Aktualisiert am 23. September 2020, 10:01 UhrnWie war das noch mal mit der Rettungsgasse? Was ist bei der Bedienung von elektronischen Geräten während der Fahrt zu beachten? Hier antwortet ein Fachanwalt für Verkehrsrecht auf Ihre Fragen.Mehr Autothemen finden Sie hierDass auch klare Regeln nicht vor Ärger schützen, zeigt sich kaum irgendwo sonst so deutlich wie tagtäglich im Straßenverkehr. Häufige Irrtümer, die über das Verkehrsrecht kursieren, führen nicht nur zu Stress und Konflikten, sondern mitunter sogar zu gefährlichen Situationen.Auch unsere Leser wenden sich mit Fragen an unsere Redaktion: Was tun, wenn andere die Vorschriften missachten? Welche Regel gilt in einer konkreten Situation? Warum halten sich immer weniger Menschen an das Rechtsfahrgebot?Hier antwortet Albert Cermak, Fachanwalt für Verkehrsrecht in München, auf diese Fragen. Am Ende des Textes haben auch Sie die Möglichkeit, uns Ihre Frage zu schicken! Leserfrage: "Immer wieder erlebe ich, dass Autofahrer bei Stau beginnen, eine Rettungsgasse zu bilden – andere sich aber nicht daran halten und über die freigewordene Spur überholen. Ab wann ist die Situation für eine Rettungsgasse gegeben?"Sobald der Verkehr stockt, ist außerorts (auf Autobahnen und Außerortstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung) eine Rettungsgasse zu bilden. Das heißt: Sobald die Fahrzeuge mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sie sich im Stillstand befinden."Wie sieht diese Rettungsgasse auf einer dreispurigen Autobahn aus, wenn ein Standstreifen vorhanden ist?"Die Rettungsgasse ist immer zwischen dem äußerst linken Fahrstreifen und dem Streifen rechts daneben zu bilden. Die Fahrzeuge auf der linken Spur müssen also so weit wie möglich nach links fahren, alle anderen nach rechts.Der Standsteifen darf im Normalfall nur zur Hälfte für die Bildung der Rettungsgasse genutzt werden, es sei denn, er ist explizit zum Befahren freigegeben. Dann gilt er als normaler Fahrstreifen.n"Zu ihrem Artikel 'Darf ich im Notfall schneller fahren?' habe ich eine Frage: Als meine Mutter 1994 einen Herzinfarkt erlitt, wurde es mir verweigert, im Krankenwagen mitzufahren. Also fuhr ich im eigenen Auto hinterher - und über eine rote Ampel. Ich musste 100 Mark Strafe bezahlen. Die Straßen waren leer. War das rechtens?"Das Hinterherfahren hinter dem Rettungswagen stellt keinen Fall des Notstands dar, der einen Rotlichtverstoß rechtfertigen und damit straffrei machen würde.Die Gesundheit des Patienten hängt schlichtweg nicht davon ab, dass etwa ein hinterherfahrender Angehöriger gleichzeitig mit dem Patienten im Krankenhaus ankommt. Die Gefahr für den Straßenverkehr, die ein solcher Rotlichtverstoß mit sich bringt, ist nicht hinnehmbar."Ohne Freisprechanlage zu telefonieren, während man fährt, ist natürlich verboten. Aber wie sieht es mit der Bedienung anderer Geräte aus: Radio, Navi und sonstige Screens? Kann so etwas überhaupt überprüft und geahndet werden?"Was viele nicht wissen: Auch die Bedienung anderer Geräte als Smartphones ist mittlerweile nur sehr eingeschränkt erlaubt. §23 Abs.1a StVO besagt zusammengefasst:Jegliche elektronische Geräte, die der Kommunikation, Information oder Organisation dienen oder zu dienen bestimmt sind, dürfen nur benutzt werden, wenn sie dafür nicht in die Hand genommen werden müssen. Zudem müssen sie über eine Sprachsteuerung oder Vorlesefunktion nutzbar sein - oder es muss lediglich ein kurzer Blick erfolgen, der den Fahrer nicht vom Verkehrsgeschehen ablenkt.In der Praxis wird meist darauf abgestellt, ob Tippbewegungen erkennbar sind. So ist etwa das Schreiben einer Kurznachricht, während das Handy in der Halterung ist, nicht erlaubt. Letztendlich soll jegliche Ablenkung durch elektronische Geräte vermieden werden. Wer dagegen verstößt, muss im Regelfall mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen."Seit Kurzem gilt ja die neue Regel, beim Überholen 1,5 Meter Abstand zu Fahrradfahrern einzuhalten. Dabei gerät man häufig auf die Gegenfahrbahn. Ist das nicht gefährlich? Wozu wurde diese Regel eingeführt?" Albert Cermak ist Fachanwalt für Verkehrsrecht in München und beantwortet hier Ihre Fragen.n© privat Die Vorschrift wurde schlichtweg zur Stärkung der Fahrradfahrer als Verkehrsteilnehmer eingeführt. Fahrradfahrer sind vollwertige Fahrzeuge im Straßenverkehr. Wie bei jedem Überholvorgang muss der Überholende ausschließen, dass es zur Gefährdung des Gegenverkehrs kommt. Ist kein gefahrloses Überholen möglich, darf nicht überholt werden."Es ist zunehmend zu beobachten, dass Autofahrer sich nicht an das Rechtsfahrgebot halten, den mittleren Fahrstreifen blockieren und nicht nach rechts ausweichen. Lohnt es sich, in solchen Fällen das Kennzeichen zu notieren? Was droht Fahrern, die das Rechtsfahrgebot missachten?"Das Rechtsfahrgebot ist neben dem Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme eines der Grundprinzipien im deutschen Straßenverkehrsrecht. Bei einem Verstoß drohen 80 EUR Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Bei einem hartnäckigen Blockieren von Spuren kann sich eine Anzeige also durchaus spürbar auswirken.Abzuraten ist von Versuchen, den Vorausfahrenden durch zu nahes Auffahren zum Freimachen der Spur zu bewegen. Das kann den Straftatbestand der Nötigung erfüllen und zu Geldstrafen führen, die individuell nach Tagessätzen bestimmt werden und bei etwa einem Nettomonatsgehalt liegen. Zusätzlich gibt es meist ein ein- bis dreimonatiges Fahrverbot. (af)Sie suchen Antworten auf Fragen zum Verkehrsrecht? Schreiben Sie uns! Unter "Kontakt in die Redaktion" unter diesem Artikel haben Sie die Möglichkeit, uns Ihre Frage zu schicken. Die Liste der Aufreger im Straßenverkehr ist lang. Staus, Auffahren vom Hintermann oder die Ablenkung durch das Smartphone: Eine entspannte Autofahrt kann schnell stressig oder gar gefährlich werden.