Elektroautos sollen mit der höheren Prämie für mehr Kunden erschwinglich werden. Zum finalen Durchbruch reicht sie dem Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer zufolge jedoch nichtnMaskot/ Getty Images SPIEGEL: Herr Dudenhöffer, mit dem Konjunkturpaket wurde auch eine höhere Förderung für Elektroautos beschlossen. Schlägt nun die Stunde der Stromer?Ferdinand Dudenhöffer: Teilweise. Günstige Elektrofahrzeuge wie der VW e-Up oder der Opel Corsa-e werden durch die höhere Prämie natürlich attraktiver. Reine Elektroautos machen derzeit rund fünf Prozent des Marktes aus. Dieser Anteil wird steigen, aber in überschaubarem Maße. Das ist ein wichtiger Schub, aber kein finaler Durchbruch für das Elektroauto. Denn höherwertige Fahrzeuge wie der Porsche Taycan oder der Audi e-tron, die in Deutschland Jobs sichern, sind von der Prämie ausgeschlossen. Das halte ich für problematisch. imago stock&people/ APress/ imago imagesnFerdinand Dudenhöffer, Jahrgang 1951, ist Wirtschaftswissenschaftler und Direktor des "CAR-Center Automotive Research", einem privatwirtschaftlichen Forschungs-Institut in Duisburg. Von 2008 bis 2020 war er Professor für Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. SPIEGEL: Die Förderung des Bundes für ein Elektroauto wird immerhin verdoppelt, warum reicht das nicht zum Durchbruch?Dudenhöffer: 3000 Euro mehr oder weniger bringen nicht massenhaft Kunden dazu, plötzlich ein E-Auto zu kaufen. Und die Hersteller werden die Prämie möglicherweise verwässern, indem sie auf andere Rabatte verzichten. Durch die begrenzten Stückzahlen werden die Autohersteller vorsichtig sein und nicht 100 Prozent der Förderung an den Kunden weiterreichen.SPIEGEL: Man bekommt kurzfristig gar kein Elektroauto?Dudenhöffer: Kaum. Käufer eines vollelektrischen Autos brauchen Geduld, ähnlich dem Warten auf einen Trabant in der DDR. Derzeit muss man oft mehrere Monate Lieferzeit einplanen. Die Prämie wird das weiter verstärken. Die Lieferzeiten sinken erst in den nächsten Jahren, wenn die Kapazitäten bei den Batteriezellherstellern steigen. "Als Maßnahme ist das absolut lächerlich"nFerdinand Dudenhöffer SPIEGEL: Parallel sinkt die Mehrwertsteuer. Welchen Effekt hat das auf den Automarkt?Dudenhöffer: Nur einen sehr kleinen, als Maßnahme ist das absolut lächerlich. Niemand kauft plötzlich ein Auto, weil es 2,5 Prozent Zusatzrabatt gibt. Die Hersteller werden die Mehrwertsteuerkürzung an die Kunden weitergeben und sie nicht draufschlagen, einen wirklichen Effekt hat diese Maßnahme aber nicht.SPIEGEL: Gleichzeitig haben die Hersteller viele unverkaufte Verbrennerautos herumstehen. Werden sie hier massive Rabatte geben, um die Fahrzeuge loszuwerden?Dudenhöffer: Zu einer Rabattschlacht wird es kaum kommen. Es wird Rabatt-Steigerungen geben, aber nur in begrenztem Umfang. Das wird aber nicht ausreichen, um beim Kunden einen Kaufimpuls auszulösen. Die Industrie wird eher versuchen, Kapazitäten abzubauen, weil die Nachfrage nach Neuwagen auch in den nächsten drei bis vier Jahren nicht besonders steigen wird. Und wer weniger produziert, muss auch weniger Rabatte geben. Die Hersteller werden also eher die Produktion kürzen und nach der Kurzarbeit zu Entlassungen übergehen. SPIEGEL: Neben reinen Elektroautos werden auch Plug-in-Hybride gefördert, die auch einen Benzin- oder Dieselmotor haben. Wird so die von den Herstellern geforderte generelle Autokaufprämie