Gute Fahrt Trotz aller Kritik - die meisten Deutschen lieben ihr Auto. Doch der Pkw macht zuweilen auch Probleme. Hier gibt es Hilfe für die Praxis. Diesmal: Was vor der Fahrt in den Urlaub zu beachten ist. Von Matthias Kriegel 08.07.2020, 05.06 Uhr Foto: Westend61/ Getty Images Keine Safaritour in Afrika, kein Roadtrip an der US-Ostküste, keine Wanderungen im Himalaya: Viele Urlaubspläne liegen wegen der Corona-Pandemie auf Eis - vor allem Fernreisen, aber auch Europatrips. Doch immerhin ist Urlaub machen generell wieder möglich. Das Auto ist dabei wieder zum beliebtesten Transportmittel geworden. Einige machen in diesem Jahr womöglich auch ihre erste Urlaubsreise mit dem Pkw und stellen sich die Frage: Was ist alles zu beachten, damit es während der Reise keine Probleme gibt? Experten vom Autoclub ADAC und der Prüfgesellschaft Dekra nennen eine Reihe von Präventionsmaßnahmen, die zu beachten sind, bevor es mit dem Pkw auf Reisen geht. Neben dem Check von Ölstand und Kühlwasser bei Autos mit Verbrennungsmotor (Lesen Sie dazu: Ölstand prüfen, Kühlwasser nachfüllen - so funktioniert's) gibt es weitere Merkposten:Reifendruck prüfenReifen gehören zu den für die Sicherheit relevantesten Pkw-Teilen. Ist der Reifendruck falsch eingestellt, können Sicherheitsmängel auftreten (längerer Bremsweg, schlechtere Kurvenlage) - mehr Kraftstoff wird womöglich auch verbraucht. Gerade vor längeren Reisen mit dem Auto ist es daher notwendig, den Reifendruck zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen, auch beim Reserverad. An nahezu jeder Tankstelle finden sich dafür Messgeräte und Kompressoren, meist kostenlos. Wie hoch der Reifendruck bei einem Pkw sein sollte, legt der Hersteller des Autos fest. Die Werte sind an verschiedenen Stellen zu finden: im Handbuch des Pkw, bei geöffneter Fahrertür an der B-Säule, auf einem Aufkleber im Handschuhfach oder an der Innenseite der Tankklappe. (Für mehr Informationen zum Thema Reifen lesen Sie: Reifencheck - darauf kommt es an) Scheinwerfer einstellenViele Dinge am Auto können zu Hause, unterwegs oder an der nächsten Tankstelle überprüft werden. Als Erstes sollte unbedingt die Beleuchtung des eigenen Wagens überprüft werden. Denn viele Fahrten in den Urlaub beginnen, wenn es dunkel ist. Licht, Blinker, Warnblinker, Nebelscheinwerfer – alles kann in wenigen Augenblicken noch auf der eigenen Auffahrt überprüft werden. Damit andere Fahrzeuge nicht geblendet werden, sollte unbedingt die Höhenkorrektur des Abblendlichts angepasst werden - denn mit Urlaubsgepäck ist das Auto deutlich schwerer als sonst. Das dafür zuständige Rädchen befindet sich meist links neben dem Lenkrad. Bremsen prüfenSchon ein kurzer Bremstest gibt Aufschluss darüber, in welchem Zustand sich die Bremsscheiben befinden. Beim kräftigen Bremsmanöver darf das Auto nämlich nicht die Spur verlassen. Gibt es Auffälligkeiten, sollte vor der Reise unbedingt noch die Werkstatt aufgesucht werden. Die Mitarbeiter dort überprüfen auch, wie alt die Bremsflüssigkeit ist. Sie sollte nicht älter als zwei Jahre sein.Klimaanlage testenEinmal in der Werkstatt, lohnt es sich, auch einen Blick auf die Lüftung werfen zu lassen. Denn nichts ist nerviger als eine streikende Klimaanlage auf der Autobahntour. Ob die Klimaanlage funktioniert, ist aber auch schnell selbst zu bemerken. Wenn bei heruntergeregelter Temperatur nicht zeitnah nach Einschalten kalte Luft aus den Düsen strömt oder es beginnt zu stinken, stimmt etwas nicht. Batterie prüfenUnd nicht nur wir kommen im Sommer ordentlich ins Schwitzen. Der Stromspeicher kann ebenso unter der Hitze im Sommer leiden, der ADAC verzeichnet deshalb jährlich viele Einsätze. Die Batterien eines Pkw mit Verbrennermotor halten meist fünf bis sechs Jahre. Ist das Auto