Nach der erneuten Verlängerung des Lockdowns haben viele Autohändler ihr Frühjahrsgeschäft abgeschrieben. Jetzt gilt es so viel zu retten wie irgend möglich. Doch die Kfz-Unternehmer machen klar: Die Wirtschaft braucht eine Öffnungsperspektive. Bald. Von Online-Redakteur Armin Wutzer und AUTOHAUS-next Leiterin Juliane SchleichernSeit Mittwoch ist klar: Die Schauräume in Deutschlands Autohäusern werden noch mindestens drei weitere Wochen geschlossen bleiben. Für den Handel, der bis zuletzt auf ein Einsehen und eine Öffnung unter strengen Hygieneauflagen gehofft hatte, ist das eine bittere Pille. Viele sehen nun das so wichtige Frühjahrsgeschäft in Gefahr.n"Die Befürchtung ist natürlich da, auch weil im März einige Neuerscheinungen geplant sind", bekennt Philip Leuchtenberger, Geschäftsführer der Stadac Gruppe. Viele gehen längst davon aus, dass es längst nicht bei der Verlängerung des Lockdowns bis Mitte Februar bleibt. "Meine Befürchtungen sind, dass der Lockdown bis Ostern verlängert wird und wir damit nur hingehalten werden", sagt Susanne Oppel, geschäftsführende Gesellschafterin der Autohaus Oppel GmbH. Dieter Horn, Geschäftsführer des Autohaus Betz rechnet sogar damit, dass nicht nur das Frühjahrsgeschäft wegbricht, sondern noch das gesamte Jahr schwierig wird.nUm im Lockdown so viel Geschäft wie möglich zu retten, haben zahlreiche Kfz-Unternehmer in den vergangenen Monaten ihren Online-Vertrieb deutlich ausgebaut. Allerdings sei der kein vollwertiger Ersatz, da viele Kunden nach wie vor Wert auf eine persönliche Beratung vor Ort legen, berichtet Ralf Markötter, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohaus Markötter. Darüber hinaus fehle angesichts der Situation bei den Kunden auch schlicht die Kauffreude. Ein wenig Hoffnung aber besteht. Philip Leuchtenberger etwa glaubt, dass viele Kunden den Autokauf aktuell nur aufschieben würden und es deshalb ähnlich wie im Juni und Juli 2020 spürbare Nachholeffekte geben werde.nKurzarbeit, Sparen, verbleibende Umsatzpotentiale optimal nutzennBis dahin sparen die Betriebe, wo es nur geht. Viele setzen zudem auf Kurzarbeit. Dieter Horn hat alle Neuwagenverkäufer zu 100 Prozent in Kurzarbeit geschickt. Das Autohaus Oppel wiederum hat für die Mitarbeiter im Service und Lager Kurzarbeit beantragt. Um die Auslastung wieder nach oben zu bekommen, kontaktieren die Mitarbeiter dort konsequent Kunden mit fälligen Wartungsarbeiten oder Hauptuntersuchungen. Ähnlich läuft es im Autohaus Timmermans. Dort werde aktuell das Kundenbetreuungsmanagement ausgebaut und zudem daran gearbeitet, Leasing- und Finanzierungsausläufer noch besser zu loyalisieren, schildert Geschäftsführer Thomas Timmermans.nDie Corona-Sicherheitsmaßnahmen sind durch die mittlerweile umfangreichen Erfahrungen mit dem Thema kein Problem mehr: Kontaktloser Service ist allgegenwärtig, Homeoffice die Regel, FFP2-Masken selbstverständlich und Risikobereiche wie die Empfangscounter mit Glasscheiben und Bodenmarkierungen gesichert.nKlar ist aber auch: Wenn der Lockdown noch lange andauert wird es selbst für den stabilsten, wirtschaftlichsten Betrieb irgendwann brenzlig. "Wir verlieren Geld, machen Verluste", sagt Ralf Markötter ganz offen. Vor allem während der harten Einschränkungen gingen die Umsätze extrem in die Knie, während der Großteil der Kosten blieb. Außerhalb des Lockdowns seien die Erlöse dann zwar nur leicht unter Durchschnitt gewesen, die Rendite aber sei deutlich nach unten gegangen. Damit ist er nicht allein: "Jeder Neuwagen, der nicht verkauft wird, ist ein Gewinn", sagt Dieter Horn. Die Änderung der Margen habe den Verkauf mittlerweile komplett unattraktiv gemacht, weil er mit jedem Fahrzeug Geld verliere. Der einzige Grund am Neuwagengeschäft festzuhalten sei, um damit langfristig Kunden für den Aftersales zu generieren.nSelbst für grundsolide Betriebe wird es langsam engnAuf staatliche Hilfen jenseits des Kurzarbeitergeldes hofft derzeit kaum jemand, da viele Unternehmen nach eigener Aussage nicht im Rahmen der Förderrichtlinien liegen. "Wie lange ein Automobilbetrieb das aushält, hängt von seiner individuellen finanziellen und wirtschaftlichen Situation und damit seinen Reserven ab", bringt Ralf Markötter die allgemeine Stimmung auf den Punkt. Susanne Oppel geht davon aus, die gegenwärtige Situation noch ein Jahr lang durchhalten zu können. "Aber nur, weil wir die letzten Jahre gut gewirtschaftet haben und wir einen guten Kontakt zu unseren Hausbanken haben", so die Geschäftsführerin. Das ist auch im Autohaus Timmermans der Fall: "Für unser Unternehmen gehe ich davon aus, dass wir die Corona-Krise wirtschaftlich überleben werden", ist sich Thomas Timmermans sicher.nDabei kommt es aber auch auf die Politik an, sind sich alle befragten Unternehmenslenker einig. Besonders laut ist dabei der Ruf nach einem differenzierteren Vorgehen im Hinblick auf den Lockdown. "Die Pandemie ist gefährlich und Menschen müssen geschützt werden. Niemand möchte Todeszahlen sehen. Andererseits müssen wir unsere Wirtschaft in Gang halten und die Menschen – unsere Kunden müssen wieder Zuversicht bekommen", betont Ralf Markötter. Ein noch längerer, schärferer Lockdown sei "wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod". Nötig sei daher eine Aufhebung des Lockdowns – allerdings unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. "Speziell am Beispiel Autohaus, das traditionell über große Räume mit wenig Menschen verfügt, sind Hygienekonzepte leicht umsetzbar", konstatiert Philipp Leuchtenberger.nDaneben gibt es auch Forderungen nach kurzfristigen Wirtschaftshilfen, von denen auch Autohäuser profitieren und die "ohne großen Beantragungswahnsinn" auskommen, wie Susanne Oppel unterstreicht. Thomas Timmermans plädiert für Kaufanreize, die alle Neuwagen betreffen und nicht nur E-Fahrzeuge, die bei einigen Herstellern nicht lieferfähig seien. Welche Maßnahmen die Politik letztlich auch beschließt, Dieter Horn ist vor allem eines wichtig: "Hauptsache es wird dabei endlich wieder an die Wirtschaft gedacht."