Der neue Land Rover Defender - Offroad-Urgestein auf aktuellem Stand der TechniknLand Rover Der erste Eindruck: Playmobil im Maßstab 1:1.Das sagt der Hersteller: "Respekt vor dem Erbe, ja. Aber keine Restriktionen." So umschreibt Land-Rover-Designchef Gerry McGovern die Strategie, mit der er den neuen Defender entwarf. Auch Technik-Vorstand Nick Rogers spricht von der Balance zwischen dem alten und dem neuen Modell: "Wir haben die herausragenden Fähigkeiten und das klare, funktionelle Interieur des Originals aufgegriffen - und auf dieser Basis die Ikone für das 21. Jahrhundert neu erdacht." Baureihen-Chef Nick Collins wird etwas konkreter: "Weil wir auf einem weißen Blatt angefangen haben und uns jede Menge neuer Technik zur Verfügung stand, konnten wir viele Dinge anders angehen und die Fähigkeiten des Defenders in jeder Disziplin deutlich verbessern." So schlage er sich im Gelände noch besser als bisher, biete auf der Straße einen zeitgemäßen Komfort und sei umfassend digitalisiert. Land Rover Fotostrecke Land Rover Defender: Der Allrad-Evergreen Das mit dem Respekt vor dem Erbe stimmt insofern auch nur theoretisch. Während VW beim New Beetle stolz eine originale Käfer-Schraube verbaute und Mercedes bei der G-Klasse etwa die Türgriffe die gesamte Bauzeit nicht veränderte, ist der Defender von Grund auf neu. Collins: "Es gibt im neuen Auto kein einziges Bauteil des Vorgängers mehr." Das ist uns aufgefallen: Hinter dem Lenkrad ein großer Bildschirm, daneben ein Touchscreen und ringsum mehr USB-Ports als in einem Großraum-Büro - aus dem beinharten Geländegänger ist ein Computer auf Rädern geworden. Das Infotainment ist immer online, das Betriebssystem lässt sich über 5G-Chips während der Fahrt aktualisieren und es gibt knapp ein Dutzend Kameras an Bord.Trotzdem bleibt der Land Rover ein rustikaler Geländewagen. Es gibt statt Touch-Flächen nach wie vor traditionelle Schalter und Taster, die stabil und griffig wirken. Vor dem Armaturenbrett prangt ein massiver Magnesium-Träger, der die Karosserie zusammenhält und auch bei starker Verschränkung jedes Knarzen verhindert. An den seitlichen Haltegriffen kann man sich zuverlässig ins Auto ziehen - und zur Not wohl auch einen Elefanten festbinden. Und weil der Defender immer noch als Werkzeug wahrgenommen werden will, gaben sich die Designer keine Mühe, etwa die Schrauben in den Konsolen zu verkleiden. Die Elektronik bestimmt auch den Antrieb. "Terrain Response" heißt das zentrale Assistenzsystem, das Land Rover für den Defender nochmals verfeinert hat und das selbst Fahranfänger zu gewieften Buschpiloten macht. Die Elektronik stimmt Fahrwerk, Stabilitätskontrolle, Motorsteuerung, Automatikgetriebe und die Kraftverteilung des Allradantriebs so auf den jeweiligen Untergrund ab. Wer zudem die Getriebeuntersetzung aktiviert und die Bodenfreiheit mit der optionalen Luftfederung anhebt, überwindet spielerisch nahezu jedes Hindernis. War der Defender früher ein Gerät für Profis, kommen nun auch Laien am Lenker weiter als je zuvor.  Die Elektronik birgt allerdings auch ein Risiko. Bei Pannen im Busch lässt sich das Auto heute nicht mehr von jedem Dorfschmied reparieren wie beim Vorgänger. Baureihen-Chef Collins kann damit gut leben. Der Defender sei auf Millionen Testkilometern in aller Herren Länder auf die härtesten Proben gestellt worden. Außerdem seien die Legenden von Reparaturen mit Drahtrolle und Vorschlagammer nicht mehrt als das: Legenden. "Man mag es kaum glauben, aber auch im Vorgänger gab es zuletzt schon ein paar Steuergeräte." Die ersten 800 Kilometer Safari-Testfahrt