auch für Verbrenner durch die Hintertür eingeführt?Dudenhöffer: Das ist natürlich ein Grenzbereich. Plug-in-Hybride haben aber keinen so großen Marktanteil, als dass das eine echte Hintertür wäre. Diese Förderung hat aber einen wichtigen Vorteil: Diese Fahrzeuge sind kurzfristig verfügbar und werden vor allem von deutschen Herstellern angeboten. Man hat hier also nicht den Trabi-Effekt, der bei E-Autos zu sehen ist und sichert Arbeitsplätze. Für Mercedes ist das besonders entscheidend, dort wäre man sonst mit der Ausnahme des Smart bei der Förderung leer ausgegangen. Und auch bei BMW spielt der Plug-in eine wichtige Rolle. "Für VW ist die Entscheidung extrem gut"nFerdinand Dudenhöffer SPIEGEL: Welcher Hersteller dürfte von der höheren Elektroprämie am stärksten profitieren?Dudenhöffer: Für VW ist die Entscheidung extrem gut, gerade für den neuen ID3 und die darauf aufbauende Elektrofamilie des Konzerns ist das ein Geschenk. Das wird dem Start zusätzlichen Schwung verleihen. Aber auch BMW wird profitieren, da man Batterieautos und Plug-In-Hybride im Programm hat. Jeder, der ein Elektroauto für weniger als 40.000 Euro im Portfolio hat, wird Zuwächse verzeichnen. Und dazu gehört mittlerweile auch Tesla.SPIEGEL: Für teurere Autos gilt die höhere Kaufprämie ja nicht. Wer hat am wenigsten von der höheren Förderung?Dudenhöffer: Der größte Verlierer ist meiner Meinung nach Porsche, da der Taycan durch seinen hohen Preis auch von der höheren Förderung ausgeschlossen ist.SPIEGEL: Eine höhere staatliche Förderung kann das Kräfteverhältnis verschieben. Was lohnt sich denn nun am meisten: Ein Batterieauto, ein Plug-In-Hybrid oder doch ein Verbrenner?Dudenhöffer: Das hängt vom Fahrprofil ab. Für normale Verbraucher ist das Batterieauto jetzt noch mal konkurrenzfähiger, da auch der Strom günstiger wird. Solange der Sprit aber so billig bleibt wie jetzt, sind Verbrenner weiterhin vergleichsweise günstig. Zwar steigt der Spritpreis ab 2021 durch die CO2-Besteuerung, aber der Effekt wird erst 2025 stark genug sein, um mehr Menschen vom Kauf eines E-Autos zu überzeugen. Beim aktuellen Dieselpreis lohnt sich der Umstieg für viele Pendler deshalb nicht. SPIEGEL: Wie sieht das bei Firmenflotten aus, werden nun mehr Dienstwagen elektrisch?Dudenhöffer: Nein, auch hier wird der günstige Sprit zum Bremsklotz. Für Firmen lohnen sich Plug-in-Hybride jetzt noch stärker. Hier geht der Wandel nur vom Diesel zum Diesel als Plug-in-Hybrid.SPIEGEL: Gleichzeitig steigt die Kaufpreisgrenze für die günstige Besteuerung reinelektrischer Dienstwagen von 0,25 Prozent von 40.000 auf 60.000 Euro. Ist das der Durchbruch für Tesla im klassischen Revier der deutschen Premiumhersteller?Dudenhöffer: Das wird Tesla Schub geben, aber nicht für einen Durchbruch reichen. Denn auch hier spielt der niedrige Dieselpreis den deutschen Herstellern in die Karten. Solange sich das nicht ändert, bleiben Dienstwagen Dieselautos oder Plug-In-Hybride. Gleichzeitig machen die unzähligen Sonderregelungen die Entscheidung für ein Auto unnötig kompliziert. Bei so komplexen Dingen verliert dann meist die neue, ungewohnte Technologie und man setzt beispielsweise beim Dienstwagen auf Altbewährtes. Anstatt an vielen kleinen Schrauben zu drehen, wäre es besser gewesen, bei E-Autos ganz auf die Mehrwertsteuer zu verzichten. Das hätte Elektroautos über Nacht auch beim Preis konkurrenzfähig gemacht.nIcon: Der Spiegel