Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.nKlar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor. Allgemeines zum ModellVielen Liebhabern gilt Volvos Baureihe 940/960 - vorgestellt im Herbst 1990 - als letzter echter Volvo. Die Fahrzeuge der oberen Mittelklasse waren nicht nur größer als der fast zeitgleich eingeführte 850. Der war zugleich das neue frontgetriebene Modell des schwedischen Herstellers, während 940 und 960 noch mit klassischem Hinterradantrieb vom Band rollten. Der war für viele Kunden auf dem skandinavischen Heimatmarkt quasi unerlässlich, dort besitzen viele Menschen Ferienhäuser auf dem Land, oft mit Bootsanleger. Vor dem damals noch häufig strengen Winter mussten die Boote mit dem Hänger an Land geholt werden. "Bei Autos mit Frontantrieb drehen am steilen Ufer aber die Räder durch", sagt Walter Wolf vom Volvo Club Deutschland. Rasch sei daher beim frontgetriebenen Volvo 850 ein Allradantrieb nachgereicht worden.Auf den Hinterradantrieb des großen 940/960 schworen auch Pferdebesitzer und andere Freizeitaktive. Die Anhängelast des Volvo liegt bei über zwei Tonnen. Dazu kommt ein großes Platzangebot im Auto, insbesondere in dessen riesenhafter Kombiausführung. Das Familien-Taxi verkaufte sich auch in Deutschland deutlich häufiger als die Limousine. Volvos 900er Serie war eine Weiterentwicklung des 700 sowie des legendären 200, der sich über 2,7 Millionen Mal verkauft hatte. Der 900 wurde etwas runder gezeichnet. Es gibt aber immer noch genug Ecken und Kanten, um als klassischer Volvo aufzufallen. Ein Manko: Trotz gewaltiger Ladefläche beim Kombi fällt die Zuladung mit 480 Kilogramm recht gering aus, beim 200 waren es noch 600 Kilogramm. Mit fünf Insassen und viel Gepäck ist ein 940/960 daher schnell überladen.In Sachen Sicherheit knüpfte der Wagen an Volvos Tradition an. Das beim 850 eingeführte Seitenaufprallschutz-System SIPS war auch beim 900 ab 1992 Serie. Die Gurte werden bei einem Unfall von einem Straffer automatisch angezogen. Auch bei der Komfortausstattung legten die Schweden nach: Die Rücksitzbank war nun asymmetrisch umklappbar, beim Volvo 200 ging dies nicht. Ein Nachteil der 940er-Modelle mit Vierzylinder ist die Starrachse hinten, die sich bei dem Anderthalbtonner auf unebener Fahrbahn deutlich bemerkbar macht. Die 960er-Limousinen mit Sechszylinder bekamen dagegen eine aufwendige Mehrlenker-Achse spendiert. Was die Motoren betrifft, muss ein Vierzylinder keine schlechte Wahl sein, sofern man mit dem rauen Lauf leben kann. Der 2.0i ist mit seinen 112 PS etwas träge, doch der 2.3i bietet mit 131 PS ausreichende Fahrleistungen.Als bester Motor gilt für viele Fans der 2,3-Liter-Turbo mit 165 PS, der bereits von unten heraus mit gutem Drehmoment erfreut. Das Top-Aggregat im 960, ein laufruhiger Dreiliter-Reihensechszylinder mit 24 Ventilen, kommt auf 204 PS. "Den gab es aber nur mit Viergang-Automatik, die von der Mehrleistung viel abknapst", sagt Experte Walter Wolf. Leistungsmäßig lägen 2.3i Turbo und 3.0i 24V daher näher beieinander als die reinen Leistungsdaten suggerierten. Wer ein 940er in einfacher Ausführung orderte, musste die Fenster herunterkurbeln. Elektrische Fensterheber vorn, Schiebedach oder eine elektrische Antenne kosteten Aufpreis. Auch die beliebte Anhängerkupplung – starr oder abnehmbar – war optional. Andere Extras wurden bei späteren Jahrgängen dagegen Serie. Besonders beliebt sind Classic-Sondermodelle. Zum Gesamtpreis von 49.000 Mark für den Kombi beinhaltete dies im Modelljahr 1997 Airbags vorn, Klimaanlage, Velourssitze mit Teilleder, Alufelgen sowie eine Niveauregulierung. Wer das Winterpaket orderte, bekam ein automatisches Sperrdifferential sowie eine Außentemperaturanzeige dazu. Das Freizeitpaket umfasste Kofferraummatte, -bodennetz, Seitennetztasche sowie eine Kühlbox auf der Ladefläche. Das Luxuspaket beinhaltete Tempomat, Klimaautomatik, elektrische Fensterheber hinten, eine fernbedienbare Zentralverriegelung sowie Ledersitze und Lederlenkrad.1996 wurde das Modell 960 in S90 (Limousine) und V90 (Kombi) umbenannt