Welche Maßnahmen zur Energieeffizienz passen zum eigenen Betrieb und wie sehen die Amortisationszeiten aus? Energieberater Erich Koller gibt Investitionsbeispiele für Autohäuser. Von Erich Koller (erko@energieeffektiv.com)nAufgrund der zusätzlichen Aufgabe von Autohäusern, nun auch Stromtankstelle sein zu müssen, bekomme ich es in meinen Beratungen vermehrt mit "jungen" Autohäusern zu tun. Dabei geht es um die Infrastruktur und die eigene Stromproduktion zur Versorgung der Ladestationen. Bauliche Mängel sind bei diesen Häusern (bis etwa Baujahr 2000) kaum festzustellen, außer dem oft mangelhaften Sonnenschutz. Überraschend ist allerdings, dass – laut meiner Durchschnittswerte aus 445 beratenen Betrieben (siehe Tabelle 1) – der Heizwärmeverbrauch vom Baujahr nahezu unabhängig ist. Ein prägnantes Beispiel: Die Audi-Hangars aus der Jahrtausendwende haben in etwa denselben Heizwärmeverbrauch wie die klassischen VW-Häuser aus den 1960er und 1970er Jahren. Dieser liegt zwischen 130 und 140 kWh, das sind umgerechnet 13 bis 14 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Die Werte aus meiner Tabelle stimmen mit den wenigen Publikationen zu dem Thema in etwa überein: Der Durchschnitt beträgt 138 kWh pro Quadratmeter und Jahr.nEin Grund ist sicherlich, dass in den "goldenen Zeiten" des Autohandels auf eine vernünftige Bauqualität – auch ohne Vorschriften – geachtet wurde. So sind die meisten Dächer aus dieser Zeit bereits acht bis zehn Zentimeter dick gedämmt – eine effiziente Dämmstärke, denn darüber hinaus verbessert sich der Dämmwert nur noch geringfügig.nEnergetisch vernünftiges und wirtschaftliches Bauen bedeutet auch auf unnötige Raumhöhen und Verglasungen zu verzichten, was bei den Hangars dazu führt, dass sie aufwendig zu beheizen und im Sommer schwer zu kühlen sind. Der wesentlich geringere Verbrauch von Werkstätten mit nur einem Zufahrtstor lässt darauf schließen, dass Tore und Eingänge mehr Einfluss auf den Verbrauch haben als die Bauteilqualität. Der wesentlich geringere Verbrauch von Werkstätten mit nur einem Zufahrtstor lässt darauf schließen, dass Tore und Eingänge mehr Einfluss auf den Verbrauch haben als die Bauteilqualität.nAmortisationszeiten ermitteln Was bedeutet das nun für ein Haus, bei dem nach 25 bis 30 Jahren die ersten Blasen auf der Schweißbahn, Risse in der Folie oder Undichtigkeiten an der Lichtkuppel auftauchen? Der Architekt oder Dachdecker wird dann eventuell eine komplette Dachsanierung mit Dämmung vorschlagen. Das summiert sich mit den Folgekosten beispielsweise an der Attika, den Lichtschächten, der Gefälleherstellung oder den Notüberläufen schnell auf 100 Euro pro Quadratmeter.nDie KfW-Förderbank fördert diese aufwendige Sanierung derzeit mit einem günstigen Kredit und 20 Prozent Tilgungszuschuss. Die Amortisationszeit können Autohändler selbst abschätzen, indem sie den durchschnittlichen Jahresverbrauch in kWh – um Witterungsschwankungen auszugleichen möglichst der letzten drei Jahre – ermitteln:nErdgas: Kubikmeter mal zehn ergibt die kWhnHeizöl: Liter mal zehn ergibt die kWh.nFernwärme wird in kWh angegeben. Ein Tipp: Teilen Sie den Netto-Rechnungsbetrag durch die verbrauchten kWh und Sie werden feststellen, dass der Preis zuverlässig mindestens das Doppelte von Erdgas beträgt. Ein Umstieg auf eine eigene Heizung amortisiert sich damit in drei bis vier Jahren.nDiesen Wert teilen Sie durch die beheizte Nutzfläche. Liegt der Wert beispielsweise bei 