älter und der Stromspeicher nie gewechselt worden, sollte sie vor der Reise in der Werkstatt inspiziert werden. Bei einigen Batterien reicht auch schon ein kurzer Blick aus, um Schäden sofort selbst zu identifizieren: Wenn weißes Pulver an den Batteriepolen zu erkennen ist, sollte die Batterie dringend gewechselt werden.TÜV-Plakette checkenWer ohne gültige TÜV-Plakette fährt, dem drohen Punkte in Flensburg oder sogar ein Bußgeld. Deshalb ist es ratsam, zu prüfen, ob die Hauptuntersuchung des Fahrzeugs nicht etwa genau in die Reisezeit fällt. Die Coronakrise hat aber auch hier Veränderungen mit sich gebracht: Der TÜV Süd hat die straffreie Frist für das Überziehen der Hauptuntersuchung im Jahr 2020 von zwei auf vier Monate ausgedehnt. Zudem wurde die Frist zur Nachuntersuchung für die "Hauptuntersuchung mit Mängeln" verlängert. Sie beträgt nun in den meisten Bundesländern zwei Monate.Dachlasten: Besonderheiten beachtenOb Dachzelt, Kofferbox oder Fahrradträger - Dachaufbauten eignen sich für den Familienurlaub optimal. Allerdings gilt es zu beachten, welche Dachlasten zulässig sind. Wird die Dachlast überschritten und das Fahrzeug erleidet einen Schaden, haftet der Hersteller im Zweifel nicht mehr. Die korrekte Angabe ist im Handbuch des Fahrzeugs zu finden. Außerdem zu beachten: Bei der Fahrt mit Dachlasten verändern sich die Fahreigenschaften - der Fahrzeugschwerpunkt erhöht sich. Das hat zur Folge, dass sich die Seitenneigung des Autos verstärkt, bei Kurvenfahrten unter- bzw. übersteuern kann, der Pkw bei starken Bremsmanövern stärker nach vorne nickt und bei schnellem Richtungswechsel eine erhöhte Schleudergefahr besteht. Zulässiges Gesamtgewicht nicht vergessenWenn der Kofferraum vor der nächsten Reise wieder in Tetris-Manier vollgepackt wird - nicht vergessen: auch das Gesamtfahrzeug hat ein zulässiges Gesamtgewicht, das nicht überschritten werden sollte. Die Angaben sind in der Zulassungsbescheinigung 1 (Fahrzeugschein) zu finden. Für das Laden des Kofferraums gilt: Schweres nach unten. Gepäck, das im Fond des Fahrzeugs verstaut wird, sollte zusätzlich gesichert werden, sodass es bei einer Vollbremsung nicht zum Geschoss wird. Wichtig: Bei voller Beladung unbedingt an Reifendruck und Scheinwerfereinstellung denken (siehe oben).Nie ohne Notfall-SetWird hoffentlich nicht gebraucht, sollte aber immer in Reichweite sein. Gerade bei einer Panne darf die Suche nach dem Notfall-Set nicht zu viel Zeit kosten. Am besten verstaut ist das Notfallset also in der Klappe seitlich im Kofferraum oder vorne im Handschuhfach, unter dem Sitz oder im Seitenfach der Tür. Vor der Reise unbedingt überprüfen: Ist es vollständig? Denn: Vom Gesetzgeber ist vorgeschrieben, dass sich das Warndreieck, eine Warnweste und ein Verbandskasten immer im Auto befinden.Route planen: Tücken der NavigationssoftwareIst das Navigationsgerät auf dem neuesten Stand? Falls nicht, sollte nach Möglichkeit die Software aktualisiert werden. So lässt sich so manche Irrfahrt ("Wir hätten links gemusst") vermeiden. Falls es mit einem E-Auto oder einem Brennstoffzellen-Fahrzeug auf Reisen geht, bekommt die Routenplanung noch einmal höhere Bedeutung: Hier sollte unbedingt vorher geplant werden, wo sich Ladestationen oder Wasserstoff-Tankstellen entlang der Route befinden. Wer will schon gerade zur Urlaubszeit mitten im Nirgendwo stranden?Kindersitze prüfenKinder wachsen schnell, Kindersitze leider nicht. Blöd ist es allerdings, wenn das erst bei Reiseantritt bemerkt wird. Deshalb sollte vorher überprüft werden, ob die Kindersitze noch alters- und größengerecht sind - das ist nicht nur im Falle eines Unfalls sicherheitsrelevant, sondern ein passender Sitz erhöht auch den Komfort der Kinder.Und jetzt: gute Fahrt!nIcon: Der Spiegel