und weiter aufgewertet, technisch handelt es sich um die gleichen Fahrzeuge. Mit dem Produktionsende 1998 endete dann bei Volvo die Ära des Hinterradantriebs.Warum ausgerechnet der?Wem viel Platz und ein hohes Sicherheitsniveau wichtig sind, kommt an einem alten Volvo kaum vorbei. Bei normaler Pflege sind sehr hohe Laufleistungen die Regel. Walter Wolf hat mit seinem Kombi 2.3i über 400.000 Kilometer abgespult - "und er hat noch den ersten Turbo drin", sagt der 68-Jährige. Wobei Kenner wissen, dass ab diesem Kilometerstand beim 940/960 einige Teile kaputtgehen können, zum Beispiel der Heizungsgebläsemotor. Dann lieber zu einem Volvo mit 550.000 Kilometern auf dem Tacho greifen, wo viele aufwendige Arbeiten schon erledigt sind.Gediegen ist die Ausstattung, mit Leder und Holzapplikationen herrscht im Innenraum Wohnzimmeratmosphäre. Bei der Verarbeitungsqualität steht der 900er Volvo einem BMW 5er E34 oder Mercedes W124 in nichts nach. Dazu kommt eine tolle Rundumsicht. Die Fenster sind groß und die Karosserielinien nicht verschwurbelt wie bei vielen SUV. Eine Einparkhilfe erschiene 940/960-Fahrern daher absurd. Überhaupt überrascht Volvos "letzte Festung" ("Oldtimer Markt") im engen Stadtverkehr mit Gelenkigkeit. Der Wendekreis beträgt winzige 9,8 Meter. "Das ist auf Kleinwagen-Niveau", sagt Walter Wolf.VerfügbarkeitDas Angebot ist groß, es finden sich auch Autos aus erster Hand und in vielen Farben. Sogar von der Sonderausführung Leichenwagen haben etliche Exemplare überlebt. Generell überwiegen 940er-Kombis mit Schaltgetriebe, beim 960 Kandidaten mit Automatik. Bei Liebhabern begehrt sind späte und gut motorisierte Classic-Sondermodelle, die bis auf Schiebedach und elektrische Sitze praktisch alle anderen Extras serienmäßig an Bord haben.ErsatzteilversorgungVerschleißteile gibt es massenhaft, auch für Karosserie und Interieur haben Volvo sowie Teilespezialisten wie Skandix noch vieles auf Lager. Eine Versorgungslücke gibt es beim Fünfganggetriebe. Für die Erneuerung der Kupplung braucht man spezielles Zentrier-Equipment, das einige Großhändler an Werkstätten gegen Gebühr ausleihen. Auch für den Zahnriemen-Wechsel wird Spezialwerkzeug zum Blockieren der Kurbelwelle benötigt, der Eingriff selbst ist simpel. Kunststoff- und Innenausstattungsteile sind teils nur noch gebraucht zu bekommen. Vor 30 Jahren kamen bei den Autobauern verstärkt modernere umweltfreundlichere Kunststoffe zum Einsatz, die deutlich schneller verspröden (Beispiel: Luftfilterkasten).Ersatzteilpreise (beispielhaft)Kotflügel neu, unlackiert: ca. 180 EuroTurbolader neu: ca. 700 EuroZahnriemen Austausch: ab 300 Euro beim Turbo, ab 1200 Euro bei Sechszylinder und 16VSatz Bremsscheiben vorne: ca. 100 EuroSchwachstellenDer Tacho quittiert mal seinen Dienst, häufig liegt dies an einer defekten Leiterplatte. Dann fällt der Tempomat mit aus, der Wagen fährt aber normal weiter. Kaputte Tachos kann man ausbauen und an Spezialfirmen zur Reparatur schicken (Kosten: ca. 200 Euro). Korrosion ist beim 940/960 dank guter Rostvorsorge praktisch kein Thema, es sei denn Batteriesäure läuft aus und frisst sich in den Rahmen. Optisch unschön sind Türpappen, die nach Jahrzehnten Sonneneinstrahlung knittern. Heckleuchten bleichen im Alter aus. Diese sollte man mit Original-Rücklichtern ersetzen, auch wenn diese teurer sind. Bei Kopien aus dem Zubehör werden die Dichtungen oft schnell durchlässig, sodass Wasser in die Karosserie läuft. Wenn der Heckscheibenwischer nicht mehr will, ist vermutlich die Achse festgerostet. Die kann man neu kaufen oder man zerlegt und überholt das Teil. Gut eingefettet funktioniert der Wischer dann wie neu.PreisAb 1000 Euro gibt es fahrbereite, aber in der Regel ziemlich heruntergerockte Exemplare. Volvo 940/960 in ordentlichem Zustand kosten zwischen 3000 und 5000 Euro. Für gut ausgestattete Fahrzeuge mit Turbo oder Sechszylinder bezahlen Liebhaber auch mehr, Preise über 10.000 Euro sind dennoch selten.nIcon: Der Spiegel Foto: JAGUAR LAND ROVER CLASSIC DEUTSCHLAND Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang