2009 wurde der Prototyp Trabant nT vorgestellt, als elektrisch angetriebener Nachfolger des klassischen Trabi.nAndreas Rentz/ Getty Images "Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt": Der Anfang der ehemaligen DDR-Nationalhymne hätte auch als Beschreibung des Projekts Trabant nT gepasst. Die DDR war längst verschwunden und auch das berühmteste DDR-Auto, der Trabi, wurde seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr produziert, als sich im Herbst 2009 auf der IAA in Frankfurt am Main ein sensationelles Comeback anzubahnen schien. In Halle 8 stand die Neuauflage eines Autos, das durch Zweitaktknattern und Abgasfahne weltbekannt geworden war. In diesem Fall jedoch handelte es sich um ein Elektroauto, konzipiert für den Stadtverkehr und designt im Stil des Plasteklassikers: der Trabant nT. Das Interesse am neuen Trabi war überwältigend. Andreas Rentz/ Getty Images Trabant nT: Himmelblau der Zukunft zugewandt Das hatte mit der Geschichte des Autos zu tun. Ab 1957 waren in den Sachsenringwerken in Zwickau mehr als drei Millionen Trabant-Typen gefertigt worden. Am bekanntesten wurde der ab 1964 gebaute Trabant P 601 mit der charakteristischen, aus Harzpulver und Baumwolle gefertigten Karosserie, die dem Wagen Kosenamen wie "Rennpappe" oder "Plastikbomber" einbrachten. 1991 lief das letzte Modell vom Band. Doch auch danach blieb der Trabi ein Verkaufsschlager - im Maßstab 1:78. Die Miniatur zählte in der Nachwendezeit zu den Bestsellern des mittelfränkischen Modellauto-Herstellers Herpa. Was den damaligen Herpa-Marketingchef Klaus Schindler dazu animierte, der Marke Trabant neues Leben einzuhauchen - auch im größeren Format. Erster Schritt war ein "new Trabi" im Maßstab 1:10, den Herpa auf der IAA des Jahres 2007 ausstellte. 12.000 Messebesucher wurden befragt, ob sie sich ein Trabi-Comeback in dieser Form vorstellen könnten. Mehr als 93 Prozent antworteten zustimmend, was Schindlers Pläne beflügelte: Herpa sicherte sich die Lizenz für die Namensrechte am Trabant. Darauf wiederum wurde Nils Poschwatta aufmerksam, bis dato Designer bei VW. Für die Wolfsburger hatte er unter anderem am Retromodell New Beetle mitgearbeitet, er hatte also Erfahrung mit dem Modernisieren von Autoklassikern. Seine Idee für einen neuen Trabi: Charakterprägende Elemente sollten beibehalten, die Technik des Wagens jedoch zeitgemäß und wegweisend weiterentwickelt werden. Wohl nie hat sich ein Kleinwagen so groß angefühltDas Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit wurde auf der IAA 2009 enthüllt: der Trabant nT. Innerhalb eines halben Jahres hatte der sächsische Karosseriebauer Indikar aus Poschwattas Entwürfen den Prototypen auf die Räder gestellt. Das Ergebnis war ein Kleinwagen, der im Vergleich zum Original riesig wirkte: 3,95 Meter lang und damit knapp 40 Zentimeter mehr als der 601; 1,69 Meter breit und damit 20 Zentimeter breiter. Der Innenraum wirkte großzügig, auch weil die Macher auf Schnickschnack verzichteten. Rechts neben dem Lenkrad, wo im Original Aschenbecher und Radio steckten, befanden sich im nT lediglich USB- und Zwölf-Volt-Buchsen für portable Navigati­onsgeräte und MP3-Player. Die runden Scheinwerfer und die angedeuteten Heckflossen erinnerten eindeutig an den echten Trabi. Dafür überraschte der Neue mit einem Elektroantrieb. Das war ein Coup, BMW etwa stellte erst zwei Jahre später die Studie des Elektroautos i3 vor. Der Trabant nT sollte den "Trend zur Entkomplizierung und ökologischen Verantwortung unterstreichen" und war als reines Stadt- und Kurzstreckenfahrzeug ausgelegt. Bekanntheit, Sympathie und Aufmerksamkeit der Marke sollten bloß als Startkapital dienen."Der Trabant war historisch als Stinker bekannt. Uns allen war deshalb klar, dass der neue Trabi elektrisch fahren muss, damit das Comeback gelingen kann", sagt Ronald Gerschewski, damals und auch heute noch Geschäftsführer bei Indikar. Als Höchstgeschwindigkeit hatten die Entwickler 130 km/h festgelegt. Damit überflügelte der Elektronachfahre den Zweitaktahn – der lediglich Tempo 100 schaffte. Der Lithium-Ionen-Akku ermöglichte nach Herstellerangaben rund 160 Kilometer Reichweite, die E-Maschine entwickelte bis zu 47 kW, also etwa 63 PS. Eine Besonderheit des himmelblauen Prototyps waren die Solarpaneele auf dem Dach, die Strom für die Innenraumklimatisierung liefern sollten.Viele Interessenten, wenig MutNicht wenige waren sich damals sicher: Dieser Trabi 2.0 hat das Potenzial zum echten Hit. Indikar-Chef Gerschewski war damals überzeugt, dass der Wagen innerhalb weniger Jahre in Großserie gebaut und auf die Straßen gebracht werden könne. Eine Hoffnung, für die jedoch noch ein finanzstarker Partner gefunden werden musste. "Es gab damals mehr als hundert Interessenten", erinnert sich Gerschewksi. Trotzdem kam es nie zu einem aussichtsreichen Vertragsabschluss. Vermutlich war das Timing fatal, etliche Unternehmen und Investoren haderten noch mit den Folgen der Finanzkrise von 2008.Der Trabant nT blieb ein Unikat. Der bildhübsche Prototyp gehört nach wie vor Indikar. Aktuell ist das Auto ein Teil der Landesausstellung "500 Jahre Industriekultur in Sachsen" im August Horch Museum in Zwickau.  Zu kaufen ist der neue Trabi übrigens auch – allerdings nur im Maßstab 1:43, als Modellauto der Firma Herpa. Doch möglicherweise bleibt es nicht dabei. Die 2009 erteilte Lizenz für die Nutzung der Trabant-Markenrechte wurde erst im vergangenen Jahr verlängert.nIcon: Der Spiegel