16 Zylinder, eine Musiklegende als Investor und ein berühmter Designer: All das vereint der Cizeta V16T Foto: Jasen Delgado / Sothebys Unterm Hammer: Ein Cizeta V16T, Baujahr 1993, der nur 983 Kilometer gelaufen ist.Warum mitbieten? Wer kennt das Problem nicht: Man fährt wahnsinnig gern Lamborghini, mittlerweile haben aber viele Menschen so einen Hobel, da fällt man damit gar nicht mehr richtig auf. In diesem Fall ist der Cizeta V16T genau das Richtige für einen. Scherz beiseite, der Wagen ähnelt dem Lamborghini Diablo nicht zufällig so stark, er ist gewissermaßen ein Über-Lamborghini: noch mehr Zylinder, noch seltener, noch abgedrehter. Das zeigt sich allein schon darin, wie der Wagen entstanden ist. Claudio Zampolli, ehemaliger Lamborghini-Ingenieur aus Italiens »Terra dei Motori« – der Heimatregion von Ferrari und Lamborghini um Bologna und Modena – verkaufte und wartete in den Achtzigerjahren Supersportwagen in der US-Metropole Los Angeles. Doch Zampolli war das nicht genug, er wollte einen Sportwagen schaffen, der alle anderen übertreffen und seinen eigenen Namen tragen sollte – genauer gesagt, seine Initialen. Denn die lauten italienisch ausgesprochen »ci« und »zeta«. Das Rezept für seinen Sportwagen war Zampolli ebenfalls von Anfang an klar: Fünfgang-Schaltgetriebe, ein Motor mit 16 Zylindern, mittig eingebaut, allerdings wie im Lamborghini Miura quer zur Fahrtrichtung. So steht das »T« im Namen des Wagens nicht für Turbo, sondern für »trasversale«, »quer«. Der Motor von Zampollis Kreation war einzigartig: Sechs Liter Hubraum und 64 Ventile verteilen sich auf die 16 Zylinder. Die Kraft wird durch den Einbau quer zur Fahrtrichtung in der Mitte abgegriffen. Das Aggregat leistet rund 540 PS und soll dem Wagen zu einer Höchstgeschwindigkeit von 328 km/h verholfen haben. Es war jedoch extrem breit und um es passend zu verpacken, wandte sich Zampolli deshalb an einen Designer, der den Sportwagengeschmack der Menschen rund um den Globus geprägt hat wie kaum ein anderer: Marcello Gandini.Aus dessen Feder stammten unter anderem der Rallye-Keil Lancia Stratos, der DeTomaso Pantera sowie die Lamborghini-Boliden Miura, Countach und Diablo – der vor allem in der Frontalansicht dem V16T stark ähnelt. Durch das bullige Heck, das den V16 aufnehmen muss, die seitlichen Lufteinlässe, die an die des Ferrari Testarossa erinnern und das stärker abgesetzte Cockpit wirkt der Cizeta jedoch deutlich präsenter als der Diablo. Und auch in der vergleichsweise ähnlichen Front übertrumpft der V16T wie schon bei der Zahl der Zylinder den Diablo: Statt zweier Klappscheinwerfer hat Zampollis Kreation in bester Trumpf-Sticht-Manier derer vier. Zu all diesen automobilen Superlativen passt der ungewöhnliche Investor, mit dem Zampolli das Projekt schließlich verwirklichen konnte. Ende der Achtzigerjahre überzeugte er den Musikproduzenten Giorgio Moroder, die Entwicklung des Wagens finanziell zu unterstützen. Foto: Jasen Delgado / Sothebys Cizeta V16T: Musiklegende trifft Sportwagenschrauber Die ungewöhnliche Zusammenarbeit begann vielversprechend, 1988 wurde der Wagen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und begeistert aufgenommen. Die Partnerschaft mit Moroder zerbrach jedoch nach der Präsentation des ersten Cizeta-Moroder Prototypen. Zampolli ließ sich davon jedoch nicht aufhalten und machte allein weiter, nun lediglich unter dem Namen Cizeta. Bis 1995 wurden dem Auktionshaus RM Sotheby's zufolge neun Exemplare hergestellt, darunter das nun angebotene blaue Exemplar mit der Fahrgestellnummer 101. Bestellt wurde der Wagen von einem Autohaus in Singapur im Auftrag der Königsfamilie von Brunei. Allerdings kam der rechts gelenkte V16T mit blauer Innenausstattung niemals bei dieser an. Nach der Fertigstellung diente der Wagen erst als Fotomodell für Presseaufnahmen in Italien und als Ausstellungsstück auf dem Genfer Autosalon 1993. Im März desselben Jahres verließ der blaue V16T das Werk in Modena schließlich gen Singapur – um den Stadtstaat in Südostasien für mehr als 25 Jahre nicht mehr zu verlassen. Warum das so war, ist nicht bekannt. Der Wagen blieb bis 2020 im Autohaus in Singapur stehen, mit einem Kilometerstand von lediglich 983 Kilometern, die er dem Auktionshaus zufolge fast vollständig bei Tests für das Cizeta-Werk abgespult haben soll. Durch die unfreiwillige Einlagerung entging dieser V16T jedoch dem tragischen Schicksal zweier schwarzer Exemplare, die ebenfalls von der Königsfamilie Bruneis erworben wurden. Diese wurden von Pininfarina irreversibel umgebaut und mit Ferrari-Zwölfzylindermotoren ausgestattet. Einer dieser Wagen verblieb in zerlegtem Zustand, der andere steht mittlerweile in einem US-Museum.Der einsam in einem Autohaus in Singapur wartende V16T blieb so der einzige der drei, der heute noch im Originalzustand ist.Zuschlag! Das Auktionshaus RM Sotheby's versteigert den Cizeta V16T am 22. Januar in Scottsdale im US-Bundesstaat Arizona. Erwartet wird ein Preis von umgerechnet rund 550.000 Euro. Wem das zu viel ist, dem bleibt noch der Gang an die Spielkonsole: In mehreren Teilen der Gran-Turismo-Reihe kann der V16T virtuell gefahren werden.nIcon: Der Spiegel