Der MG ZS ist ein Elektroauto im Kompakt-SUV-Format. Der Stromer wird ab rund 32.000 Euro schon bald in Deutschland angeboten. Foto: Jonathan Fleetwood / MG Der erste Eindruck: Ein kompaktes SUV – der MG ZS folgt dem stilistischen Mainstream. Aus dem Design-Einerlei heraus sticht nur das wenig bekannte Logo. Das ist aber nicht neu, sondern war lediglich ein paar Jahre vom Markt verschwunden. Foto: Jonathan Fleetwood / MG MG ZS — China-SUV mit britischen Wurzeln Das sagt der Hersteller: MG-Deutschlandchef Philipp Hempel weiß um die Skepsis, mit der Europäer Automarken aus China begegnen. Bislang waren es entweder Hersteller, die Ramschware anboten und sich in Crashtests blamierten, oder Start-ups, die erst großspurig auftraten und denen dann das Geld ausging. MG gehöre in keines der Lager, erläutert Hempel. Er beschreibt MG als bodenständige Marke mit erschwinglichen Autos. »Wir bieten extrem viel Auto fürs Geld, wollen aber nicht der billige Jakob sein«, sagt Hempel. Wer dabei gewisse Parallelen zu VW sieht, liegt nicht falsch. Zumal VW mit dem MG-Mutterhaus SAIC in China ein Joint-Venture betreibt. Die britische Traditionsmarke MG wurde 1923 gegründet, gehörte von 1993 bis 2000 zu BMW und seit 2006 zum chinesischen SAIC-Konzern. In diesem Frühjahr soll der MG-Verkauf in Deutschland wieder starten – mit dem Elektromodell ZS. Elektro ist das neue Normal, sagt Hempel.Das ist uns aufgefallen: Mazda, Mitsubishi oder MG? Genau wie das Außendesign passt auch das Innenleben des ZS in den Mainstream. Es gibt teilweise digitale, eher klassisch gestaltete Instrumente, einen gewöhnlichen Touchscreen, Lack und Leder, Sitze mit gutem Halt und fein verzierte Gebläsedüsen, ähnlich wie bei Audi. Die Ausstattung ist ordentlich: Weder irritiert der MG mit einer nach Lösungsmitteln müffelnden Hartplastiklandschaft, noch überrascht er mit Hightechambiente. Sogar ein Abstandsregeltempomat gehört zum Standard. Auch sonst macht der ZS einen soliden Eindruck. Bei 4,32 Metern Länge und 2,57 Metern Radstand bietet er überall genug Platz. Hinter die elektrisch öffnende Kofferraumklappe passen 448 Liter Gepäck. Und wenn es schon keinen Frunk, also einen zweiten Laderaum im Bug gibt, dann doch unter dem Kofferraumboden ein paar Fächer, in denen etwa das Ladekabel verschwindet. Pragmatisch auch der Antrieb: Weder zählt der ZS mit einem 105-kW-Motor an der Vorderachse zu den stärksten Elektroautos, noch hat er mit 44,5 kWh die größte Batterie. Eher gering fällt die Reichweite aus mit 263 WLTP-Kilometern. Bei 140 km/h wird das Auto abgeregelt. 360°-Ansicht Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des MG ZS mit unserem 360-Grad-Foto Im Alltag ist das mehr als ausreichend. Zumal der MG ZS einen flotten Antritt hat, gleichförmig beschleunigt und solide abgestimmt ist. Fahrwerk und Bremsen haben ein europäisches, verbindliches Set-up. Lediglich die Lenkung ist arg leichtgängig und wird vom Servomotor zu stark unterstützt. Immerhin gelingt das Einparken so spielend leicht. Das ist hilfreich, weil die Rückfahrkamera so träge ist, also ob sie jedes Pixel einzeln auf den Bildschirm schickt. Wer mit dem MG ZS auf der Langstrecke fährt, schaut zwar öfter auf die Reichweitenanzeige als bei VW ID.4 oder Tesla Model Y, deren Akkus beinahe doppelt so groß sind. Aber der kleine Stromspeicher drückt die Kosten und lässt sich mit bis zu 85 kW schnell laden. In einer halben Stunde ist die Batterie schon ziemlich voll – eine geeignete Säule vorausgesetzt. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten: Ausgerechnet die Abdeckung der Steckdose hinter dem Logo im Kühlergrill wirkt billig und fragil. Das muss man wissen: MG, gegründet als Morris Garage in Oxford, gibt es schon seit 98 Jahren. Während SAIC nach der Übernahme des Unternehmens in England gleich am Start war, gibt’s MG im Rest Europas erst seit 2020 wieder. Mit beachtlichem Erfolg, immerhin hat MG in Norwegen und den Niederlanden bisher insgesamt mehr als 7000 Autos verkauft.Das möchte MG-Manager Hempel jetzt in Deutschland wiederholen. Der Verkaufsstart ist fürs erste Halbjahr geplant. Neben dem Elektro-SUV ZS, dessen Preise bei knapp unter 32.000 Euro beginnen, soll als zweites Modell der MG EHS lanciert werden. Mit 4,57 Meter Länge ist der Wagen eine halbe Nummer größer als der ZS und fährt in einer Liga mit dem VW Tiguan. Dieses Modell soll rund 34.000 Euro kosten. Dafür gibt es dann allerdings keinen reinen Elektro-, sondern einen Plug-in-Hybridantrieb. Der kombiniert einen 1,5 Liter großen 162-PS-Benziner, eine 90 kW starke E-Maschine und einen 16,6 kWh großen Akku (52 Kilometer elektrische Reichweite). »So wollen wir auch Kunden erreichen, die noch nicht vollends bereit sind für den Umstieg auf die Elektromobilität«, sagt Hempel.Das werden wir nicht vergessen: Die mit den Buchstaben KERS bezeichnte Taste auf dem Mitteltunnel. Über sie stellt der Fahrer die drei Stufen der Rekuperation ein. Das funktioniert tadellos, allerdings ist die Bezeichnung eine feiste Übertreibung. Denn KERS steht für »Kinetic Energy Recovery System«, das Rekuperationssystem aus der Formel 1. Das ist dann doch etwas hoch gegriffen.nIcon: Der Spiegel Hersteller:MGTyp:ZS EVKarosserie:SUVMotor:ElektromaschineGetriebe:Eingang-AutomatikAntrieb:FrontantriebLeistung:105 kW / 143 PSDrehmoment:353 NmVon 0 auf 100 km/h:8,2 Sek.Höchstgeschw.:140 km/hAkku-Kapazität:44,5 kWhVerbrauch:13,8 kWh/100 kmReichweite:263 km (WLTP)Leergewicht:1518 kgKofferraum:448 LiterMaße:4214 / 1809 / 1644Preis:ca. 32.000 Euro