Der umstrittene neue Bußgeldkatalog mit höheren Strafen für Raserinnen und Raser wird in mehreren Bundesländern vorerst nicht mehr angewendet. "Wir werden deshalb ab sofort für laufende Verkehrsordnungswidrigkeitenverfahren die alte Rechtslage anwenden", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).nDer Freistaat folgt damit einer Aufforderung des Bundes, die Neuregelungen auszusetzen. Die in der neuen Straßenverkehrsordnung vorgesehenen Fahrverbote sind wahrscheinlich nichtig - wegen eines "fehlenden Verweises auf die notwendige Rechtsgrundlage". Zuvor hatte das Saarland erklärt, das alte Regelwerk wieder anwenden zu wollen.Auch Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen gaben bekannt, wieder zum alten Katalog zurückzukehren. "Laufende noch offene, also noch nicht mit Bescheid abgeschlossene Verfahren, sowie auch zukünftige werden ab sofort nach dem alten Bußgeldkatalog bearbeitet", sagte ein Sprecher der Hamburger Verkehrsbehörde. Die Haltung mehrerer anderer Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, blieb zunächst unklar. Thüringen will Regelungen beibehaltenNach dem neuen Bußgeldkatalog droht ein Monat Führerscheinentzug, wenn man innerorts 21 km/h oder außerorts 26 km/h zu schnell fährt. Zuvor galt dies bei Überschreitungen von 31 km/h im Ort und 41 km/h außerhalb.nWährend sich Bund und Länder weitgehend einig über die formale Fehlerhaftigkeit der neuen Regelung sind, gehen die Meinungen über das richtige Strafmaß bei Geschwindigkeitsüberschreitungen auseinander. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will wieder mehr Milde walten lassen, das grün mitregierte Baden-Württemberg verlangt sogar härtere Sanktionen.nIn Thüringen soll erst mal alles beim Alten bleiben. So erklärte Infrastrukturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke): "Es gibt keinen Grund, diese Regelungen nun zugunsten von Rasern zurückzunehmen."nIcon: Der Spiegel