in Namibia geben ihm recht: Zwar wurden ein paar Reifenwechsel fällig, doch auch nach stundenlanger Kriechfahrt über steinige Pässe und endlosen Etappen in den Dünen gab es keine weiteren Defekte. So stolz Land Rover auf die Qualitäten des Defender als Abenteurer ist, am größten ist der Fortschritt im Alltag spürbar. Das beginnt bei der Sitzposition, die endlich der menschlichen Anatomie entspricht, führt über eine Lenkung, die mehr als nur eine Empfehlung für die Fahrtrichtung abgibt, und endet beim Fahrwerk, das überraschend komfortabel abgestimmt wurde. Und selbst der schwächste Motor des neuen Modells ermöglicht Fahrleistungen, die den Defender auf ganz neues Terrain führen - die Überholspur. Mit den optionalen 22-Zoll-Rädern und dem stärksten Motor knackt er sogar erstmals die 200-km/h-Marke. Für Defender-Fahrer alter Schule muss sich das wie Lichtgeschwindigkeit anfühlen.Das muss man wissen: Vier Jahre hat sich Land Rover mit dem Modellwechsel Zeit gelassen und die Produktion pausiert. Nun startet der neue "Landy" zu Preisen ab 55.600 Euro mit dem Fünftürer, der das traditionelle Kürzel "110" trägt und sich auf 5,02 Meter (inklusive außen angebrachtem Ersatzrad) streckt. Ein paar Monate später folgt der knapp 6000 Euro günstigere "90"er, der drei Türen hat und 4,58 Meter misst. Beide Karosserievarianten gibt es mit jeweils drei Sitzkonfigurationen: als konventionelle Fünfsitzer, mit einem Extra-Sitz zwischen Fahrer und Beifahrer sowie mit einer zusätzlichen dritten Sitzreihe im Kofferraum, so dass bis zu acht Personen ins Auto passen.Auch sonst steckt der Defender einiges weg: Das Kofferraumvolumen erreicht im besten Fall zwei Kubikmeter, aufs Dach dürfen zwischen 150 (fahren) und gut 300 Kilogramm (im Stand) gepackt werden, und an den Haken nimmt der Defender mehr als drei Tonnen. Damit sich die rundererneuerte Konstruktion rechnet, rückt der Defender technisch eng an den Discovery heran. Mit ihm teilt er sich die selbsttragende und weitgehend aus Aluminium gefertigte Karosseriestruktur ebenso wie die Einzelradaufhängung und das Heer an Assistenzsystemen. Und auch die Motoren, immer mit Allrad und Achtgang-Automatik gekoppelt, sind bekannt: Los geht es mit einem 2,0-Liter-Diesel mit 200 oder 240 PS, einem ebenso großen Benziner mit 300 PS sowie einem drei Liter großen Reihensechszylinder-Benziner, der 400 PS leistet und als Mild-Hybrid mit 48-Volt-Stystem und elektrischem Starter-Generator vorfährt. Dabei soll es aber nicht bleiben. Schon bald will Land Rover auch ein Plug-in-Hybridmodell anbieten, und die Abteilung für Special Operations hat schon herausgefunden, das der gute alte V8-Kompressor mit fünf Litern Hubraum und mehr als 500 PS ebenfalls unter die kantige Haube passt, wie sich Projektleiter Collins entlocken lässt. Das werden wir nicht vergessen: Ein fetter Schriftzug auf der Haube, zwei an den vorderen Kotflügeln, einer am Heck, dazu noch welche in den Türeinstiegsleisten und formatfüllend vor dem Beifahrer - ja, der neue Defender hat sich so weit vom alten entfernt, dass die Briten offenbar lieber einmal zu viel als einmal zu wenig deutlich machen: Ja, richtig, das hier ist der Defender.nIcon: Der Spiegel Hersteller:Land RoverTyp:DefenderKarosserie:SUVMotor:Reihensechszylinder-Turbobenziner mit DirekteinspritzungGetriebe:Achtgang-AutomatikAntrieb:AllradHubraum:2996 ccmLeistung:400 PS (294 kW)Drehmoment:550 NmVon 0 auf 100:6,1 sHöchstgeschw.:208 km/hVerbrauch:9,6 l/100 kmCO2-Ausstoß:220 g/kmKofferraum:160 Literumgebaut:2380 LiterMaße:4758 / 2008 / 1967Gewicht:2.361 kgPreis:68.900 Euro