Der erste Eindruck: Einer wie alle - oder doch nicht? Auf den ersten Blick wirkt der Mazda MX-30 wie ein normales Kompakt-SUV. Bei genauerem Hinsehen erkennt man das Besondere: Gegenläufig angeschlagene Türen ohne B-Säule. Das gibt es schon beim elektrischen BMW i3 oder beim Sportwagen Mazda RX-8, doch bei den SUV ist das neu.nDas sagt der Hersteller: "Mazda geht gern einen eigenen Weg", sagt Unternehmenssprecher Jochen Münzinger. Tatsächlich verfolgen die Japaner oft eine Technikstrategie, die vom Mainstream abweicht. So hielt Mazda als einzige Marke dem Wankelmotor die Treue - dem Aggregat, in dem der Kolben rotiert. Auch der selbstzündende Benziner ist eine Besonderheit bei Mazda. Nach zwei Jahrzehnten Forschung ging er im vergangenen Jahr in Serie.Elektroautos sind ein weiteres Thema, bei dem Mazda lange gegen den Strom geschwommen ist. Nicht mal ein Hybridmodell bot das Unternehmen an. Doch nun zwingen die CO2-Vorgaben aus Brüssel Mazda zum Kurswechsel. Und so hat die Marke nun ein Akku-Auto entwickelt. "Doch auch in diesem Fall laufen wir nicht stumpf dem Trend hinterher", sagt Produktmanager Christian Heider. Damit meint er vor allem den Trend zu immer größeren Batterien, die Reichweiten von vielen Hundert Kilometern ermöglichen. So rüstet etwa VW den Kompaktwagen ID.3 zum Langstreckenauto auf, das mit einer Batterieladung bis zu 550 Kilometer weit kommt. Doch weil die tägliche Fahrstrecke der Kunden selten bei mehr als 30 bis 40 Kilometer liege, müsse man keine riesige Batterie einbauen, findet Mazda. Die treibt den Preis in die Höhe und ihre Herstellung verschlingt viel Strom - das trübt die CO2-Bilanz. "35 kWh und 200 Kilometer sind aus unserer Sicht deshalb genug", sagt Heider und beziffert den Gewichtsvorteil gegenüber der Konkurrenz auf bis zu 400 Kilogramm. Ob Mazda da wirklich an der richtigen Stelle spart, muss jeder Autokäufer für sich entscheiden. Die Geschichte des Automobils zeigt, dass Kunden im Zweifel mehr Leistung wollen als sie benötigen. Mazda ist mit dieser Akkustrategie allerdings auch nicht ganz allein. Weitere aktuelle Modelle mit eher kleinen Batterien sind der Honda E und der Mini SE. Das ist uns aufgefallen: Nicht nur wegen des Türkonzepts erinnert der Mazda an den BMW i3. Auch das Ambiente zeigt Parallelen. Wie BMW setzt Mazda auf grobe Stoffe und experimentiert mit Naturmaterialien. Bei BMW sind es Bambus oder Holz, bei Mazda ist es Kork. Das Rindenmaterial ist über viele Konsolen drapiert. Das fühlt sich gut an, und ist ein Sprung zurück zu den Wurzeln des Herstellers. Denn Mazda wurde vor 100 Jahren als Korkhersteller gegründet. Ansonsten wirkt das Innenleben des MX-30 teils angestaubt. Links und rechts eines Bildschirms im Cockpit gibt es noch analoge Instrumente, die Ladestand und Kraftfluss anzeigen - also ob Energie verbraucht oder beim Bremsen gewonnen wird. Das Display auf dem Armaturenbrett ist schmal. Es lässt sich nur mit den Fingern bedienen, wenn der Wagen steht. Brillant wirkt hingegen der zweite Touchscreen, der als Klimazentrale neu in die Armaturentafel rückt.  Etwas ungünstig ist wiederum der Einstieg konzipiert. Durch die gegenläufig angeschlagenen Türen kommen Hinterbänkler zwar leichter auf ihre Plätze als in zweitürigen Autos, doch wirklich bequem ist der Zustieg nicht. In der zweiten Reihe geht es trotz einer Fahrzeuglänge von 4,40 Meter auch eher eng zu. Die kleinen, nicht zu öffnenden Fenster lassen den Fond zusätzlich knapp bemessen wirken. Umso angenehmer fährt sich der MX-30. Er ist gut gegen Störgeräusche von außen gedämmt. Zudem lässt sich Energie beim Verzögern in gleich fünf Stufen zurückgewinnen. Der Fahrer kann entweder meilenweit segeln oder tatsächlich mit einem Pedal fahren und allein durch das Lupfen des rechten Fußes auf den Punkt hin bremsen. Zudem fühlt sich das Auto sportlicher und direkter an als alle anderen Elektroautos in dieser Klasse. Zwar ist er mit 107 kW Leistung und 271 Nm Drehmoment nicht der stärkste. Und die Höchstgeschwindigkeit auf 140 km/h begrenzt, das ist selbst unter Stromern rigoros. Doch während andere Elektroautos bei Landstraßenfahrten lustlos wirken, schneidet der MX-30 nur so durch die Kurven, da helfen das geringere Gewicht und die intelligente Drehmoment- und Traktionskontrolle. So erinnert er an den kleinen Roadster MX-5, der bei der Namensgebung Pate stand.Das muss man wissen: Bestellt werden kann der MX-30 ab sofort, ausgeliefert wird das Auto ab Ende September. Die Preise beginnen bei 33.490 Euro und berechtigen damit zum Abzug der vollen staatlichen Kaufprämie von 6000 Euro zuzüglich des Herstelleranteils von 3000 Euro netto. Dann kostet der Stromer ähnlich viel wie der konventionelle Geländewagen CX-3 im gleichen Segment.Für Ambiente und Ausstattung gibt es viele Optionen. Beim Antrieb bietet Mazda zunächst nur eine Variante an: Eine vorn platzierte E-Maschine mit 107 kW Leistung (145 PS). Geladen wird die 35,5 kWh-Batterie (nur) mit maximal 50 kW. An der Schnellladestation ist der Akku nach 40 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt. Die Wallbox zu Hause braucht rund 4,5 Stunden, bis der MX-30 ganz voll ist. An der Haushaltssteckdose dauert das zehn bis zwölf Stunden.Mittelfristig könnte sich das Antriebskonzept ändern, deuten die Mazda-Manager an. Nach wie vor liebäugeln sie mit dem Einbau eines kleinen Wankelmotors, der unterwegs Strom für den E-Motor erzeugt und so die Reichweite verlängert. Platz dafür wäre unter der Haube des MX-30.Das werden wir nicht vergessen: Das vertraute Brummen, das beim Beschleunigen anschwillt und auch danach nicht verstummt. Während andere Hersteller von der Stille der Stromer schwärmen oder einen Weltraumsound komponieren, simuliert Mazda das Geräusch eines konventionellen Verbrenners. Das wirkt weder gekünstelt noch vorlaut und gibt E-Fahrern wieder ein Gespür für die eigene Geschwindigkeit.Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Mazda unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.nIcon: Der Spiegel