Die Auto-Nachfrage in Europa entwickelte sich auch im Juni schwächer, die Verluste waren aber kleiner als noch im Mai. Frankreich konnte sich vom Negativtrend abkoppeln - dank einer Kaufprämie für sparsame Verbrenner. Von Branchenberater und AUTOHAUS-Experte Detlef BorscheidnEuropas Automarkt kommt nur langsam aus dem Corona-Tal heraus. Im Juni gingen die Pkw-Neuzulassungen erneut deutlich zurück (minus 24,6 Prozent). Im Mai hatte es aber noch einen Einbruch von 56 Prozent im Jahresvergleich gegeben.nTrotz Lockerungen der gesundheitspolitischen Corona-Maßnahmen zögern die Verbraucher mit dem Kauf von Fahrzeugen. Die Verunsicherung ist bezüglich der zukünftigen Arbeits- und Einkommensentwicklung groß. Auch die Unternehmen halten sich mit ihren Ausrüstungsinvestitionen und damit mit dem Austausch bzw. Erweiterung ihrer Fuhrparks zurück.nPositiv: In Frankreich sind die Neuzulassungen gegen den europäischen Trend gestiegen. Es wurden 233.820 Pkw neu zugelassen und damit 1,2 Prozent mehr als im Juni 2019. Dies liegt daran, dass die Regierung in Frankreich die Maßnahmen zur Förderung von Neufahrzeugen am 1. Juni 2020 erweitert und dafür eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt hat.nVerbrenner-Prämie wirktnSo kommen in Frankreich nicht nur Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge in den Genuss einer Kaufprämie, sondern auch sparsame Benzin- und Dieselautos. Der Käufer erhält eine Zuzahlung von 3.000 Euro, wenn er seinen Gebrauchtwagen (Benzinmodelle vor 1. Januar 2006 zugelassen, Dieselmodelle vor 1. Januar 2011 zugelassen) gegen einen modernen Verbrenner (Fahrzeuge mit weniger als 137 g CO2/ km nach WLTP) eintauscht. Zuschüsse gibt es solange, bis 200.000 Pkw verkauft sind. Bis zum 25. Juni wurden schon über 60.000 Prämien beantragt. Der europäische Automobilverband ACEA fordert angesichts des bisher beispiellosen Absatzrückgangs in der Corona-Krise Kaufanreize und Abwrackprogramme in der gesamten EU, um die dringend benötigte Nachfrage nach Neuwagen zu schaffen und um den Schaden für Produktion und Beschäftigung zu begrenzen. Die fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen, die in den meisten europäischen Ländern durchgeführt werden, stützen die Wirtschaft. Konjunkturprogramme, wie z.B. das Ende Juni für Deutschland von der Bundesregierung verabschiedete, werden sowohl den Konsum wie auch die Unternehmensinvestitionen fördern.nDarüber hinaus plant die EU ein Wiederaufbauprogramm von 750 Milliarden Euro. Dieses soll gerade den finanzschwachen Ländern, wie Spanien und Italien, bei der Überwindung der Krise helfen. Die EZB stockte bereits ihr Corona-Notkaufprogramm für Anleihen um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro auf.nAufgrund der fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen der Länder, der EU und der ZEB wird die Wirtschaft in den kommenden Monaten ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau sich wieder positiv entwickeln. Aber aufgrund des äußerst schwachen ersten Halbjahres wird die Wirtschaftsleistung 2020 insgesamt stark einbrechen. Darüber hinaus gibt es vielen europäischen Ländern Fördermittel beim Kauf von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen. Diese werden, wenn auch nur begrenzt, die Gesamtnachfrage nach Pkw stützen. Aufgrund des äußerst niedrigen Neuzulassungsniveaus im ersten Halbjahr (minus 39,5 Prozent) wird es trotz der genannten Verbesserungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der zweiten Jahreshälfte und dem damit verbundenen Anstieg der Pkw-Nachfrage zu einem deutlichen Rückgang der Neuzulassungen 2020 um 25 Prozent auf 11,85 Millionen Autos kommen.