Eine Sonderregelung gilt für Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen – die während der Ungültigkeit des Kennzeichens nirgendwo im öffentlichen Raum parken dürfen. Und es gibt noch eine Zusatzbestimmung: Wohnwagen unter zwei Tonnen Gesamtgewicht dürfen zwar in Wohngebieten stehen, laut StVO ($12, Absatz 3b) jedoch nicht länger als zwei Wochen. Spätestens dann muss der Wohnwagen bewegt werden, wobei eine Fahrt um den Block genügt, um ihn wieder am gleichen Parkplatz abstellen zu dürfen – sofern er noch frei ist. Die Regelung stammt aus den Siebzigerjahren, als Wohnwagen noch die überwiegende Mehrheit der Reisefahrzeuge mit Übernachtungsmöglichkeit stellten. 1973 wurden 45.000 Caravans und 2000 Wohnmobile zugelassen. Inzwischen haben Wohnmobile die Caravans überflügelt – in der StVO macht sich das aber nicht bemerkbar.Hoch und breit bringt UnsicherheitRechtlich also ist alles klar in Sachen Wohnmobil- und Wohnwagenparken. Doch was erlaubt ist, kann dennoch ein Problem werden. Denn: Parkende Wohnmobile benötigen nicht nur viel Platz, sie können auch die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. »Die Wohnmobile stellen eine Sichtbehinderung dar«, sagt Bastian Kettner, Sprecher für Bahn, ÖPNV und Multimodalität beim VCD. Verkehrsschilder können verdeckt und vor allem kleine Kinder leichter übersehen werden. »Droht eine solche Gefahrenlage, können Kommunen Verbote für bestimmte Fahrzeuge anordnen.« Jedoch sei es schwierig, eine Gefahrenlage konkret nachzuweisen.Natürlich betrifft das Thema nicht alle Wohnmobilbesitzer. Ein Teil derer, die sich für den Kauf eines neuen 80.000-Euro-Mobils entscheiden, verfügt über einen Stellplatz auf privatem Gelände.Dennoch scheint es an der Zeit, die Parkbestimmungen anzupassen. Anstatt die Fahrzeuge ausschließlich nach der Gesamtmasse zu sortieren, könnten auch die Maße in die StVO-Regelung mit einbezogen werden. Kettner hält dies ebenso für realistisch wie eine Regelung zum Anwohnerparken, um mancherorts die Lage zu entschärfen.Der Kampf um knappen Parkraum»Es erreichen uns natürlich Nachrichten, in denen Menschen davon berichten, dass in ihren Wohngebieten Wohnmobile abgestellt werden«, sagt Kettner. »Es ist eine Frage der Flächengerechtigkeit. Wohnmobile verschärfen die Lage, da sie mehr Platz wegnehmen als Pkw. Und die Menschen, die ein Wohnmobil besitzen, haben das meist zusätzlich zum Pkw.«Ob parkende Campingfahrzeuge als problematisch wahrgenommen werden, hängt offenkundig von der konkreten Situation vor Ort ab. Bei der Polizei Hamburg heißt es auf Nachfrage, eine relevante Beschwerdelage zu dem Thema sei nicht bekannt. Und der Caravaning Industrie Verband (CIVD) erklärt, die Parkraumproblematik sei ein allgemeines Problem, kein Wohnmobil-spezifisches.Doch es gibt immer wieder Meldungen, nach denen Anwohner auf Wohnmobile am Straßenrand allergisch reagieren. Manche klemmen Zettel hinter die Scheibenwischer mit der Aufforderung »Bitte parken Sie Ihr Fahrzeug auf Ihrem Grundstück oder mieten Sie einen Stellplatz«, manchmal landen Querelen um dauerparkende Campingfahrzeuge sogar vor Gericht.Winterquartiere sind sichererWer seinen Wohnwagen oder sein Wohnmobil möglichst sozial verträglich überwintern lassen will, kann es auf einem Winterstellplatz einquartieren. Dort steht das Mobil niemandem im Weg und ist manchmal sogar überdacht und überwacht. Die Möglichkeiten reichen von privat vermieteten Scheunen über im Winter geschlossene Campingplätze bis hin zu speziellen Winterlagern in Hallen, wo mitunter sogar Service geboten wird: von den Vorbereitungen für den nächsten TÜV-Termin über den Reifenwechsel bis hin zum Hol- und Bringservice.Der Fachzeitschrift »Promobil« zufolge werden für einfache Stellplätze rund 20 Euro pro Monat fällig, für einen Platz in einer überdachten Servicehalle werden zwischen 50 und 100 Euro veranschlagt. »Promobil« hat eine Datenbank eingerichtet, in der nach Winterstellplätzen in der eigenen Region gesucht werden kann.nIcon: Der Spiegel