140 kWh/Jahr, spart man maximal 50 kWh und somit etwa zwei Euro pro Quadratmeter und Jahr (Gaspreis 4 Ct/ kWh). Daraus ergibt sich die Amortisationszeit von 40 Jahren.nEinsparungen durch Dämmung Eine ähnliche Situation ergibt sich bei Fenstern, da verbessert sich der U-Wert – dieser dient als Maßeinheit, um den Wärmeverlust anzugeben – mit dem Wechsel von Einscheibenglas auf Isolierglas enorm, die tatsächliche Einsparung an Heizwärme ist nach meinen Beobachtungen jedoch gering.nEine schnell spürbare Dämmmaßnahme ist die unterseitige Dämmung einer ungedämmten Kellerdecke. Durch den wärmeren Boden verbessert sich das Wohlgefühl, und die Raumtemperatur kann um zwei Grad abgesenkt werden. Unterschätzt wird auch der Wärmeverlust ungedämmter Warmwasserleitungen, den man im Mittel mit 20 kWh pro Meter im Jahr ansetzen kann.nWelche Maßnahmen amortisieren sich schneller? Da ist einmal die "stromerzeugende Heizung", das Blockheizkraftwerk, das sich je nach elektrischer Leistung in drei bis sechs Jahren amortisiert. Rentable Anlagen haben 15 bis 50 kW elektrische Leistung. Die Investitionssumme beträgt zwischen 40.000 und 100.000 Euro, die Lebensdauer liegt bei etwa 15 Jahren. Eine Photovoltaikanlage liegt mit etwa sieben Jahren Amortisationszeit nicht weit dahinter. Bei einer Lebensdauer von mindestens 25 Jahren sollte das Dach bei Bedarf zumindest mit einer Reparaturlage ertüchtigt werden.nBeide Investitionen haben den zusätzlichen Nutzen, dass zusätzliche Stromleistung für Ladestationen zur Verfügung steht. Damit können die Herstellerauflagen für Ladestationen oft ohne kostspielige Netzerweiterungen erfüllt werden. Wichtig ist dabei eine Steuerung, welche die gerade vorhandene Stromleistung auf die Ladestationen verteilt. Ein weiterer Aspekt ist der günstige Stromgestehungspreis mit etwa 14 Ct/kWh, was zumindest dem Preis von Super-Benzin entspricht. 40 Ct/kWh an den Ladesäulen sind dagegen wenig motivierend bei den derzeitigen zehn Cent für Diesel.nDie Umstellung auf LED rechnet sich in zwei bis fünf Jahren. Auch wenn dies bei den meisten Betrieben schon realisiert ist, entdecke ich, vor allem im Außenbereich, noch viele HQI-Strahler (Halogenmetalldampflampen) mit 250 und 400 Watt. Auch hier gilt, dass jedes eingesparte Kilowatt den Ladestationen zur Verfügung steht. Auch dafür gibt es von der KfW 20 Prozent Zuschuss. Der Austausch von Heizungsumwälzpumpen rechnet sich in drei bis sechs Jahren, dafür gibt es 30 Prozent Zuschuss von der Bafa.  Zwei InvestitionsbeispielenIn Tabelle 2 habe ich Investitionspakete gegenübergestellt: mit Amortisationszeiten, CO2-Einsparung und Lebensdauer. Natürlich wäre es angeraten, die perfekten Lösungen zu wählen. Bei begrenzten finanziellen Mitteln hat aber die zweite Variante die klaren Vorteile: Sie amortisiert sich in sechs Jahren, spart wesentlich mehr CO2 und hat zusätzliche Vorteile bei der Elektromobilität.nEs ist wichtig, anstehende Investitionen hinsichtlich der weiteren Planung und Perspektive des Betriebs einzuordnen. Eine Energieberatung kann hier helfen und entscheidende Hinweise geben. Aufgrund der Komplexität des Themas und der zahlreichen Förderprogramme führt die Bafa das mit 80 Prozent bezuschusste Programm "Energieberatung Mittelstand" weiter. Dabei bezahlen Unternehmer für ein komplettes Energieaudit maximal 1.600 Euro netto. Aufgrund Corona muss man nur diesen Eigenanteil zahlen, der Rest wird von der Bafa direkt an den Berater überwiesen.